Frau Petersen, viele sprechen von unsicheren Zeiten. Bremst das Gründungen – oder ist die Krise eher ein Treiber?
Gründungen entstehen oft gerade in Umbruchphasen. Unsicherheit erhöht den Problemdruck – und genau daraus entsteht Innovation. Themen wie Digitalisierung oder nachhaltige Produktion gewinnen an Tempo. In Deutschland gibt es aktuell rund 23.000 Startups – und die Bereitschaft zu gründen ist weiterhin hoch. Startups sind damit kein Nebeneffekt, sondern ein wichtiger Teil wirtschaftlicher Resilienz.
Wo setzen Startups aktuell die stärksten Impulse für den wirtschaftlichen Wandel?
Vor allem dort, wo neue Technologien auf konkrete Anwendungen treffen. Rund 45 Prozent der Startups arbeiten mit Künstlicher Intelligenz, viele in Bereichen wie Digitalisierung oder Gesundheit. Besonders spannend: DeepTech, also technologiegetriebene Innovation aus der Forschung. Startups übersetzen diese Entwicklungen in marktfähige Geschäftsmodelle. Sie sind damit eine wichtige Brücke zwischen Wissenschaft und Anwendung.
Warum ist Hannover als Standort interessant für Gründungen?
Hannover profitiert von einer engen Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Startups, kurzen Wegen in die Politik und starken Cluster, wie Life Sciences oder der Produktion. Allein im vergangenen Jahr gab es bei uns mehr als 20 internationale Ansiedlungen. Gleichzeitig ist die Nähe zum Mittelstand ein Vorteil: Ideen können schneller in konkrete Anwendungen überführt werden. Netzwerke und Formate vor Ort sorgen zusätzlich dafür, dass sich Gründer gut vernetzen und entwickeln können.
Welche Rolle spielt hannoverimpuls dabei konkret?
Wir verstehen uns als aktive Wirtschaftsförderung. Wir begleiten Gründungen individuell, vernetzen gezielt und bauen Plattformen, auf denen Innovation entsteht. Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 1.200 Gründungsprojekte betreut. Gleichzeitig stoßen wir Projekte an und bringen Kapital, Wissen und Partner zusammen. Ziel ist immer, Innovationen einen Raum zu geben, Gründungen schneller wachsen zu lassen und den Standort zu stärken.
Was macht erfolgreiche Gründerinnen und Gründer aus?
Erfolgreiche Gründer gehen pragmatisch mit Unsicherheit um. Sie entwickeln iterativ, bleiben nah am Problem und nutzen Netzwerke. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist es, seinen Markt zu kennen und mit diesem im Austausch zu sein. Die größten Herausforderungen liegen derzeit beim Zugang zu Kapital – rund drei Viertel der Startups suchen aktiv Finanzierung – und bei der Skalierung. Auch bürokratische Hürden können für Startups ein „show-stopper“ sein.
Was braucht Deutschland, um mehr Gründungen zu ermöglichen?
Vor allem mehr Mut und bessere Rahmenbedingungen. Die Verzahnung von Forschung und Wirtschaft muss schneller, Prozesse einfacher werden. Bürokratie und Regulatorik gehören abgebaut bzw. vereinfacht, um noch mehr Dynamik entfalten zu können. Und: regionale Ökosysteme spielen eine Schlüsselrolle, weil hier Innovation konkret entsteht. Gerade jetzt braucht Deutschland Innovation, Resilienz und mutige Gründer mit Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft!
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