Schneller forschen?

Die Bundesregierung steckt Milliarden in die Forschung, um die Energiewende anzutreiben – mit ersten Erfolgen.

Illustration: Alissa Thaler
Illustration: Alissa Thaler
Julia Thiem Redaktion

Er ist aktuell nicht nur Deutschlands nordöstlichster, sondern vielleicht auch bekanntester Hafen: Mukran auf Rügen. Genau hier sollen im Rahmen des LNG-Beschleunigungsgesetzes zwei schwimmende LNG-Terminals stationiert werden – in unmittelbarer Nähe zum bei Touristen beliebten Erholungsort Sassnitz und dem Nationalpark Jasmund mit seinen Kreidefelsen. Entsprechend groß ist der Widerstand vor Ort gegen die Pläne, die von der Bundesregierung mit der Energiesicherheit für den kommenden Winter verteidigt werden.

Denn genau darum geht es aktuell beim Einsatz von LNG vorrangig – nicht um klimapolitische Ziele. Dennoch ist klar: Mittel- bis langfristig sind echte Innovationen gefragt und keine Kompromisse wie beim wenig umweltfreundlichen LNG. Dessen ist sich auch die Bundesregierung bewusst. Sie fördert mit dem mittlerweile 7. Energieforschungsprogramm gezielt Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Hochschulen, die an neuen Technologien und Anwendungen für die Energiewende arbeiten. 2022 flossen insgesamt 1,49 Milliarden Euro an Fördermitteln aus dem Programm in verschiedene Projekte, eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent.

Besonders spannend sind in diesem Zusammenhang sicherlich die elf „Reallabore“, wovon sechs energieoptimierte Quartiere erforschen und erproben, fünf weitere sich mit den Zukunftsthemen Sektorkopplung und Wasserstofftechnologien beschäftigen. Darunter befindet sich auch das Norddeutsche Reallabor, kurz NRL, eine Allianz aus insgesamt 50 Partnern, die zeigen will, dass der Norden des Landes seinen Energiebedarf rein rechnerisch schon heute aus Erneuerbaren Energien decken könnte. Und die darüber hinaus aus auch in der Lage ist, den gewonnenen grünen Strom auf andere Bereiche wie Verkehr oder Industrie zu übertragen – genau das meint Sektorkopplung. Wasserstoff werde hierfür zu einer wichtigen Schlüsseltechnologie, heißt es aus dem Reallabor, dann nämlich, wenn er grün ist, also aus Elektrolyseanlagen kommt, die ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.

Allerdings ist Wasserstoff aktuell eine knappe Ressource, weshalb das NRL in diesem Jahr eine Studienreihe zu Potenzialen, Grenzen und Prioritäten von grünem Wasserstoff für die Energiewende gestartet hat. „Für einen energieeffizienten Markthochlauf geht es nicht darum, möglichst viele theoretische Anwendungsfälle für grünen Wasserstoff zu finden, sondern zu identifizieren, wo der Einsatz von grünem Wasserstoff alternativlos ist und wo demzufolge prioritär neue Geschäftsmodelle beziehungsweise Wertschöpfungsketten erforderlich sind. Hierzu soll unsere Studienreihe beitragen“, erklärt Prof. Dr. Jens-Eric von Düsterlho, Leiter des Departments Wirtschaft an der HAW Hamburg und Leiter der hinter den Veröffentlichungen stehenden Arbeitsgruppe des NRL. Vor allem für die Menschen auf Rügen könnte das ein gutes Zeichen sein. Anstatt der LNG-Terminals, sollten sie wirklich kommen, gibt es dann in absehbarer Zeit hoffentlich bessere, weil nachhaltige Alternativen, die die Energieversorgung im Land gewährleisten.

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