Kollateralschäden vermeiden!

Eine gute Rendite zu erwirtschaften und der Wunsch, die Welt zu verbessern, das müssen keine Gegensätze sein. Anleger sollten aber die Unterschiede zwischen ESG, SRI und Impact Investing kennen.
Illustration: Carina Crenshaw
Illustration: Carina Crenshaw
Klaus Rathje Redaktion

„Ihr Geld kann die Welt verändern.” Mit diesem Slogan wirbt die Crowdfunding-Plattform bettervest für Investitionen in „wirkungsvolle Projekte, die Mensch und Planet zugutekommen“. Sie richtet sich an Anleger, die genau wissen wollen, was mit ihrem Kapital passiert. Die Projekte, bei denen auch Kleinstanleger schon mit 50 Euro einsteigen können, finanzieren Wasserkraftanlagen in Kenia oder Solar-Home-Systeme im Senegal. Für eine feste Laufzeit von meist drei bis acht Jahren können Anleger eine Rendite von im Schnitt sieben Prozent erwarten. Dass die Rendite aus deutscher Sicht relativ hoch scheint, liegt einerseits im Risiko begründet – bei einem Ausfall ist die gesamte Investition verloren, es gibt auch keine Einlagensicherung wie bei einer Bank –, aber auch in der Tatsache, dass in einigen Ländern, in denen bettervest aktiv ist, die lokalen Finanzierungsinstrumente weitaus teurer sind.

Seit zehn Jahren ist bettervest aktiv und gehört damit zu den Vorreitern im Bereich Impact Investing, also der Möglichkeit, unmittelbar in Projekte zu investieren, die für sich in Anspruch nehmen, einen positiven Effekt zu haben. „Unsere Hauptmotivation war damals das Thema Energiewende“, erinnert sich Co-Founder Patrick Mijnals. „Wir haben uns damals gefragt: Wie können wir hier aktiv werden und gleichzeitig das Leben der Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern verbessern?“

Überzeugungstäter am Werk

Ein spezieller Typus von Investor, der nachhaltige Ziele verfolgt, zeichnet sich dabei noch nicht ab. Patrick Mijnals, der inzwischen als Gründungsberater beim Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) arbeitet, sieht eine wachsende Community aus Überzeugungstätern: „Inzwischen gibt es immer mehr Leute, die sich im Zweifel mit einer niedrigeren Rendite zufriedengeben und konsequent Impact Investing betreiben, um etwas zu bewirken mit ihrem Kapital. Aber das Beispiel Bettervest beweist ja wiederum, dass Impact Investing auch gute Renditen bringen kann.“

Den Unterschied zwischen Impact-Investing-Plattformen wie bettervest und dem Investieren in einen Fonds macht nicht zuletzt die Transparenz: „Bei einem Fonds sehe ich ja aufgrund der Streuung nicht direkt, wie meine Geld genau investiert wird, da gibt der Anleger ja gewissermaßen die Verantwortung ab“, so Mijnals. „Bei einer Crowd-Plattform ist man nochmal ganz anders involviert, weil man sich direkt für ein oder mehrere Impact-Projekte entscheidet und so selbst eine Streuung vornehmen kann.“ Zudem warnt Mijnals vor einer inhaltlichen Gleichsetzung. Schließlich gehe es bei ESG – das Kürzel steht für die Investitionskriterien „Environmental“, „Social“ und „Governance“ – in erster Linie darum, „die schlimmsten Kollateralschäden zu vermeiden“, denn im schlimmsten Fall kann auch ein Mineralölkonzern wie Exxon dabei sein. „Bei einem Impact-Fonds würden alle finanzierten Unternehmen mit ihrem Geschäftsmodell einen positiven Beitrag zu einem gesellschaftsrelevanten Thema leisten und eben nicht nur die eigenen Umwelt- und Sozialrisiken managen.“

 

