Gute Luft

Dezember 2020 | Die Zeit | Die Arbeitswelt der Zukunft

Gute Luft

Gesunde Raumluft ist eine Grundvoraussetzung für gutes Arbeiten im Büro. Das gilt in Pandemiezeiten umso mehr, viele Firmen setzen verstärkt auf spezielle Filtersysteme.

Illustrationen: Luisa Jung by Marsha Heyer
Andrea Hessler / Redaktion

Arbeitnehmer haben Anspruch auf einen Arbeitsplatz, der ihrer Gesundheit nicht schadet. Dazu zählt auch gesunde, frische Luft. Gegen Mikroorganismen und zu viel Kohlendioxid am Arbeitsplatz helfen regelmäßiges Lüften, Luftfilter und UVC-Strahlen. Dirk-Uwe Clausen, Inhaber eines Hamburger Edeka-Marktes, zeigte Reportern kürzlich stolz seine neueste Errungenschaft. An Decke und Wänden seines Marktes hängen UVC-Leuchten, die das Ambiente in ein bläuliches Licht tauchen. Sie sollen, so die Herstellerfirma Signify, Corona-Viren in der Raumluft abtöten und so die Ansteckungsgefahr für Clausens Kunden und Mitarbeiter verringern.

 

Die Wirkung von UVC-Strahlung auf Mikroorganismen ist gut erforscht. Das American Journal of Infection Control berichtet, die Desinfektion mit UVC-Licht sei eine umweltfreundliche Methode, Bakterien, Viren und infektiöse Pilze abzutöten. Die Bedeutung dieser Methode steige vor allem in medizinischen Einrichtungen ständig. Wichtig ist dabei, dass sich die UVC-Quellen wie in Clausens Supermarkt zwei bis drei Meter von Menschen entfernt befinden – die Strahlung soll nur die Luft reinigen und keinesfalls in Haut oder Gewebe eindringen.

 

Doch nicht nur geruchlose Grippe- und Corona-Viren bedrohen Beschäftigte am Arbeitsplatz. Laut Arbeitsstättenverordnung soll dort „ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft“ vorhanden sein – mit möglichst viel Sauerstoff und möglichst wenig Kohlendioxid. Die Kohlendioxid-Konzentration in Räumen, in denen sich Menschen aufhalten, ist ein wichtiger Indikator für die Raumluftqualität. So gelten laut der Technischen Regeln für Arbeitsstätten mehr als 2.000 ppm (Parts per Million, Anzahl der Teile von einer Million Teile) Kohlendioxid in Innenräumen als „hygienisch inakzeptabel“. Die schlechte Raumluft verursacht Kopfschmerzen und Müdigkeit, vermindert Konzentration und Arbeitsleistung und kann sogar die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Fehlzeiten erhöhen.

 

Neben den Ausdünstungen von Möbeln, Teppichböden und dem IT-Equipment sind auch die Arbeitnehmer selbst Emissionsquellen. Jeder gesunde Mensch scheidet bei sitzender Tätigkeit, täglichem Wäschewechsel und knapp einer Dusche pro Tag Geruch mit der Stärke „ein Olf“ aus. „Olf“ (von dem lateinischen Begriff Olfactus, Geruchssinn) ist die Maßeinheit der Geruchsintensität, die der dänische Professor Ole Fanger eingeführt hat. Inzwischen gilt als sicher, dass auch die olfenden Kollegen mitverantwortlich sind für das „Sick Building Syndrome“ (SBS), das viele Arbeitnehmer in Form von Reizungen der Schleimhäute, Ausschlägen, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Konzentrationsschwäche heimsucht.  

 

Doch schlechte Raumluft ist vermeidbar. Natürlich hilft das im Zuge von Corona propagierte Lüften auch gegen Mief und Olf. Wo Fenster nicht geöffnet werden können oder die Außenluft keine Verbesserung bedeuten würde, müssen Filter eingesetzt werden. Hier gilt das Motto: Viel hilft viel.

 

Ideal ist eine Kombination aus Vorfilter für grobe Partikel, Schwebstofffilter der Klasse H 13 gegen Feinstaub, Pollen und Mikroorganismen sowie Aktivkohlefilter, der Gase und Gerüche abfängt. Doch gegen extrem olfende Kollegen, die zu wenig duschen oder zu viel parfümieren, sind auch starke Filter nahezu machtlos. In diesen Fällen hilft nur ein freundliches, aber bestimmtes Gespräch mit der Bitte um mehr olfaktorische Rücksichtnahme.