Brücke zwischen stationärem und Online-Handel

Multichannel im Handel: Alle wollen es, viele scheuen den Aufwand. Connected Retail by Zalando macht den Einstieg leicht.
Dr. Carsten Keller, Vice President Direct to Consumer bei Zalando SE
Dr. Carsten Keller, Vice President Direct to Consumer bei Zalando SE
Zalando SE Beitrag

Herr Dr. Keller, Multichannel ist Realität. Doch was sind dabei die Herausforderungen für Einzelhändler?
Ein miteinander verknüpftes Angebot zwischen dem stationären und dem Online-Handel kann zusätzliche Umsätze bringen – das ist den meisten Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern klar, und immer mehr wollen in den Multichannel-Handel einsteigen. Doch viele merken schnell, was für ein Aufwand damit verknüpft ist, welches Know-how gefragt ist. Es reicht nicht, eine Website ins Netz zu stellen, Sie brauchen auch weitere Ressourcen, um E-Commerce möglich zu machen. Einen Webshop müssen Sie mit Hunderten, vielleicht Tausenden Produktbeschreibungen und Fotos füttern, die auch noch aktuell gehalten sein wollen. Und der Verkauf soll natürlich auch mobil möglich sein – also muss zusätzlich Mobile-Optimierung oder eine App fürs Smartphone her. Außerdem müssen Sie die Website mit dem vorhandenen Warenwirtschaftssystem verknüpfen. Dann soll Ihr Angebot auch gefunden werden, das bedeutet viel Aufwand für SEO und Vermarktung auf den gängigen Social-Media-Kanälen. Die Logistik ist eine weitere große Herausforderung – und zwar nicht nur der Versand, sondern auch das Handling von Retouren. Das alles in Summe schreckt dann doch viele Geschäfte ab.

Seit 2018 sind Sie erfolgreich mit Ihrem Konzept Connected Retail, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Können Sie näher erläutern, was sich dahinter verbirgt?
Im Kern geht es darum, Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern die Möglichkeit zu geben, ihr Sortiment unkompliziert über Zalando anzubieten, dabei das gesamte Angebot unserer Plattform zu nutzen und eine Brücke zwischen stationärem und Online-Handel zu schlagen. Ohne die Notwendigkeit, sich um die meisten der oben beschriebenen Herausforderungen kümmern zu müssen. Das fängt auf der technischen Seite an. Die Teilnehmer des Programms melden uns in regelmäßigen Abständen automatisiert die EAN-Nummern der von ihnen angebotenen Artikel inklusive der Preise. Eine von uns entwickelte und den Geschäften kostenlos zur Verfügung gestellte Software liefert ihnen Informationen über verkaufte Artikel, komplett mit Versand- und Retourenlabel, die sie nur noch ausdrucken und zusammen mit der Ware dem Versanddienstleister übergeben müssen. Was Produktfotos und Beschreibungen angeht: Wir verfügen über ca. eine Million Fotos und Produktbeschreibungen, die wir über den EAN-Code bereitstellen können. Diese Arbeit nehmen wir den teilnehmenden Einzelhändlern also ab. Darüber hinaus können sie natürlich eigene Fotos und Beschreibungen zu Produkten, die wir noch nicht kennen, auf die Plattform laden, insofern diese zu Zalandos Assortment passen.

Was bedeutet das hinsichtlich der Kosten – und wie können sich Einzelhändler beteiligen?
Wie in jedem gängigen Marktplatzmodell arbeiten wir mit einem Kommissionsmodell, das abhängig vom Preis und der Art des Artikels ist. Davon abgesehen verdienen die teilnehmenden Einzelhändlerinnen und -händler vom ersten Tag an – ohne teure Fixkosten etwa für einen Webshop. Wer mitmachen will, kann sich über unsere Plattform an uns wenden. Dabei legen wir großen Wert darauf, mit teilnehmenden Geschäften auch direkt in Kontakt zu treten. Gemeinschaft und eine Partnerschaft auf Augenhöhe sind uns wichtig. Davon abgesehen, können sich Teilnehmer jederzeit an unseren Support wenden, etwa bei Fragen zur technischen Abwicklung, dem Versand oder bei Abrechnungsfragen.

Wie wirkt sich dieser gegenseitige Austausch auf das Angebot von Connected Retail aus?
Wir hören den Geschäften zu und suchen nach Lösungen für anstehende Probleme. Ein aktuelles Beispiel ist das Retourenhandling. Zurückgeschickte Ware verursacht hohen Aufwand und Kosten. Deshalb pilotieren wir aktuell, Retouren über unsere Logistik abzuwickeln. Retouren verbleiben zunächst in unseren Lagern, wir melden den Eingang in die Warenwirtschaft des Händlers. Die Ware kann dann entweder wieder in seinem Namen angeboten und verkauft werden. Oder über unsere Logistikpartner zu unseren günstigen Tarifen an den Händler zurückgesendet werden.

Sie sprachen von einer Brücke zwischen stationärem und Online-Handel. Wie wird sich Multichannel in Zukunft entwickeln?
Da gibt es tolle Szenarien. Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen bestimmten Schuh kaufen. Online finden Sie heraus, wo es ihn in Ihrer Größe in einem Geschäft in Ihrer Nähe gibt. Dort probieren Sie ihn vor Ort an, nachdem Sie ihn vielleicht reserviert haben, und kaufen ihn. Sind Sie dann doch nicht glücklich mit Ihrem Kauf, können Sie den Schuh online retournieren, ohne nochmal in das Geschäft zu müssen. Solche und andere Möglichkeiten des Multichannel-Handels werden seit Jahren diskutiert und werden bald Realität.  

Zum Abschluss ein Blick über den Tellerrand: Wie entwickelt sich Multichannel weltweit?
Multichannel ist natürlich dort stark, wo eine hohe Affinität zum Online-Einkauf herrscht. Wir beobachten aber, dass sich ein Ökosys-tem rund um Anwendungen im Handel entwickelt. Das Stichwort sind Third Party Provider. Das sind Anwendungen, die es Einzelhändlern ermöglichen, die Pozentiale von Multichannel wirklich zu heben. Als Plattform sind wir stolz, daran teilzuhaben.

www.connectedretail.de

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