Langfristig dürfte es keine Bank geben, die auf KI verzichtet. Dieser Überzeugung ist Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst anlässlich einer Umfrage, die sein Digitalverband zur Nutzung von KI im Finanzwesen im Mai dieses Jahres veröffentlich hat. Was Dr. Wintergerst allerdings auch zugeben muss: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher müssen vom Nutzen einer Finanz-KI noch überzeugt werden.“
Tatsächlich sind sich die Deutschen noch nicht ganz sicher, ob KI in puncto Finanzen eher Chance oder eher Risiko ist. Während jeder vierte Befragte (27 Prozent) sich vorstellen kann, einer KI künftig den Großteil der eigenen Finanzentscheidungen zu überlassen, lehnt rund die Hälfte (49 Prozent) die Nutzung von KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab. Wenig überraschend: Die Offenheit gegenüber der KI ist auch eine Frage des Alters. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sehen 68 Prozent Chancen in KI-Anwendungen rund um Finanzen, bei den Menschen über 65 gilt das hingegen nur für etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent). Beim Digitalverband Bitkom zieht man daher einen klaren Schluss aus den Umfrageergebnissen: KI-Anwendungen im Finanz- und Bankwesen müssen transparent, sicher und in ihren Aussagen nachvollziehbar sein. Dass es längst nicht mehr darum geht, ob, sondern wie KI im Finanzwesen genutzt wird, unterstreicht auch der Global AI in Finance Report 2026 der Unternehmensberatung KPMG. Demnach hat sich die aktive Nutzung von KI-Tools in nur zwei Jahren von 30 Prozent in 2024 auf 75 Prozent in 2026 erhöht. Besonders in der Finanzplanung setzen laut KPMG-Auswertung bereits 76 Prozent der Institute auf KI-gestützte Lösungen.
Dass die KI in der Finanzwelt derart auf dem Vormarsch ist, verwundert nicht. Denn das Potenzial, die Effizienz zu steigern, liegt bei datenintensiven Prozessen wie Rechnungseingängen, Risikoanalysen, Kontoabgleichen oder Reportings auf der Hand – zumindest theoretisch. Denn eine aktuelle Umfrage des auf IT-Themen spezialisierten Marktforschers IDC im Auftrag des Softwareanbieters Sage zeigt, dass die erzielten Produktivitätsgewinne in der Praxis häufig wieder verloren gehen. Jeder vierte Befragte gab an, die durch KI-Tools eingesparte Arbeitszeit direkt wieder investieren zu müssen, um KI-Entscheidungen für Stakeholder nachvollziehbar zu machen. 29 Prozent der Finanzentscheider in Deutschland wenden zwischen 15 und 29 Stunden für die Überprüfung von KI-Ergebnissen auf. Bei 18 Prozent sind es sogar über 30 Stunden pro Woche. Denn gerade in Deutschland spielt die Nachvollziehbarkeit eine wichtige Rolle. 68 Prozent der Befragten hierzulande würde ein KI-Tool ablehnen, das eine Präzision von 99 Prozent verspricht, seine Entscheidungen aber nicht transparent begründen kann.
„Im Finanzwesen war ‚fast richtig‘ schon immer gleichbedeutend mit ‚falsch‘. Mit zunehmend komplexen KI-Workflows steigen die Kosten der Unsicherheit weiter“, erklärt Aaron Harris, CTO bei Sage. Transparenz ist also der entscheidende Faktor für die Weiterentwicklung der KI.
Illustration: Lena Neuner