Illustration: Carina Crenshaw
Illustration: Carina Crenshaw

Rendite ist häufig schon besser

Mit „Grünen Finanzen“ hat sich Claudia Müller schon bei der Deutschen Bundesbank beschäftigt, bevor sie 2017 das Female Finance Forum gegründet hat. Dass Nachhaltigkeit für uns alle heute wichtig ist, stehe für sie außer Frage. „Nur wissen die meisten Menschen nicht viel über die Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage. Zudem gehen wir häufig davon aus, dass wir uns entscheiden müssen zwischen finanziellem Erfolg und Nachhaltigkeit. Aber tatsächlich zeigen mehrere Studien, dass die Rendite nachhaltiger Investitionen mindestens genauso hoch, in 30 Prozent der Fälle sogar besser ist als die von traditionellen Investitionen. Wir können durch nachhaltige Geldanlagen also dem Planeten und uns selbst gleichermaßen Gutes tun.“ Auch sie sieht eine Herausforderung darin, dass es keine wirklich einheitliche Definition für Nachhaltigkeit beim Investieren gibt. „Es gibt keine perfekte nachhaltige Geldanlage, ebenso wie es keinen perfekten nachhaltigen Konsum gibt.“

Neben ESG als eine nachhaltige Investitionsklasse gibt es noch das Kürzel SRI, also Socially Responsible Investing, beides soll helfen, Unternehmen oder ganze Branchen wie Glücksspiel oder Rüstung herauszufiltern beziehungsweise ein Mindestmaß an Grundwerten sicherzustellen. „Je nachhaltiger ein Aktienfonds, umso strenger werden die Filter, die angewendet werden, und umso weniger Unternehmen sind in dem Fonds enthalten“, erklärt Claudia Müller. „Es gibt außerdem die Möglichkeit, in spezifische Themenfonds zu investieren, die zum Beispiel in erneuerbare Energie, E-Mobilität oder in Unternehmen mit besonders hohem Frauenanteil investieren. Diese Fonds bieten sich als Ergänzung zu den breiter gestreuten Fonds an.“ Aber wer sicher sein will, dass ein Fonds wirklich nachhaltig ist, komme nicht umhin, sich die Unternehmen anschauen, in die der Fonds investiert. „Daran erkenne ich relativ schnell, ob die Nachhaltigkeit ernst gemeint ist oder ob es nur ein Marketing-Trick ist.“

Jüngere Unternehmen unterstützen

Wer dann doch auf Impact Investing setzen möchte und sich damit meist im Bereich der Direkt-Investitionen bewegt, kann in der Regel einen hohen nachhaltigen Effekt erzielen. „Normalerweise handelt es sich um jüngere Unternehmen, die explizit nach ihrer Nachhaltigkeit ausgewählt werden“, so Claudia Müller. „Ob das Unternehmen allerdings auch wirtschaftlichen Erfolg hat oder nicht, zeigt sich erst mit der Zeit. Es kann spannend sein, Impact Investing zusätzlich zu den moderateren Aktieninvestitionen zu tätigen. Auch hier gilt: Lege niemals alle Eier in einen Korb.“

Dass gerade auch soziale Ziele mehr und mehr den gesamten Finanzmarkt prägen und nachhaltig verändern, beweist die sogenannte „Liechtenstein-Initiative“. In dieser Organisation haben sich Staaten wie das Fürstentum Liechtenstein, Norwegen, Australien und die Niederlande sowie viele Geldinstitute und NGOs zusammengetan und einen Maßnahmenkatalog für den globalen Finanzsektor zur Bekämpfung moderner Sklaverei und Menschenhandel ausgearbeitet.

Im Zentrum der Arbeit der Kommission stehen die Aufdeckung illegaler Finanzflüsse sowie verantwortungsvolle Investitions- und Kreditpraktiken. Diese Initiative soll letztlich dazu führen, dass der gesamte Finanzsektor eine kritischere Haltung einnimmt und sich dazu verpflichtet, genauer hinzuschauen bei Kreditvergaben oder Investments. Auch hier soll der Impact über dem Investment stehen.

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