Mit Wasserstoff zur Dekarbonisierung der Industrie

Niedersachsen bietet das Potenzial für industrielle Erzeugung und diversifizierte Seeimporte mit verfügbaren Technologien.

Innovationsverbund aus Stadt, Region, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
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Wasserstoff Campus Salzgitter Beitrag

Deutschland und die EU stehen vor einem enormen Bedarf an grünem Wasserstoff, um zukünftig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und die Industrie zeitnah auf klimaneutrale Prozesse umzustellen. Um die Herausforderungen und offenen Fragen beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zu adressieren, wurde im Jahr 2019 der Wasserstoff Campus Salzgitter ins Leben gerufen. Der Campus ist ein Verbundprojekt von kommunalen Akteuren, Forschung und Wirtschaft, um Salzgitter als Modellregion für eine erfolgreiche Transformation zur Klimaneutralität in Industrie, Mobilität und Gesellschaft zu entwickeln.

Das Projekt „GreenH2SZ“ liefert Lösungen, eine zeitnahe Versorgung von Salzgitter als zukünftigen Wasserstoffstandort zu realisieren. Durch eine Modellierung unterschiedlicher Lieferketten werden Möglichkeiten eines schnellen Markthochlaufs bis 2030 aufgezeigt. Die Wasserstofferzeugung in Niedersachsen kann einen wichtigen Beitrag zu konkurrenzfähigen Preisen (Gestehungskosten von ca. 4 €/kgH2) im Vergleich zu Importen leisten. Der heimische Markthochlauf ist jedoch abhängig vom Windenergieausbau sowie den gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Strombezug.

Wasserstoffimporte über den Seeweg bieten ein größeres Skalierungspotenzial, haben aber eine längere Implementierungszeit. Insgesamt bietet Niedersachsen beste Standortvoraussetzungen, die notwendige Kombination aus Wasserstofferzeugung in Deutschland mit diversifizierten Importen zu liefern, um eine ausreichende Verfügbarkeit von Wasserstoff in 2030 zu ermöglichen. Hierzu werden Häfen ertüchtigt und ein Wasserstoffnetz zur Versorgung von Industriestandorten aufgebaut. Wasserstoffimporte aus Ländern mit einem hohen Potenzial an erneuerbaren Energien können mit verfügbaren Technologien und Transportinfrastrukturen realisiert werden, indem Wasserstoff in Ammoniak, Methan oder Methanol umgewandelt wird. Mit verfügbaren Transportschiffen kann grüner Wasserstoff so in gebundener Form importiert werden und die Nachfrage in verschiedenen Branchen decken. Der Transport von Flüssigwasserstoff wird erst nach der Markteinführung ausreichend großer Transportschiffe voraussichtlich nach 2030 möglich sein.  Die entstehenden Flüssiggas-Terminals können perspektivisch mit synthetischem Methan aus grünem Wasserstoff auf klimaneutrale Energien umgerüstet werden, wie es in Wilhelmshaven geplant wird, sofern CO2-Abscheidungen und CO2-Exporte in Deutschland ermöglicht werden. Der CO2-Bedarf für die Methanisierung des grünen Wasserstoffs kann aus abgeschiedenen Industrieemissionen gedeckt werden, sodass das CO2 als Wasserstoffträger in einem Kreislaufsystem genutzt wird. Als weitere Option werden Ammoniak-Importterminals geplant. Das Thesenpapier „Kurzfristige Lösungen für grünen Wasserstoff in Salzgitter“ erklärt die Modellierung der Wasserstofflieferketten und leitet Kernbotschaften für einen erfolgreichen Markthochlauf ab. Die Ergebnisse können online abgerufen werden.

www.wasserstoff-campus-salzgitter.de

 

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