Forderungsverkauf: Bilanziell hoch interessant

Juli 2015 | Wirtschaftswoche | Risikomanagement

Forderungsverkauf: Bilanziell hoch interessant

Offene Forderungen werden von vielen Unternehmen abgeschrieben. Zu hoch die Unsicherheit, zu gering die Aussichten auf Erfolg – dabei kann man sie auch verkaufen.

Debitos GmbH / Unternehmensbeitrag

Herr Peters, woher kam die Idee, eine Online-Plattform für Forderungen zu etablieren?

 

Ich war Anfang 20, hatte einen anderen Unternehmer verklagt und einen Titel in Höhe von 30.000 Euro erwirkt. Der Unternehmer ist unbekannt verzogen und ich blieb auf den Anwaltskosten sitzen. Mit dem Titel konnte ich nichts anfangen, also kam mir die Idee, ihn auf Ebay zu verkaufen. Die Rechtsabteilung dort teilte mir jedoch mit, dass dies nicht möglich sei. Damals ist die Idee geboren und über die Jahre – vor allem mit wachsenden Berufserfahrung im Umfeld von Fintech- und Factoring-Unternehmen – weiter gewachsen, bis ich sie schließlich mit Debitos umgesetzt habe. 

 

Debitos bringt also Verkäufer und Käufer zusammen?

 

Genau. Wir sind eine B2B-Plattform, über die Unternehmen ihre Forderungen an professionelle Investoren verkaufen können. Bisher haben Forderungspakete vor allem bilateral den Besitzer gewechselt. Nun haben auch Mittelständler und Unternehmen mit kleineren Paketen Zugang zu diesem Teil des Kapitalmarktes.

 

Kapitalmarkt?

 

Die Käufer der Forderungen, die über unsere Plattform gehandelt werden, sind professionelle Investoren, Banken, Fonds, Inkassounternehmen und Rechtsanwälte. Ihre Motivation für den Kauf ist einfach: In Deutschland herrscht Rechtssicherheit, Forderungen bleiben 30 Jahre bestehen und werden über diesen Zeitraum fest verzinst. Das ist gesetzlich geregelt. Aus Sicht der Käufer ist der Forderungsankauf also ein Investment, mit einer fixen Rendite über einen definierten Zeitraum und einem kalkulierbaren Ausfallrisiko.

 

Und die Motivation der Verkäufer?

 

Die ist Vielschichtig. Beispiel Griechenland: Ein deutsches Unternehmen wartet auf Zahlungen eines griechischen Kunden. Doch die zahlen aktuell nicht, da sie ihre Liquidität horten. Der Handlungsspielraum für das deutsche Unternehmen ist gering. Aus dem Markt wurde
bekannt, dass Inkassounternehmen in Griechenland bereits im Juni von der Regierung angewiesen wurden, kein Inkasso mehr zu betreiben. Aus bilanzieller Sicht, kann es also Sinn machen, solche Forderungen mit einem Abschlag über unsere Plattform zu verkaufen.

 

Inwiefern?

 

Der Forderungsverkauf ist deshalb bilanziell interessant, weil in der Regel bereits Mehrwertsteuer, bei älteren Forderungen auch schon Körperschafts- und Gewerbesteuer gezahlt wurde. Dann entsteht meist die Diskussion, wann die offenen Forderungen zu Null abgeschrieben werden. Wenn ich diese Forderung aber über Debitos verkaufe – sagen wir mit einem Abschlag von 60 Prozent – erhalte ich immer noch einen Erlös von 40 Prozent sowie die Steuererstattung auf die Abschreibung. Das ist unter Liquiditätsaspekten interessant und eine bessere Alternative zur vollen Abschreibung. 

 

Was motiviert Verkäufer noch?

 

Denken Sie an Firmeninsolvenzen. Die Unsicherheit für die Gläubiger ist hier extrem hoch. Bei Kirch-Media sind beispielsweise über fünf Milliarden Euro an Forderungen festgestellt und das Verfahren dauert bereits mehr als 12 Jahre. Bei der Prokon-Insolvenz wissen die Gläubiger nicht, wie die Abstimmung ausgeht und welche Quote dann tatsächlich ausgeschüttet wird. Bei beiden Verfahren konnten wir Gläubigern bereits helfen. Viele unserer Käufer sind auf Firmeninsolvenzen spezialisiert, können die Quoten sehr gut abschätzen und entsprechend auch gute Angebote für den Forderungsankauf machen. 

 

Wird das Angebot angenommen?

 

Absolut. 2014 wurden Forderungen von über 1,2 Milliarden Euro über Debitos angeboten, von denen rund 60 Prozent verkauf wurden. Im ersten Halbjahr 2015 liegen wir bereits bei Forderungen in Höhe von 895 Millionen Euro. 

 

Timur Peters; Gründer und Geschäftsführer Debitos GmbH

 

www.debitos.de
Mail: service@debitos.de
Tel: 06943 00 82 600