Kurz vor Schluss

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Illustration: Malcolm Fisher
Illustration: Malcolm Fisher
Olaf Strohm Redaktion

Energie sparen sofort

Für die „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ (EEW) tritt ab sofort eine Änderung in der Förderrichtlinie in Kraft. Neu ist, dass Unternehmen direkt nach Antragstellung mit der Umsetzung ihrer Vorhaben beginnen können. Zuvor mussten sie auf die Antragsbewilligung warten, um eine Förderung zu erhalten. Durch die neue Regelung können jährlich Investitionen in Höhe von etwa drei Milliarden Euro und damit verbundene Endenergieeinsparungen von etwa sieben Terrawattstunden (TWh) schneller realisiert werden. Hintergrund: Die KfW fördert Investitionen in Maßnahmen zur Verbesserung der Strom- oder Wärmeeffizienz, die zu einer Senkung des Energieverbrauchs führen, mit einem zinsgünstigen Kredit bis zu 25 Millionen Euro und einem Tilgungszuschuss von bis zu 55 Prozent der förderfähigen Investitionskosten.

Gesundheitsbranche im Fokus

Der Bundesverband der deutschen Industrie BDI fordert von der Bundesregierung einen industriepolitischen Fahrplan, um Deutschland zum weltweit führenden Standort der Gesundheitsindustrie auszubauen. Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung: „Deutschland muss zum weltweit führenden Standort der Gesundheitsindustrie ausgebaut werden. Wir müssen raus aus dem Klein-Klein unkoordinierter Fördermaßnahmen. Es geht darum, Wettbewerbsfaktoren systematisch zu stärken.“ Deutschland verliere derzeit gegenüber anderen Standorten an Boden – von Neugründungen über Produktionsanteile bis zu Forschung und Entwicklung. Umso wichtiger sei es jetzt, dass die Bundesregierung frühzeitig gegensteuert. Bürokratieprozesse müssen modernisiert, Gesundheitsdaten für Unternehmen nutzbar, strategische Investitions- und Forschungsfelder gemeinsam mit der Wirtschaft festgelegt werden.

Arbeit soll flexibel bleiben

Die geplante Novelle des Arbeitszeit-Gesetzes mit dem Ziel, ein verpflichtendes System zur Arbeitszeiterfassung einzuführen, stößt beim Digitalverband Bitkom auf wenig Gegenliebe. „Die Stechuhr passt nicht ins Homeoffice“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. „Und sie läuft den Interessen vieler Unternehmen und ihrer Beschäftigten zuwider.“ Deutschland brauche keine auf die Minute festgelegten 8-Stunden-Schichten, sondern Freiräume für eine selbstbestimmte und flexible Einteilung der Arbeit. Dazu gehört auch, zwischendurch ein privates Telefonat zu führen, zwischendurch Besorgungen zu machen, im Homeoffice für die Kinder da zu sein oder auch mal eine Runde zu joggen. „Sich für solche Aktivitäten jeweils einige Minuten aus einer Arbeitszeiterfassung auszubuchen, hilft niemandem und nervt alle.“ Das Bundesarbeitsgericht hatte zuvor mit Bezug auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs Arbeitgeber verpflichtet, ein System zur Arbeitszeiterfassung einzuführen.

Neues Einwanderungsrecht begrüßt

Der Digitalverband Bitkom fordert von der Bundesregierung einen „großen Wurf“ in Sachen Fachkräfteeinwanderung. „In der deutschen Wirtschaft fehlen aktuell alleine 137.000 IT-Spezialistinnen und -Spezialisten – so viele wie nie zuvor“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wenn künftig formelle Abschlüsse und nachgewiesene Deutschkenntnisse keine Voraussetzung für Einwanderung mehr sein sollen, könnten davon insbesondere IT-Berufe profitieren, in denen Qualifikationen häufig berufsbegleitend erworben und Arbeitssprache ohnehin Englisch ist.“ Voraussetzung dafür, dass Deutschland zu einem Einwanderungsland für IT-Expertinnen und -Experten wird, sei zugleich, dass das Standortmarketing vor allem auf digitalen Kanälen ausgebaut werde. „Zudem müssen wir die Chancen der Digitalisierung auch im Einwanderungsprozess selbst nutzen“, so Berg.

Klimaschutz in Unternehmen

Erstmals wurde mit dem KfW-Klimabarometer eine repräsentative Datengrundlage für Investitionen deutscher Unternehmen in Klimaschutzmaßnahmen veröffentlicht. Laut KfW-Umfrage wurden im Jahr 2021 von deutschen Unternehmen 55 Milliarden Euro in Klimaschutzmaßnahmen investiert. Über 50 Prozent der Unternehmen haben Klimaschutz in ihrer Unternehmensstrategie verankert. Gleichwohl deckt das Klimabarometer auch Lücken auf. So bleiben eigene Klimaschutzziele und die Erstellung des CO2-Fußabdrucks eine Ausnahme und viele Unternehmen kennen das Konzept der Klimaneutralität bis heute nicht oder haben sich noch nicht in ausreichendem Maße damit auseinandergesetzt. „Die Ergebnisse des KfW-Klimaschutzbarometers zeigen nun eindrücklich, welch enorme Summen Unternehmen in Deutschland bereits heute investieren, um ihre Treibhausgasemissionen zu verringern“, erklärte Markus Jerger, Vorsitzender des Bundesverbandes Der Mittelstand (BVMW).

Belastungsstopp Mittelstand

In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Mittelstands-Bundes (DMB) sprechen sich 80 Prozent der Befragten dafür aus, neue Belastungen im kommenden Jahr auszusetzen (siehe auch den DMB-Beitrag auf Seite 18).  Der DMB appelliert an die Bundesregierung, ihr angekündigtes Belastungsmoratorium dringend zu konkretisieren und für kleine und mittlere Unternehmen Entlastungen in der insgesamt sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage zu schaffen. Gerade in diesen Krisenzeiten müssten Belastungen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des DMB: „Der Mittelstand verzweifelt an der erheblichen Bürokratie in Deutschland. Ende September hatte die Ampelregierung ein Belastungsmoratorium für die Zeit der Krise angekündigt, das auch die Betriebe einschließen soll. Was das konkret beinhaltet, bleibt bis jetzt völlig unklar.“

Mittelständler wollen in Europa einkaufen

Laut einer Umfrage der DZ-Bank will sich jeder dritte Mittelständler in Deutschland zur Stabilisierung der Lieferketten in den nächsten fünf Jahren stärker auf das Geschäft mit Westeuropa fokussieren. Der Ukraine-Krieg hat viele Lieferketten getroffen, Materialien wie Stahl verteuert und Engpässe etwa bei Kabelbäumen in der Autobranche verursacht. Auch die Knappheit bei Mikrochips und Container-Staus belasten die deutsche Wirtschaft. Nun wollen die mittelständischen Unternehmen Vorprodukte wieder innerhalb Europas einkaufen, um sich vor Materialengpässen zu schützen. Angesichts von Knappheiten und politischer Spannungen seien sichere Häfen gefragt, heißt es in der Umfrage. Gut ein Fünftel (21 Prozent) setzt auf Ost- und Mitteleuropa rund um Länder wie Polen, Tschechien und die Slowakei. „Es gibt einen eindeutigen Trend, dort zu produzieren, wo die Produkte später auch verwendet werden“, sagte DZ-Bank-Firmenkundenvorstand Uwe Berghaus.

 

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Wirtschaft
Dezember 2022
Illustration: Malcolm Fisher
Redaktion

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