Gute Nachrichten …

 ... sind selten in dieser Zeit? Falsch. Ein Plädoyer für mehr Optimismus.

Illustrationen: Ivonne Schreiber
Illustrationen: Ivonne Schreiber
Mirko Heinemann Redaktion

Fangen wir mit der IAA an, der Internationalen Automobilausstellung, die Anfang September in München stattfand. Was die deutschen Autohersteller dort ausstellten, ließ nicht nur die deutschen Besucher staunen. Auch das internationale Fachpublikum – viele waren in der Entourage rund um die 116 Aussteller aus China angereist – zeigte sich beeindruckt. In chinesischen Medien wurde zwar vor allem betont, mit welcher Vehemenz chinesische Hersteller auf den europäischen Markt drängen. Zugleich aber schien bei vielen Artikeln der Respekt vor der Tradition deutscher Autobauer durch. Vom „Kampf der Giganten” war bei der chinesischen Branchenzeitung „OFweek“ die Rede. Der schnelle Wandel in Sachen E-Mobilität wurde mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, die Zuverlässigkeit der Fahrzeugtechnik und die Stärke deutscher Marken betont. Die neuen BMW-Modelle wurden von „OFweek“ als „führende Elektroauto-Klasse“ bezeichnet. Generell scheinen chinesische Publikumsmedien deutsche Autos nach wie vor als Weltspitze anzusehen, an denen sich fernöstliche Hersteller messen lassen müssen. 

Das ist eine gute Nachricht. Die deutsche Autobranche ist wieder da. Mit starken E-Modellen mischen Volkswagen, BWM und Mercedes wieder ganz vorne mit. Die Debatte um die Verschiebung des EU-weiten Verbrennerverbots, das nach jetzigem Stand 2035 in Kraft treten soll, verstellt den Blick darauf, dass den Deutschen ein Turnaround gelungen ist, den ihnen vor kurzem kaum jemand zutraute: Deutsche Fahrzeugtechnik, deutsche E-Motoren, sogar deutsche Batterietechnik sind – teils mit chinesischer Unterstützung – in einer schnellen Aufholjagd an die Weltspitze gestürmt. Die neuen Modelle punkten mit hohen Reichweiten, solider Verarbeitung und durchdachtem Design. Große Anerkennung wurde den Studien zuteil, die in den Medien teils als „spektakulär“ bezeichnet wurden.
 

ES IST NICHT ALLES SCHLECHT!


Im täglichen Feuersturm der Meldungen zwingt sich derzeit zwar der Eindruck auf, es gehe nur noch bergab. Das große Bild aber gerät im Gefolge der schlechten Nachrichten rund um globale Konflikte, dem Vordringen der Autokratien, dem Rückfall in vormoderne Denkmuster und der Deglobalisierung schnell aus dem Fokus. Natürlich: Die Verheißungen des letzten Jahrzehnts von einer verschworenen Weltgemeinschaft, die globalen Frieden, grünen Fortschritt und Wohlstand für alle anstrebt, sind nicht eingetreten. Aber die Bedrohungen von außen haben zumindest einen Nutzen: Das europäische Projekt, Garant für unseren Frieden und Wohlstand, wurde gestärkt. Und das ist eine weitere gute Nachricht. Sogar den Renegaten wird allmählich klar, dass sie sich entweder mit Europa zusammenraufen – oder sich über kurz oder lang im Gefolge der großen Autokratien wiederfinden. In einer Welt, in der zusehends das Recht des Stärkeren gilt, wird der europäische Gemeinsinn zum Versprechen für Freiheit und Wohlstand. 

Und das ist eine weitere gute Nachricht: Deutschland, und damit seine Zukunft, liegt mitten in Europa. Die Vorteile unseres Kontinents werden zunehmend von denjenigen anerkannt, die gerne in die Ferne schweifen. Wissenschaftler sind auf der Suche nach Orten, an denen Forschungsfreiheit herrscht und die Gesellschaft offen ist. Unternehmen brauchen politische Stabilität, Familien suchen Lebensqualität. Das macht Europa attraktiv für Zuwanderer aus der ganzen Welt, Arme, Reiche, Gebildete wie Ungebildete. Die Kehrseite der Medaille ist die notwendige Steuerung dieses Zuzugs, die aufwendig ist und moralische Fragen aufwirft. 

