Gesundheitscoach in der Tasche

Dezember 2015 | Handelsblatt | Gesundheit & Arbeit

Gesundheitscoach in der Tasche

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für das betriebliche Gesundheitsmanagement? Ein Gespräch mit dem BGM-Experten und Mitbegründer des Corporate Health Awards Benjamin Klenke.

Illustration: Irene Sackmann
Klaus Lüber / Redaktion

Herr Klenke, die Motivation des Teilnehmers, dauerhaft etwas für seine Gesundheit zu tun, wird nach wie vor einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für jedes betriebliche Gesundheitsmanagement sein. Welche Rolle kann hierbei die Digitalisierung spielen?

 

Zunächst einmal kann man flächendeckend Mitarbeiter an nahezu jedem Standort und jederzeit erreichen. Das ist ein großer Vorteil besonders für dezentral organisierte Unternehmen. Dann wissen wir mittlerweile aus der Praxis, dass ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg eines betrieblichen Gesundheitsmanagements ein niedrigschwelliger Einstieg ist. Genau das können digitale Tools leisten.

 

 

Wie funktioniert das dann konkret?

 

Zum Beispiel haben Sie als Unternehmen die Möglichkeit, sogenannte Wearables einzusetzen, die viele Mitarbeiter schon aus ihrem privaten Umfeld kennen. Dazu gehört die iWatch von Apple genauso wie Pulsmesser oder Schrittzähler. Mit den generierten Gesundheitsdaten ist es möglich, interne Wettbewerbe unter Mitarbeitern zu veranstalten, die in der Regel gut ankommen. Eine weitere Möglichkeit ist die Buchung verschiedener BGM-Leistungen über ein Onlineportal. Oder sie verwenden eine Gesundheitsmanagement-App, die wie eine Art Gesundheitscoach in der Tasche funktioniert. Über einen Fragenkatalog zu Themen wie Ernährung, Psyche etc. wird ein persönlicher Gesundheitsindex erstellt - was eine gute Grundlage für weitere Maßnahmen bildet.

 

Das heißt, man sollte Online-Tools auch immer mit klassischen BGM-Maßnahmen kombinieren?

 

Unbedingt. Im Grunde ist die intelligente Verknüpfung beider Bereiche gerade der Schlüssel zum Erfolg. Sehr gute Ergebnisse erzielen Unternehmen mit einem Konzept, das man „blended“ nennen könnte. Hierzu starten Sie mit einem Event, das dem Teilnehmer ein direktes, motivierendes Erlebnis bietet. Dadurch wird ein Lernprozess in Gang gesetzt, den Sie im zweiten Schritt durch den Einsatz von Online-Tools per App oder Web begleiten, bis ein zweites Event die gewonnenen Erkenntnisse vertieft.

 

BGM ist also dann besonders erfolgreich, wenn es einen Lernprozess in Gang setzt?

 

Ganz genau. Schon lange ist bekannt: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist dann erfolgreich, wenn es nachhaltig Gesundheitskompetenzen aufbaut. Und genau dafür ist eine Kombination aus Offline- und Onlinenangeboten perfekt. Mit den Events erreichen Sie besonders nicht-gesundheitsaffine Zielgruppen. Emotionalisierung ist hier der entscheidende Mechanismus. Und die Online-Tools unterstützen den beginnenden Lernprozess.

 

Nun können die Gesundheitsdaten, die zum Beispiel über Apps generiert werden, hochsensibel sein. Zum Beispiel, wenn es um die Erfassung der psychischen Gesundheit geht. Gibt es hier nicht massive Datenschutzbedenken vonseiten der Arbeitnehmer?

 

Sie haben Recht, hier herrscht natürlich eine große Sensibilität, zumal das Thema ja schon seit einiger Zeit sehr präsent in der öffentlichen Wahrnehmung ist. Nun muss man aber sagen: Es gibt im Rahmen eines digitalen BGM durchaus schon effektive Mittel, die eigenen Daten zu schützen. Entscheidend ist es, den Mitarbeitern die Angst zu nehmen, ihre Daten seien nicht sicher. Da ist es als Unternehmen ganz wichtig, proaktiv vorzugehen und die Mitarbeiter von Anfang umfassend zu informieren und möglichst umfassend auf Bedenken einzugehen.

 

Benjamin Klenke; Leiter Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) der brainLight GmbH