Rohstoffgewinnung und Artenschutz verbinden

November 2021 | Wirtschaftswoche | Green Economy

Rohstoffgewinnung und Artenschutz verbinden

Die Baustoffindustrie liefert das Material für Gebäude, Straßen und Infrastruktur. Zugleich setzen sich seine Mitglieder für Artenvielfalt und Klimaschutz ein.

Raimo Benger, Hauptgeschäftsführer Verbandes der Bau- und Rohstoffindustrie e. V.
vero Bau- und Rohstoffe / Beitrag

Herr Benger, der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie hat zum 1. Oktober eine Klimakampagne gestartet. Was verbirgt sich dahinter?

Mit unserer Kampagne wollen wir zeigen, was unsere Mitgliedsunternehmen heute und in Zukunft für Klima und Nachhaltigkeit tun. Beispiel Transport: Unsere Betriebe gewinnen in Steinbrüchen oder Kieswerken Rohstoffe für die Bauindustrie, die Stahl- oder die Glasindustrie. In der Regel werden diese Rohstoffe ortsnah eingesetzt. Kürzere Transportwege und eine ortsnahe Versorgung sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Zweitens gewinnen wir nicht nur Rohstoffe, sondern betreiben auch Baustoffrecycling. Drittens haben wir mit dem NaBu eine deutschlandweite Kooperation. Seltene Arten siedeln sich in den Kieswerken und Steinbrüchen gerne an. Zusammen mit dem NaBu arbeiten wir daran, die Biotope in den aktiven Betrieben zu vernetzen, damit die Verbreitung dieser Arten steigt. Und viertens arbeiten die Mitglieder unseres Verbandes in einem gemeinsamen Netzwerk daran, noch energieeffizienter zu werden.

 

In Deutschland werden mancherorts mineralische Rohstoffe für die Bauindustrie knapp. Warum – und was muss sich ändern?

Zum einen geht es um Angebot und Nachfrage. Im Sondierungspapier der künftigen Bundesregierung wird gefordert, 400.000 neue Wohnungen im Jahr zu schaffen, die Infrastruktur zu verbessern und zu sanieren. Der steigende Bedarf an Beton, Asphalt und Baustoffen soll von uns gedeckt werden. Zugleich werden die Genehmigungen für Erweiterungen unserer Betriebe aber immer restriktiver gehandhabt. Das Genehmigungsrecht wird verschärft – ohne dass die EU, die hier den Rahmen vorgibt, das fordert. So fordert die EU die Ausweisung von Schutzgebieten für Pflanzen und Tiere. Das unterstützen wir vollumfänglich. Die EU setzt auf Einzelfallprüfungen, ob wirtschaftliche Tätigkeiten nicht doch vereinbar sind mit dem Artenschutz. Auf Landes- oder Bezirksebene werden aber zum Teil Einzelfallprüfungen grundsätzlich abgelehnt und keine Erweiterungen oder neuen Anlagen genehmigt. Das ist auch insofern nicht nachvollziehbar, als dass wir ja durch unsere Kooperation mit dem NaBu zeigen, dass Artenschutz und Rohstoffgewinnung vereinbar sind.

 

Was wünschen Sie sich von der kommenden Bundesregierung?

Wir wünschen uns, dass die Bundesregierung keine weiteren Erschwerungen im Genehmigungs- und Planungsrecht schafft, sondern im Gegenteil die Verfahren verschlankt und wie erwähnt Einzelfallprüfungen zulässt. Auch wünschen wir uns im Sinne der Kreislaufwirtschaft, dass bei Ausschreibungen in stärkerem Maße Recyclingbaustoffe bevorzugt werden. Wir wollen unseren Beitrag sowohl für eine funktionierende Bauindustrie als auch zum Klima- und Umweltschutz leisten.

 

 

ÜBER VERO:

WIR VERTRETEN INTERESSEN

Wir beraten unsere Mitglieder in wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen und kommunikativen Belangen. Unser Team besteht aus Juristen, Bauingenieuren, Biologen, Volks- und Betriebswirten, Geologen, Mineralogen und Kommunikatoren. Interdisziplinär vertreten wir die Interessen der Bau- und Rohstoffindustrie kontinuierlich, durchsetzungsstark und vernetzt.

 

KLIMASCHUTZKAMPAGNE

Regionale Rohstoffgewinnung ist Klimaschutz! Mit der Kampagne „Wir bauen Zukunft“ möchten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, wie aktiv die Bau- und Rohstoffindustrie im Bereich des Klimaschutzes bereits ist. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen vier Fokusthemen: Lieferradius, Energieeffizienz, Recycling sowie Natur- bzw. Artenschutz.

 

www.vero-baustoffe.de


www.rohstoffzukunft.de