Nachhaltige Gewerbegebiete: Bremerhaven ist Vorreiter

In Bremerhaven entsteht mit dem LUNE DELTA das erste nach Nachhaltigkeitskriterien geplante Gewerbegebiet: eine Chance für Umwelt und Wirtschaft.

Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven
Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven
Bremerhaven Beitrag

Herr Schnorrenberger, der Erschließungsplan für das neue Bremerhavener Gewerbegebiet LUNE DELTA wurde 2019 von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) mit der höchsten Auszeichnungsstufe Platin versehen. Was verbirgt sich hinter dem Projekt?
Das LUNE DELTA ist ein 150 Hektar großes zusammenhängendes Gewerbegebiet im Süden Bremerhavens. Dieses Gewerbegebiet planen wir als Wirtschaftsförderung Bremerhaven seit 2017 unter strengen Nachhaltigkeitsaspekten. Dafür haben wir uns von der DGNB beraten lassen. Deren Bewertungskriterien umfassen die Einhaltung nachhaltiger ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards. Zudem haben wir nachhaltige Kriterien entwickelt, die Unternehmen erfüllen müssen, um sich dort ansiedeln zu können.

Warum setzen Sie auf Nachhaltigkeit als Leitkonzept?
Wir in Bremerhaven beschäftigen uns seit 20 Jahren mit erneuerbaren Energien, etwa mit der Offshore-Windenergie. Wir sind der festen Überzeugung, dass Nachhaltigkeit, Klimaschutz und das Vorantreiben der Energiewende sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch zukunftsentscheidende Themen sind. Und daraus ergeben sich aus unserer Sicht als Wirtschaftsförderung bedeutende Wachstums- und Ansiedlungschancen.

Sie planen zum Beispiel ein Energieversorgungskonzept, das zu Hundert Prozent auf „Erneuerbare“ setzt. Was waren, was sind die Herausforderungen bei der Entwicklung eines nachhaltigen Gewerbegebiets?
Bei einem solchen Projekt können Sie keine fertigen Konzepte aus der Schublade ziehen. Wir sehen uns da als Vorreiter – das heißt, wir beschäftigen uns mit ganz neuen Fragen im Baurecht oder der Finanzierung. Wie können wir PV-Anlagen oder Dachbegrünungen verbindlich machen? Wie holen wir die Bremerhavener Energieversorgung ins Boot, wenn es um den Aufbau eines Wärmenetzes geht, das ohne Gas auskommt – und bei dem noch nicht klar ist, wer sich am Ende ansiedelt? Letzteres zum Beispiel, indem wir das relativ warme Klärwasser aus dem benachbarten Klärwerk in ein Nahwärmenetz für das Gewerbegebiet speisen. Zukünftige Ansiedlungen können dann dieses Wasser für eine individuelle Wärmepumpe nutzen. Oder wir weisen Flächen aus, auf denen Unternehmen ihre eigenen Windräder zur Stromerzeugung betreiben können. Für solche Lösungen braucht es Zeit und Kreativität – aber alle Beteiligten sind mit großem Engagement, mit großer Lernbereitschaft dabei.

Welche Unternehmen sollen sich im LUNE DELTA ansiedeln?
Zum einen Unternehmen aus der Green Economy, deren Produkte also direkt mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu tun haben. Zum anderen Unternehmen, die sich verpflichten, ihre Geschäftsprozesse nachhaltig zu gestalten – etwa über eine umweltfreundliche Produktion, soziales Engagement, Dachbegrünung, nachhaltige Mobilitätskonzepte. Je mehr Punkte ein Unternehmen hat, desto günstiger wird der Erwerb eines Grundstücks.

Wie geht es mit dem Projekt weiter, was sind die nächsten Schritte?    
Wir hoffen, dass der Bebauungsplan im Laufe des kommenden Jahres Rechtskraft erlangt. Parallel dazu müssen wir den (Klei-)Boden bebaubar machen, indem wir die Flächen aufsanden. Neben dem erwähnten Wärmenetz bauen wir auch ein Gasnetz auf, das Erdgas ebenso wie grünen Wasserstoff aufnehmen kann. 2024 werden sich Unternehmen dann im LUNE DELTA ansiedeln können. Schon jetzt haben wir Interessenten, die sich im LUNE DELTA einen zukunftssicheren und nachhaltigen Firmensitz aufbauen wollen.  

www.bis-bremerhaven.de

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