Firmendächer unter Solarstrom

Im Interview spricht Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. (BSW), über den Trend zur solaren Selbstversorgung in Gewerbe und Industrie.

CARSTEN KÖRNIG, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V.
CARSTEN KÖRNIG, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V.
Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. Beitrag

Wie hoch ist denn die Bereitschaft von Unternehmen, in Photovoltaikanlagen und -speicher zu investieren?

Rund 230.000 Solarstromanlagen sind bereits auf Deutschlands Firmendächern in Betrieb und die Nachfrage zieht kräftig an. Immer mehr Unternehmen setzen auf eine preiswerte und sichere solare Eigenversorgung mit Hilfe selbst erzeugten Solarstroms. 2023 wuchs die neu installierte Photovoltaik-Leistung in Industrie und Gewerbe gegenüber dem Vorjahr um 97 Prozent! Auch in den ersten vier Monaten dieses Jahres liegen wir rund 40 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum: Nach einer aktuellen YouGov-Repräsentativbefragung im Auftrag unseres Verbandes plant fast jedes zweite (46 Prozent) der über 500 befragten Unternehmen mit geeigneten Dachflächen in den kommenden drei Jahren die Errichtung einer Solarstromanlage.
 

Was sind die wichtigsten Gründe für Photovoltaik-Investitionen von Unternehmen?

Die Bereitschaft von Unternehmen, in Photovoltaikanlagen und Solarstrom-Speicher zu investieren, ist zuletzt deutlich gestiegen. Als wichtigstes Motiv für die geplanten Investitionen nennen die Unternehmen Einsparungen bei den Energiekosten bei absehbar weiter steigenden Strom- und CO2-Preisen. Weitere wichtige Gründe sind der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit bzw. die Absicherung der eigenen Energieversorgung. Zudem spielen Umwelt- und Klimaschutz sowie unternehmerische Nachhaltigkeitsziele und -pflichten bei der Entscheidung für Investitionen in Photovoltaikanlagen eine Rolle. 
 

Rechnen sich Investments in Solaranlagen für Unternehmen?

Ja, anders wäre es auch nicht zu erklären, dass immer mehr Unternehmer:innen Solarstrom auf ihren ungenutzten Dachbrachen ernten. In der Regel liegen die Kosten selbst erzeugten Solarstroms inzwischen deutlich unter den Gewerbestromtarifen. Als Faustregel gilt: Je höher der unterm eigenen Firmendach nutzbare Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, desto kürzer die Amortisationszeit fürs firmeneigene PV-System. Hinzu kommt, dass der nicht selbst genutzte Überschussstrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann und für 20 Jahre eine garantierte Vergütung erhält.
 

Der Bundestag hat Ende April das Solarpaket I verabschiedet. Welche Neuregelungen gelten für gewerbliche Photovoltaikanlagen?

Gerade für Unternehmen wird die Solarenergie-Nutzung jetzt noch attraktiver. Dies gilt auch für den Fall, dass zwar ein geeignetes Dach existiert, der Stromverbrauch im eigenen Unternehmen aber begrenzt ist. Die Einspeisevergütung wurde spürbar angehoben und mehrere bürokratische Hemmnisse, zum Beispiel beim Netzanschluss, wurden aus dem Weg geräumt.
 

www.solarwirtschaft.de
 

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