Was heißt eigentlich agil?

Die neue Arbeitswelt ist vielschichtig. Wer sich tiefer einlesen oder gar aktiv an der Debatte teilnehmen will, kommt um ein paar zentrale Begriffe nicht herum. Wir haben eine kleine Auswahl zusammengestellt.

 

Illustration: Christian Sommer
Illustration: Christian Sommer
Klaus Lüber Redaktion

Agilität
Seine Karriere begann der Begriff in der Software-Entwicklung und meint, eine bestimmte Art der kooperativen Zusammenarbeit, die nicht mehr nach einem genau festgelegten Plan und dessen rigoroser Umsetzung erfolgt. Stattdessen steht ein gemeinsames Verständnis des gewünschten Ergebnisses und ein ständiges Nachjustieren des Prozesses im Mittelpunkt. Aber könnte man agiles Arbeiten nicht einfach flexibles Arbeiten nennen? Nicht ganz. Wenn wir einen Zustand flexibel nennen, meinen wir, dass etwas reaktiv seine Form verändern kann, dann aber wieder zur Ausgangsform zurückfindet. Agil ist, was proaktiv aufgrund äußerer und selbstbestimmter Anforderungen die Form verändert und dann auch in der neuen Form bleibt.


Alignment
Der englische Begriff für Anordnung oder Ausrichtung beschreibt, wie einheitlich die strategische Ausrichtung einer Organisation ist. Von einem „hohen“ Alignment spricht man, wenn alle Personen sich an den gleichen übergeordneten Zielen und Prioritäten ausrichten. Der Begriff kann sich auch auf die Abstimmung verschiedener Gruppen, also Teams, Kreise oder Abteilungen einer Organisation beziehen: Hier beschreibt er den Grad der Vereinbarkeit der verschiedenen strategischen Gruppenziele miteinander. Doch was ist die Grundlage für ein hohes Alignment? Es ist dann gegeben, wenn alle Mitarbeitenden Strategie, Werte und Vision ihrer Organisation kennen. Voraussetzung dafür wiederum ist, dass diese Werte und die Vision sich wirklich in der Unternehmenskultur widerspiegeln und die Strategie der Organisation daraus abgeleitet wird.


Bullshit-Jobs
Zurück geht der Begriff auf eine Analyse des Kulturanthropologen David Graeber. In seinem 2018 erschienenen Buch „Bullshit Jobs: A Theory“ beschreibt er Tätigkeiten, die zwar keinen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, also in diesem Sinne nutzlos sind, dennoch aber gut bezahlt werden. Als typisch gelten Anstellungen im mittleren Management, die lediglich Anweisungen der Führungsebene an Mitarbeitende delegieren. Nach Graeber seien Bullshit-Jobs weit verbreitet und binden erhebliche Mengen gesellschaftlichen Potenzials. Dabei sind Bullshit-Jobs nicht zu verwechseln mit Shit-Jobs. Denn damit ist im Grunde das exakte Gegenteil gemeint: Nützliche und sinnvolle Tätigkeiten, die in der Regel aber mies bezahlt sind und wenig Wertschätzung erfahren.


ChangeManagement
Ein sehr präsenter Begriff, der aber etwas tückisch ist, weil er oft mit Transformation verwechselt wird. Dabei meint er etwas fundamental anderes: Statt sich offen auf komplexe Veränderungen einzustellen und echten Wandel zuzulassen, wird beim Change Management versucht, Veränderungsprozesse aktiv zu managen, sie also nach klassischen Steuerungslogiken handhab- und vorhersehbar zu machen. Viele dieser Veränderungsprozesse sind nach wie vor top-down angelegt und erschöpfen sich im ungünstigsten Fall auf den Versuch, die organisationale Realität an ein vorgedachtes Konzept anzupassen.


Intrapreneurship
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens verhalten sich so, als ob sie Unternehmer:innen wären. Das ist die Idee von „Intrapreneurship“. Ziel ist es, sie zu animieren, innovativ zu denken, Ideen proaktiv zu entwickeln und die Vision und Strategie der Organisation immer im Blick zu haben. Geprägt wurde der Begriff durch den US-amerikanischen Wirtschaftsexperten Gifford Pinchot III. Für Unternehmen kann Intrapreneurship ein Impuls für Wandel sein, weg von einer klassisch-hierarchischen Struktur, die Rollen fest vorgibt, hin zu mehr Selbstverantwortung.

 

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Warum kommen wir so schleppend voran beim Thema Gleichberechtigung in der Arbeitswelt? Die Berliner Unternehmerin Fränzi Kühne hat ein kluges Buch zum Thema geschrieben.