Gründer*innenwettbewerb als Anschubhilfe

September 2020 | Wirtschaftswoche | Unternehmertum

Gründer*innenwettbewerb als Anschubhilfe

Mit dem diesjährigen „Female Focus“ will der Gründer*innenwettbewerb WECONOMY Frauen eine Plattform geben. Dr. Stephan Bross ist Mitglied des Lenkungskreises der Wissensfabrik und erklärt die Intention dahinter.

Dr. Ing. Stephan Bross, Geschäftsführender Direktor, KSB SE & Co. KGaA und Mitglied des Lenkungskreises der Wissensfabrik
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Herr Dr. Bross, die Wissensfabrik fördert seit 2007 in Kooperation
mit UnternehmerTUM und dem Handelsblatt technologieorientierte Start-Ups. In diesem Jahr hat Ihr Gründer*innenwettbewerb WECONOMY einen „Female Focus“. Mit welchem Ziel?
Statistisch betrachtet, leben in Deutschland 42 Millionen Frauen, also zwei Millionen mehr als Männer. Und aus meiner Erfahrung, was auch zahlreiche Studien bestätigen, sind Frauen mindestens genauso intelligent wie Männer. Gleichzeitig werden aber nur rund 16 Prozent aller Start-Ups hierzulande von Frauen gegründet. Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Ressourcen unserer Volkswirtschaft – und das sind nun einmal wir Menschen – brach liegt. Das können wir uns langfristig schlicht nicht erlauben. Genau deshalb haben wir in diesem Jahr bei unserem Gründer*innenwettbewerb WECONOMY einen weiblichen Fokus. Wir wollen gezielt die Frauen fördern, ihnen eine Plattform und Zugang zu einem Netzwerk geben, die heute schon an guten Ideen arbeiten – wir wollen eine Art Anschubhilfe leisten.

 

Geht es bei dem Wettbewerb aber nicht allgemein darum, Innovationen und herausragende Ideen zu fördern – egal, ob von männlichen oder weiblichen Gründer*innen?
Bei einem solchen Wettbewerb filtern Sie immer nach gewissen Anforderungen oder Kriterien, sonst könnten Sie keinen Gewinner küren. Und nur, weil eine Frau im Gründer*innenteam in diesem Jahr Bedingung ist, heißt das nicht, dass die Innovationen weniger spannend oder die Ideen nicht herausragend sind. Im Gegenteil.


Die Bewerbungsfrist ist Anfang Juli abgelaufen. Das heißt, Sie sind mit der Resonanz zufrieden?
Wir haben mit 119 Bewerbungen eine etwas größere Resonanz als im letzten Jahr und dabei ist nicht nur die Qualität der Ideen sehr, sehr hoch, auch die Bandbreite in diesem Jahr ist beeindruckend. Wir sind insgesamt sehr zufrieden. Wobei die Bewerbungen weniger techniklastig sind als in den letzten Jahren. Dafür ist der Anteil der Ideen aus dem Medizin- und Pharmabereich größer. Das unterstreicht, dass der Fokus auf weibliche Gründerinnen eben auch inhaltlich mehr Vielfalt bringen kann.

 

Unter den Geschäftsführenden Direktoren Ihres eigenen Unternehmens ist keine Frau. Übertragen auf den Wettbewerb dürften Sie in diesem Jahr nicht teilnehmen. Ist es schwierig, in einem so technischen Umfeld Frauen für Führungspositionen zu begeistern?
Sie haben Recht, dass wir uns als Managementteam von KSB in diesem Jahr nicht bewerben dürften. Das liegt auch daran, dass wir auf eine bald 150-jährige Firmentradition in einer eher von Männern dominierten Branche zurückblicken. Es dauert, bis ein bestimmter Anteil an Frauen in Führungspositionen, den wir in unseren Nachhaltigkeitsziele verankert haben, erreicht ist. Der Nachwuchs muss schlicht soweit sein. Wenn Sie aber beispielsweise in unser Innovation Lab schauen, wo wir neue Geschäftsideen entwickeln, finden Sie nicht nur einige spannende Ideen, sondern auch einen hohen Frauenanteil. Mit einer einfachen Ausgründung hätte also auch KSB am diesjährigen Wettbewerb teilnehmen können.

 

Was kann die Wirtschaft allgemein und technologie-getriebene Branchen im Speziellen tun, um die Frauenquote zu erhöhen.
Vieles hängt schon von der Bildung ab. Denn Kinder sind die Innovatoren von morgen. Daher engagieren wir uns als Wissensfabrik stark in der MINT-Bildung. Mit unseren Mitmach-Projekten zielen wir beispielsweise darauf ab, selbst schwierige Fragen aus Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und IT einfach, praxisnah und agil zu vermitteln. Besonders Kitas und Grundschulen profitieren von unseren wissenschaftlich konzipierten Projekten. Denn gerade in der frühkindlichen Bildung können wir die größte Wirkung erzielen.

 


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