Krise als Enabler der Smart City

Juni 2020 | Wirtschaftswoche | Smart Cities

Krise als Enabler der Smart City

Vielerorts noch Zukunftsmusik und vor allem äußerst komplex – die Smart City. Bei Q_PERIOR ist man deshalb überzeugt: Ohne funktionierende Kooperationen geht es nicht. Wie die aussehen könnten, zeigen die Experten exemplarisch an drei Themenfeldern.

Bei Q_PERIOR spricht Daniel Böhm für den Bereich Energy, Dr. Thiemo Brandt für den Bereich Automotive und Michael Hasinger für den Bereich Public Sector.
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Herr Hasinger, durch das Coronavirus werden derzeit vor allem Schwachstellen bei Digitalisierungsthemen offengelegt. Wie smart sind unsere Städte wirklich?
Wenn wir uns die öffentliche Verwaltung anschauen, muss man sagen, dass unsere Städte noch nicht wirklich smart sind. Teilweise sind die einfachsten Behördengänge nicht möglich, weil Ämter coronabedingt geschlossen sind und digital höchstens Termine vergeben werden. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass eine derartige Krise die Grenzen der analogen Welt aufzeigt. Das typische „bisher ging es noch irgendwie“ verliert spätestens jetzt sein Gewicht.
 

Das heißt, die Krise wird auf kommunaler Ebene zu einem „Enabler“ der Smart City?
Davon bin ich überzeugt. Zum einen, weil die aktuelle Situation aufzeigt, wie wichtig das Angebot von digitalen Verwaltungsdienstleistungen ist. Zum anderen, weil all jene Städte, die ihren Bürgern digitale Services bieten, an Attraktivität gewinnen.
 

Forciert die Coronakrise auch in der Automobilbranche Zukunftsthemen, Herr Brandt?
Die Automobilbranche ist durch internationale Lieferketten und deren Ausfälle derzeit stark betroffen. Dennoch glaube ich, dass die aktuelle Situation auch hier für neue Impulse sorgen wird. Wir gehen aufgrund der Krise etwa von einem zusätzlichen Schub für die Elektromobilität aus. Der geringere Verkehr, den wir jetzt in den Städten erleben, reduziert Emissionen und Lärm. Dies führt vor allem in verkehrsgeplagten Innenstädten zu mehr Lebensqualität – das werden die Menschen auch künftig fordern. Der Ausbau von Kaufanreizen in Form staatlicher Prämien beim Kauf eines Elektroautos ist wahrscheinlich und wird den Wandel zur Elektromobilität nach der Krise beschleunigen. Natürlich muss in diesem Zusammenhang auch die Diskussion über eine nachhaltige neue Mobilität in der Smart City von morgen geführt werden.
 

Wenn Ihr Kollege Recht hat, und die Elektromobilität über Nacht an Bedeutung gewinnt, müssten die Energieversorger mit neuer Ladeinfrastruktur nachziehen, richtig, Herr Böhm?
Das stimmt. Allerdings haben die Netzbetreiber beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in den letzten Jahren enorm viel geleistet. Neben dem reinen Aufbau wird in Städten auch viel in eine intelligente Einbindung neuer Technik an bestehende Anschlüsse investiert, wo aufgrund der engen Bebauung nur schwer neue Trafostationen errichtet werden können. Durch intelligentes Lastmanagement lässt sich die bestehende Anschlussleistung gut auf die Verbraucher verteilen und Leistungsspitzen vermeiden. Geht es nach der Politik, soll es bis 2030 eine Million neue Ladesäulen geben. Wenn sich Elektromobilität durchsetzen soll, müssen hier mindestens Energieversorger und Automobilindustrie kooperieren. Denn Letztere verfügt über Daten, die auch für die Netzbetreiber relevant sind.
 

Sie sagen mindestens Energieversorger und Automobilindustrie. Wer wäre idealerweise noch an einer solchen Kooperation beteiligt?
Der öffentlichen Verwaltung und den kommunalen Gesellschaften kommt natürlich auch eine wichtige Rolle zu. Zudem ist die Wohnungswirtschaft ein relevanter Player. Auf Bundesebene hat man das erkannt und forciert den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Gebäuden durch mehrere Gesetze. Wir gehen davon aus, dass diese rechtlichen Forderungen zu einem noch stärkeren Ausbau führen werden. Mittel- bis langfristig wird die Ladeinfrastruktur ein natürlicher Bestandteil eines Smart Building sein.
 

