Grüner Gründen

März 2021 | Wirtschaftswoche | Green Economy

Grüner Gründen

Die Green Economy ist der viertgrößte Gründungsbereich in Deutschland. In einigen Bereichen verfolgen mehr als die Hälfte der Neugründungen ökologischer Ziele.

Illustrationen: Luisa Jung by Marsha Heyer
Carolin Wilms / Redaktion

CO2 der Atmosphäre zu entziehen und dieses Gas dauerhaft in Produkten zu speichern, ist die Geschäftsidee des im Jahr 2017 gegründeten Start-ups „Carbonauten“ aus Giengen in Baden-Württemberg. Auch andere Start-ups leisten mit ihren Innovationen einen Beitrag zum Klimaschutz, zu einer nachhaltigeren Ökonomie und Gesellschaft.


Wie die Ende April 2020 zum zweiten Mal veröffentlichte Studie „Green Startup Monitor“ (GSM 2020) zeigt, entsprechen die Geschäftsideen von rund einem Fünftel aller deutschen Start-ups den Kriterien für Nachhaltigkeit. Das Borderstep Institut, das zusammen mit dem Bundesverband Deutsche Startups diese Studie herausgegeben hat, zählt etwa 6.000 „grüne“ Start-ups aus zwanzig Branchen. Dabei stellt mit 17 Prozent die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche nach wie vor den größten Anteil aller „grünen“ Start-ups dar. Mit Blick auf den Anteil innerhalb eines Sektors liegt die Agrar- und Landwirtschaft mit fast siebzig Prozent „grünen“ Start-ups vor der Energie- und Elektrizitätsbranche mit einem Prozentsatz von rund sechzig. Der Cleantech-Bereich (saubere Technologien) weist dabei eine starke Dynamik auf.


Noch vor der „Fridays-for-Future“-Bewegung ist bei den Konsumenten ein zunehmendes Bewusstsein entstanden, das diese Entwicklung verstärkt: Kunden hinterfragen sowohl ihr Kaufverhalten als auch die Herstellungsprozesse der Güter und wollen nicht länger hinnehmen, dass die Kosten für Klima und Umwelt vergemeinschaftet werden.


Den „grünen“ Start-ups entstehen Vorteile, denn sie können entsprechende Projektförderungen beantragen und teils Kosten durch die Reduzierung von CO2-Emissionen sparen. Ihr Image profitiert von der öffentlichen Aufmerksamkeit, wenn etwa Nachhaltigkeitspreise gewonnen werden.


Auch als Arbeitgeber sind „grüne“ Start-ups attraktiv. Die Studie hat gezeigt, dass „grüne“ Start-ups eine soziale Nachhaltigkeit im Sinne ihrer Unternehmenskultur aufweisen: Über die Hälfte der Beschäftigten sind an den Firmen beteiligt, bei „nicht-grünen“ liegt dieser Wert rund 10 Prozent niedriger. Der GSM 2020 zeigte zudem, dass die Gründerinnen-Quote bei „grünen“ Start-ups mit 22 Prozent höher liegt als bei „nicht-grünen“ (13 Prozent).


Dennoch waren die Kapitalanlagen in „grüne“ Start-ups bisher verhalten. Laut GSM 2020 griffen die Gründer meist auf eigene Ersparnisse oder staatliche Fördermittel zurück. Business Angels und Venture-Capital-Fonds investierten häufiger in „nicht-grüne“ Start-ups.  


Allerdings geht Eric Weber vom Leipziger Start-up Accelerator „Spinlab“ davon aus, dass sich das ändert: „Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema bei Investoren.“ Grund dafür seien die sogenannten ESG-Kriterien (eine englische Abkürzung für Umwelt, Soziales und Unternehmenswerte), an denen sich Kapitalanleger zunehmend orientieren. „Das führt zu einer massiven Neuausrichtung der Vermögensströme“, so Weber.


Die CO2-bindenden „Carbonauten“ bieten derweil Beteiligungsmodelle nach dem „Prinzip des gegenseitigen Profitierens“ an und wollen so die „Diskrepanz zwischen Willen und Anpacken“ lösen.