Sat-TV und Internet ergänzen sich

Fast die Hälfte aller deutschen Haushalte schaut über Satellit fern. Die Technik bleibt zukunftsfähig – und kann sogar für besseres Internet sorgen.
Christoph Mühleib, Geschäftsführer ASTRA Deutschland GmbH
Christoph Mühleib, Geschäftsführer ASTRA Deutschland GmbH
Astra Deutschland GmbH Beitrag

Herr Mühleib, Streamingdienste boomen. Wird man in Zukunft noch Fernsehen über eine Satellitenanlage schauen?

Natürlich wird man das! TV über den Satelliten bietet eine riesige Auswahl, erstklassige Übertragungsqualität und in Deutschland empfangen 17 Millionen Haushalte, fast die Hälfte, ihr lineares Fernsehen über Satelliten. Klar ist, dass sich Streamingdienste und Satellitenempfang perfekt ergänzen. Über Satelliten können Sie sehr viele Menschen mit einer Ausstrahlung erreichen. Mit einem Streamingdienst rufen Sie sehr gezielt eine ganz bestimmte Sendung zu einem bestimmten Zeitpunkt ab. Denken Sie an große Sportevents: Da schauen Millionen Menschen zeitgleich zu. Bei vergleichbaren Veranstaltungen gab es bei Übertragungen über das Internet durchaus Probleme. Wenn man so will, entlastet der Satellit das Internet. Zudem: Das Internet fällt auch mal aus. Wer sowohl mit einer Satellitenanlage als auch mit einem Internetanschluss ausgestattet ist, verfügt über zwei Zugangspunkte zu Informationen.

Jetzt sieht es aber – gerade bei Neubauprojekten – nicht so schön aus, wenn an jedem Balkon eine Schüssel installiert ist…

Dazu gibt es Alternativen. So kann das Satellitensignal über eine zentrale Schüssel in einer größeren Wohnanlage empfangen und dann über Glasfaser in jede Wohnung verteilt werden. In ersten Projekten haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt. Wir gehen davon aus, dass wir mit einer Schüssel bis zu 70.000 Haushalte versorgen könnten. Die Qualität der Übertragung leidet darunter nicht. So haben wir zum Beispiel in der Wohnanlage Asemwald bei Stuttgart ein Modellprojekt umgesetzt. Es handelt sich um drei Hochhäuser mit insgesamt 1100 Wohnungen. Dort wurden alle Koaxialleitungen durch Glasfaser ersetzt und zwei Schüsseln an unterschiedlichen Standorten in der Anlage installiert. Die Bewohner:innen waren begeistert. Nicht zuletzt, weil sie jetzt über einen Glasfaseranschluss bis direkt in die Wohnung verfügen, über den sie auch Highspeed-Internet nutzen können. Das zeigt, wie sinnvoll und zukunftsfähig eine Mischung aus beiden Systemen sein kann.

Was planen Sie für die Zukunft?

Da sehen wir mehrere Bereiche. Ein erster ist die Wohnungswirtschaft, der wir mit einer zentralen Satellitenanlage Lösungen für attraktive Angebote an ihre Mieter:innen ermöglichen, sowohl im Zuge von Modernisierungen als auch im Neubau. Einen zweiten sehen wir bei Stadtwerken, die oft schon über Glasfasernetze verfügen. Wir haben zum Beispiel die Stadt Neuwied bei einer Quartierslösung unterstützt, bei der rund 3000 Wohnungen mit nur einer Satellitenanlage mit TV versorgt werden. Die Anzahl ist natürlich nach oben skalierbar.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Gesetz zur Modernisierung der Telekommunikation (TKMoG)?

Ganz wichtig: Das Nebenkostenprivileg fällt. Sobald das Gesetz in den kommenden zwei Jahren umgesetzt wird, haben Mieter:innen die Freiheit, ihre TV-Versorgung frei zu wählen. Bislang wird ihnen das von Vermieter:innen oft vorgeschrieben, und sie zahlen unter Umständen für einen Kabelanschluss, den sie gar nicht nutzen. Wir gehen von bis zu zehn Millionen Haushalten aus, die ihren TV-Empfang ändern könnten. Das bedeutet für uns natürlich eine große Chance – vor allem in Kombination mit den oben geschilderten zentralen Anlagen. Insofern sehen wir uns zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Produkten am Markt.

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