Optimaler Einsatz und minimale Emissionen

Prozesse steuern, Energieeffizienz steigern: Wie Industrien so grüner werden, erklären Uwe Szkudlarek und Pascal Gaillot vom japanischen Unternehmen Yokogawa.

Pascal Gaillot (li.) ist Director Chemical Industry Europe, Uwe Szkudlarek Senior Consultant Solution and Services bei Yokogawa in Ratingen.
Pascal Gaillot (li.) ist Director Chemical Industry Europe, Uwe Szkudlarek Senior Consultant Solution and Services bei Yokogawa in Ratingen.
Yokogawa Beitrag

Herr Szkudlarek, Herr Gaillot, Yokogawa entwickelt und produziert Lösungen der Mess- und Automatisierungstechnik für die Industrie – welche Rolle spielt das bei der Energiewende?
Pascal Gaillot: Yokogawa geht die Dekarbonisierung aus verschiedenen Richtungen an: Unsere Technologien erfassen, steuern und optimieren Prozesse in Industrieanlagen, um die Energieeffizienz zu erhöhen und Emissionen zu reduzieren. Sie erleichtern die Integration erneuerbarer Energien und verbessern das CO2-Monitoring. Und wir geben den Kunden Instrumente zur Erfassung und Analyse valider Daten an die Hand sowie zur Digitalisierung. Ein Pluspunkt: Unsere Lösungen beruhen nicht auf proprietären Prozessen von Yokogawa – wir können alle Industrieunternehmen unterstützen, egal, mit welchen Systemen welcher Hersteller sie bisher gearbeitet haben.

Können Sie das erläutern? 
Wir wollen ganze Industriecluster optimieren. Im Hafen von Rotterdam etwa geht Yokogawa daran, die Nutzung und Erzeugung von Energie über Unternehmensgrenzen hinweg zu integrieren und effizienter zu machen. Wir erklären den über 200 Unternehmen, dass sie voneinander profitieren können, wenn sie ihre Daten gegenüber einem neutralen Koordinator offenlegen: Yokogawa. Wir analysieren die Energiedaten und leiten daraus eine Gesamtsteuerung ab. Beispielsweise kann der Stromverbrauch benachbarter Unternehmen durch gemeinsame Betrachtung optimiert werden, um Nachfrage-Peaks abzufedern. Oder Firma X, bei der als Nebenprodukt Dampf anfällt, fährt ihre Leistung hoch, wenn Firma Y, die für ihre Prozesse Dampf benötigt, großen Bedarf hat. Insgesamt könnten wir im Hafencluster fünf bis zehn Prozent Energie einsparen.

Wie läuft die Energieoptimierung in einer einzelnen Anlage ab?
Uwe Szkudlarek: Prozessöfen der Chemischen Industrie werden oft noch mit fossilen Energieträgern betrieben. Mithilfe von Sensoren und Software optimieren wir die Verbrennung, damit möglichst wenig Erdgas verbraucht und CO2 emittiert wird. Ein anderer Fall sind Müllverbrennungsanlagen, wo verschiedenste Materialien mit unterschiedlichen Brennwerten und Feuchtigkeitsgehalt anfallen: Unsere Lösung ermöglicht eine optimierte Verbrennung, um Emissionen zu minimieren und Energieeffizienz zu maximieren. Wieder andere Herausforderungen liefert die Integration erneuerbarer Energien, die von vielen kleinen Akteuren stammt, und zwar oft in schwankendem Ausmaß, abhängig etwa vom Wetter. Dieses volatile Angebot koordinieren wir für die Abnehmer.

Und welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Yokogawa erstellt sogenannte digitale Zwillinge von Anlagen, mit denen wir unterschiedlichste Szenarien simulieren, um die besten Bedingungen für ein bestimmtes Ziel zu schaffen. Unseren Kunden bieten wir Lösungen zur Digitalisierung ihrer Prozesse, um den Personaleinsatz zu verringern. Und Firmen haben mittels der Digitalisierung ihren Treibhausgasausstoß besser im Griff.

Pascal Gaillot: ...was ihnen wiederum bei der Auditierung hilft. Prüfer können einem Unternehmen nur dann die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zur CO2-Bilanz bescheinigen, wenn die Informationen dazu überhaupt vorliegen. Für Konzerne ist das Routine, aber demnächst müssen sich auch KMU auditieren lassen. Das betrifft in Deutschland gut 15.000 Firmen, die sich bisher wenig Gedanken darum gemacht haben und plötzlich ohne Testat nicht einmal mehr einen Kredit für einen neuen LKW bekommen – unsere Lösungen können ihre Existenz retten.

www.yokogawa.com
 

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