Natur als Basis für wirtschaftlichen Erfolg

Warum Unternehmen Natur schützen müssen, um Lieferketten zu sichern, Risiken zu senken und ihre Zukunftsfähigkeit zu stärken. Fragen an Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft, WWF Deutschland.

Refugium der Artenvielfalt: Wasserfall im Regenwald von Ecuador. © Kevin Schafer, WWF
Refugium der Artenvielfalt: Wasserfall im Regenwald von Ecuador. © Kevin Schafer, WWF
WWF Deutschland Beitrag

Warum wird Biodiversität für Unternehmen wichtiger?

Der Verlust der biologischen Vielfalt ist längst kein Nischenthema mehr, sondern eine wirtschaftliche Schlüsselfrage: Mehr als die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung hängt von Leistungen der Natur ab, etwa sauberem Wasser, fruchtbaren Böden, Bestäubung und stabilen Lieferketten.
 

Woran zeigt sich das bereits?

Bodenerosion, Wasserknappheit oder der Rückgang bestäubender Insekten wirken sich schon heute auf Produktion, Rohstoffverfügbarkeit und Kosten aus. Aus ökologischen Veränderungen werden damit konkrete Geschäftsrisiken.
 

Welche Rolle spielen Unternehmen?

Unternehmen sind auf funktionierende Ökosysteme angewiesen, tragen durch Produktion, Flächennutzung und globale Lieferketten aber auch selbst zum Verlust von Arten und Lebensräumen bei. Deshalb müssen sie ihre Abhängigkeiten und Auswirkungen kennen.
 

Warum reicht Klimaschutz allein nicht aus?

Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft, WWF Deutschland
Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft, WWF Deutschland
Bunt, vielfältig, einzigartig und unverzichtbar – tropische Korallenriffe. © Cat Holloway, WWF
Bunt, vielfältig, einzigartig und unverzichtbar – tropische Korallenriffe. © Cat Holloway, WWF
Fragiles Ökosystem: Ein Fluss schlängelt sich durch den Urwald von Madagaskar. © Martina Lippuner, WWF
Fragiles Ökosystem: Ein Fluss schlängelt sich durch den Urwald von Madagaskar. © Martina Lippuner, WWF
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Klimaschutz bleibt zentral, greift allein aber zu kurz. Ohne intakte Natur gibt es keinen wirksamen Klimaschutz, und ohne Klimaschutz geraten Ökosysteme weiter unter Druck. Der größte Treiber für den Verlust der Biodiversität ist Landnutzungswandel. Der Schutz von Klima und Biodiversität muss strategisch zusammengedacht werden. 
 

Was muss sich ändern?

Unternehmen müssen Belastungen für die Natur vermeiden, Auswirkungen reduzieren und Ökosysteme schützen oder wiederherstellen. Biodiversität darf keine Zusatzaufgabe sein, sondern muss Teil zentraler Geschäftsentscheidungen werden.
 

Wie unterstützt der WWF Unternehmen?

Der WWF hilft Unternehmen, Biodiversität in ihrer Strategie zu verankern. Der WWF Deutschland hat dies in seinem One Planet Business Framework definiert – einem Leitfaden für die ganzheitliche unternehmerische Transformationsplanung und -umsetzung. Anhand des Leitfadens arbeitet der WWF direkt mit Unternehmen auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell hin. Der WWF begleitet Unternehmen entlang ihrer Lieferketten, von der Risikoanalyse bis zur Umsetzung vor Ort.
 

Wo liegen die größten Hürden?

Viele Unternehmen erkennen die Relevanz, wissen aber nicht, wo sie beginnen sollen. Komplexe Lieferketten, fehlende einheitliche Standards und knappe Ressourcen erschweren die Umsetzung. Die Dynamik reicht noch nicht aus.
 

Welche Rolle spielt der Finanzsektor?

Ebenfalls eine Schlüsselrolle. Denn Kapitalströme entscheiden mit, welche Geschäftsmodelle Zukunft haben. Wenn Naturrisiken bei Investitionen, Krediten und Bewertungen stärker berücksichtigt werden, kann Geld gezielter in langfristig tragfähige Unternehmen fließen.
 

Was raten Sie Unternehmen?

Abwarten ist keine Option: Wer Naturrisiken ignoriert, gefährdet die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die handeln, können Lieferketten stabilisieren, Innovationen fördern und sich besser in wandelnden Märkten positionieren. Sie sichern nicht nur ökologische Grundlagen, sondern ihren eigenen wirtschaftlichen Erfolg.

wwf.de

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