Nächste gute Nachricht: Im internationalen Wettbewerb um Nachwuchswissenschaftler schneidet das deutsche Hochschulsystem gut ab, heißt es in einem aktuellen Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD. Deutschland ziehe zunehmend internationale Studierende an. Der Anteil ausländischer Studierender in Deutschland hat sich demnach binnen 10 Jahren von 7,1 auf 12,7 Prozent im Jahr 2023 signifikant erhöht und liegt weit höher als der OECD-Schnitt von 7,4 Prozent. Dem Bericht zufolge steht Deutschland unter den nicht englischsprachigen Ländern bei der Zahl der ausländischen Studierenden auf Platz eins und insgesamt auf Platz vier hinter den USA, Großbritannien und Australien.
 

UND DIE UNTERNEHMEN KOMMEN!


2024 und 2025 haben sich laut Zahl der Marketingorganisation Germany Trade und Invest 1.724 ausländische Unternehmen für Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte in Deutschland entschieden; das Investitionsvolumen lag bei über 23 Milliarden Euro. In der „Made for Germany“- Initiative haben sich 61 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammengeschlossen. Sie planen Investitionen von über 631 Milliarden Euro in Forschung, Entwicklung und Produktionskapazitäten bis 2028 – ein Großteil davon sind neue Investitionen internationaler Anbieter. Ziel ist die Stärkung von Innovation, Schaffung von Arbeitsplätzen und Wettbewerbsfähigkeit. Besonders stark investieren deutsche und internationale Unternehmen in Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Automatisierung, Quantencomputing und Biotechnologie. Der deutsche Mittelstand und zahlreiche Start-ups gelten als Innovationstreiber. 

In Deutschland sitzen globale Top-Innovatoren: Mit 1.830 Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPA) im Jahr 2024 nimmt Siemens unter in der EU ansässigen Unternehmen den Spitzenplatz ein. In der globalen Top-10 Rangliste ist Deutschland mit der Siemens AG, der BASF SE und der Robert Bosch GmbH vertreten. Im Bereich „Computertechnologie“, für den 2024 beim Europäischen Patentamt erstmals die meisten Patentanmeldungen eingingen, ist Siemens stark vertreten. Das Unternehmen belegt in diesem Technologiebereich den 5. Platz unter den 20 aktivsten Patentanmeldern. Zu den Top-Innovatoren zählen außerdem deutsche Unternehmen wie SAP, Infineon und zahlreiche Hidden Champions aus dem Mittelstand, die entscheidend zum Fortschritt und Export beitragen.
 

NACH WIE VOR IST DEUTSCHLAND HÖCHST INNOVATIV


Ein Bonmot dazu liefert zuletzt wieder die jüngste Neuheiten-Präsentation des Apple-Chefs Tim Cook. Im neuen iPhone Air arbeitet ein Modemchip, der in der Münchner Dependance des Konzerns entwickelt worden ist. Der neue C1X soll sehr viel mehr Leistung bringen als sein nur wenige Monate alter Vorgänger. Inzwischen arbeiten gut 2000 Ingenieurinnen und Ingenieure im Bereich Forschung und Entwicklung für Apple in München. 

Deutschland hat Zukunft und bleibt ein attraktiver Standort für internationale Investitionen. Die eingeschlagene Richtung – Energiewende, E-Mobilität, Reparatur der Infrastruktur, Bürokratieabbau – modernisiert das Land weiter. Mit gezielten Förderungen von Innovationen, mit dem Engagement globaler Unternehmen und mit dem innovativen deutschen Mittelstand sind Wirtschaft und Gesellschaft gut aufgestellt und auf bestem Weg, die Herausforderungen von Arbeitskräftemangel, Digitalisierung und nachhaltigem Wachstum zu bewältigen.

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