Mit E und KI, da rollt‘s

Viele Unternehmen sind verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Der Fuhrpark hat bei vielen erheblichen Einfluss auf die Bilanz. Elektrifizierung und KI gelten hierfür als zentrale Hebel.

Illustrationen: Daniel Crespo, danielcrespo.es
Illustrationen: Daniel Crespo, danielcrespo.es
Lars Klaaßen Redaktion

Im Mai dieses Jahres waren 19 Prozent der neu zugelassenen Unternehmensfahrzeuge in Deutschland elektrisch, so das International Council on Clean Transportation. Nur 19 Prozent? Das sieht mickrig aus dafür, dass die Benzinpreise kürzlich gefühlt durch die Decke gegangen sind. Dafür, dass die EU ihre Klimaschutzziele Schritt für Schritt verschärft. 

Schon seit 2024 sind viele Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, die ihre ökologische, soziale und unternehmerische Verantwortung dokumentieren. Der Fuhrpark hat bei vielen erheblichen Einfluss auf die Bilanz. Dort kann man Emissionen reduzieren und gleichzeitig Kosten senken. Elektrifizierung und KI gelten hierfür als zentrale Hebel. Mit 36 Prozent lag der Anteil privater E-Autos deutlich darüber, getrieben durch die Elektro-Kaufprämie. Im hiesigen Flottenmanagement lassen sich noch enorme Potenziale heben. Immerhin spricht einiges dafür, dass dies bald passiert. Einige gehen bereits seit Jahren voran, darunter auch große Konzerne. Bei der Telekom etwa dürfen die rund 6.000 genutzten Dienstwagen schon seit 2023 nur vollelektrisch bestellt werden. Die Flotte der Service-Fahrzeuge soll ab 2030 komplett mit Strom fahren. Von den rund 34.000 Wagen bei SAP fahren derzeit etwa 35 Prozent vollelektrisch, 14 Prozent sind Hybride. Solche Akteure sind wichtige Treiber für die gesamte E-Mobilität in Deutschland. Für rund zwei Drittel aller Neuwagenkäufe sind Unternehmen verantwortlich. Diese in Flotten eingesetzten Neufahrzeuge kommen oft schon nach kurzer Zeit als Gebrauchtwagen auf den Markt. Dort greifen dann auch Käufer mit dem nicht ganz so großen Budget zu. 

Ob Unternehmen ihre Flotten künftig in größerer Zahl elektrisieren, hängt nicht zuletzt von der Kostenrechnung im Vergleich zu den bisher verbreiteten Verbrennern ab. „Blickt man neben der Anschaffung auch auf die Betriebskosten, spricht sehr viel für E-Autos“, sagt Michael Müller-Görnert, Verkehrspolitischer Sprecher und Fachbereichsleiter Mobilität beim VCD Verkehrsclub Deutschland. So komme die Wartung der Stromer deutlich günstiger, schlicht weil weniger Verschleißteile darin verbaut seien. „Wenn man die Förderprogramme und Steueranreize für eine Umstellung berücksichtigt, rechnet sich das in vielen Fällen auch, wenn man allein die Anschaffung betrachtet.“ Insbesondere für die vielen kleinen Unternehmen wie Sozial- und Pflegedienste ist relevant, dass mittlerweile auch kleinere E-Fahrzeuge auf dem Markt erhältlich sind. Für größere Player gilt: Eine übergreifende Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, ist für Unternehmen nicht nur ein gutes Aushängeschild, sondern kann sich beim Flottenmanagement auch rechnen. „Wer am Standort Stellflächen für E-Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur einrichtet, sollte sich zugleich nach einem geeigneten Ort für eine Solaranlage umsehen“, rät Müller-Görnert. „Das kann die Betriebskosten erheblich senken.“ 

Nachhaltiges Flottenmanagement gibt zudem flexible Antworten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Belegschaft. Seit Homeoffice sich etabliert hat, sind die Arbeitswelten um mindestens eine Facette bunter geworden. Hat ein Teil lediglich sporadischen Bedarf, ein Auto zu nutzen, bietet sich Corporate Car-Sharing an. Manche mögen sich über Lasten- und Dienstfahrräder freuen. „Mit einem Mobilitätsbudget können Mitarbeitende ihre Mobilität nach eigenem Gusto finanzieren – vom Leihwagen über die Bahn bis zum Fahrrad“, so Müller-Görnert. Um mit alldem weiterzukommen, sei aber auch der Staat gefragt: „Statt Dienstwagen sollte man Mobilität im Ganzen fördern und das Mobilitätsbudget mit einer praktikablen Pauschalbesteuerung attraktiv machen. Das Deutschlandticket als Jobticket ist ein guter Anfang, allerdings müssen Unternehmen es noch stärker ihren Beschäftigten anbieten.“ Weg vom Benzin müsse es nicht nur aus ökologischer Sicht gehen: „Unsichere Lieferketten und steigende Preise erhöhen den Druck auf Unternehmen, resilienter zu werden.“

Der Schritt dorthin mag groß erscheinen, aber: „Gerade im Zusammenspiel von Daten, E-Learning und digitalen Lernplattformen entstehen heute Möglichkeiten, die früher undenkbar waren“, betont Axel Schäfer, Geschäftsführer und Vorstand des Bundesverbands Betriebliche Mobilität (BBM). „Moderne Systeme liefern Daten zu Auslastung, Kosten, Emissionen und Risiken, die früher mühsam in Excel-Tabellen zusammengesucht wurden. Heute lassen sich Entscheidungen deutlich fundierter treffen.“ So etabliere sich zunehmend ein eigenständiges, anerkanntes Aufgabenfeld mit klarer Verantwortung, definierten Prozessen und spezialisierter Expertise. KI ermöglicht mittlerweile Fuhrparkanalysen in einer Tiefe, wie sie früher nicht möglich waren. Mithilfe detaillierter Bewegungsprofile kann man heute maßgeschneiderte Angebote konzipieren, die die Bedürfnisse der Mitarbeitenden erfüllen und die sich dank ihrer Effizienz auch aus Sicht des Flottenmanagements rechnen.

„Der Trend geht zu vollelektrisch“, sagt Carsten Claßen, Senior Mobility Consultant bei Athlon Germany, einem Anbieter von Fahrzeugleasing und Flottenmanagement. Während einige Unternehmen schon vorangingen und die Chancen nutzten, gelte es bei anderen, sie abzuholen. „Das ist ein hochemotionales Thema.“ Dass mittlerweile auch bekannte Marken wie Mercedes-Benz und BMW E-Fahrzeuge für fast jeden Einsatzbereich im Portfolio haben, mache es bei manchem Gespräch einfacher, Fuhrparkentscheider zu überzeugen. Zudem zähle die Flottentauglichkeit, also die Gesamtbewertung, wie wirtschaftlich sich ein Fahrzeug über seinen Nutzungszeitraum im Fuhrpark einsetzen lässt. Wichtig sind auch praktische Aspekte für den Alltag wie „ein guter Service in der Nähe und eine Ladekarte, die zu mehr als 90 Prozent der Ladepunkte abdecken sollte“, erläutert Claßen. Skeptiker führen oft die Ladezeiten an. Hierbei gibt es im wahrsten Sinne schnelle Fortschritte: Sie werden immer kürzer, was die Konkurrenzfähigkeit zu Verbrennern im Alltag deutlich verbessert – gekoppelt an die zugleich wachsenden Reichweiten der Stromer.
 

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