Herr Hasinger, Sie sagten eingangs, dass insbesondere die Verwaltung bei der Digitalisierung Nachholbedarf hat. Ist die auf solche wichtigen Kooperationen überhaupt vorbereitet?
Natürlich. Denn Nachholbedarf heißt ja nicht, dass bisher noch kein Schritt in Richtung Digitalisierung unternommen wurde. So haben wir beispielsweise schon vor einiger Zeit eine e-Government-Infrastruktur und digitale Services mit einem zentralen Kundenmanagement für Bürger und Unternehmen im Schweizer Kanton Aargau aufgebaut und damit die Grundlage für ein krisenfestes Interagieren geschaffen. Ich kann meinem Kollegen also nur zustimmen: Die Städte selbst müssen eine zentrale Rolle einnehmen, wenn die Transformation zu einer smarten City gelingen soll – auch deshalb, weil der Austausch wichtiger Daten zwischen den Unternehmen aus der Privatwirtschaft nicht immer reibungslos funktioniert.
 

Können Sie das bestätigen, Herr Brandt? Denn gerade die Automobilindustrie verfügt über eine große Menge an Daten aus den vernetzten Fahrzeugen.
Es ist tatsächlich so: Wer die Daten besitzt, kann die Services anbieten und verdient das Geld. Es müssen also für alle Beteiligten Anreize zur Kooperation geschaffen werden. Diese gibt es bereits heute. Das vernetzte Fahrzeug sammelt nicht nur Daten, es nutzt sie auch, um das Fahrerlebnis sicher und komfortabel zu gestalten. Bereits heute werden in modernen Elektrofahrzeugen externe Daten genutzt, um den Fahrer auf Wunsch zur nächsten freien Ladestation zu navigieren. Das vernetzte Fahrzeug selbst sammelt wiederum eigene Zustandsdaten hinsichtlich des Ladestands oder der Batteriekapazität. Diese Daten sind für alle Stakeholder der Smart City interessant, ob Stadt, Energieversorger oder Original Equipment Manufacturer (OEM).
 

Wie könnten Services aussehen, von denen alle profitieren?
Letztendlich entscheidet immer der Nutzer, was sich durchsetzt und was nicht. Daher muss man es ihm so angenehm wie möglich machen. Das könnte beispielsweise bedeuten, dass Autos an der Ladesäule selbstständig bezahlen oder der Ladevorgang durch eine bedarfsgerechte Ladung verkürzt wird. Wenn das Fahrzeug weiß, dass an einem regulären Dienstag 40% Batteriekapazität für die üblichen Wege ausreichen, kann der Ladevorgang an der öffentlichen Ladesäule verkürzt und anschließend bequem und kostenreduziert in der heimischen Garage zu Ende gebracht werden. Die Daten für solche intelligenten Services liegen schon heute in den Händen unterschiedlicher Stakeholder, setzen aber die angesprochene Kooperation zwischen den Akteuren der Smart City voraus.
 

Denken auch die Energieversorger schon so weit, Herr Böhm?
Die denken bereits sehr weit – vor allem auch deshalb, weil ihnen die zentrale Bedeutung ihrer Infrastruktur bewusst ist. Die Smart City wird allerdings nur dann ein Erfolg, wenn es unter der Federführung der Stadtverwaltung gelingt, dass Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen kooperieren und damit Mehrwerte für die Bürger schaffen. Am Beispiel Elektromobilität sehen wir bereits die Notwendigkeit einer solchen Zusammenarbeit – und das ist nur ein Bestandteil einer Smart City. Die große Frage ist tatsächlich, wie konstruktive Kooperationen aussehen können und wer hier die Federführung übernimmt. Aber wie Herr Brandt schon richtig sagt: Das größte Gewicht wird der Nutzer haben. Er wird einfache, nahtlose und nutzerfreundliche Lösungen vorziehen. Also werden sie auch kommen – die Frage ist nur, wer sie als erstes anbietet.
 

GEMEINSCHAFTSPROJEKT SMART CITY

Städte sind vor allem dann smart, wenn alle Akteure zusammenarbeiten und gemeinsam den urbanen Lebensraum der Zukunft gestalten. Wie genau eine solch konstruktive Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt die auf Digitalisierung spezialisierte Unternehmensberatung Q_PERIOR. Dort betrachtet man die Herausforderung Smart City aus branchenübergreifender Perspektive. Denn gerade in einer Smart City von morgen wird ein perfektes Zusammenspiel der Akteure über den Erfolg entscheiden. Nur durch neue Kooperationen und Wege wird es möglich sein, das Leben in der Stadt auch künftig attraktiv und angenehm für die Bewohner zu gestalten. Q_PERIOR zeigt auf, wo es die passenden Schnittmengen für diese Kooperationen gibt.
 

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