Skalierung bringt Erfolg

Wirtschaftsberater unterstützen Unternehmen bei der digitalen Transformation. Aber wie steht es bei ihnen selbst um die Digitalisierung?

Illustration: Vanessa Melzner
Illustration: Vanessa Melzner
Olaf Strohm Redaktion

EY tut es, Deloitte ebenso, Accenture, KPMG und PwC tun es ebenfalls: Sie beraten Unternehmen in der digitalen Transformation und begleiten sie professionell bei Change-Prozessen. Doch wie sieht es bei den Beratern selbst aus? Inwiefern hat die Digitalisierung das Consulting selbst erfasst? Überraschend gab in einem Interview Dirk Werth, Geschäftsführer des August-Wilhelm Scheer Instituts für digitale Produkte und Prozesse, zu, dass sich bis zur Corona-Pandemie um dieses Thema in der Beraterwelt wenig Gedanken gemacht wurde. Das große Argument damals sei gewesen, dass Consulting „people-driven“ sei, der Kunde also persönlich beraten werden möchte, so Werth gegenüber dem Medium Consultant Career Lounge. Eine Umfrage bei den Auftraggebern von Beratungsleistungen 2018 hatte ergeben, dass sich zwei Drittel der befragten Auftraggeber digitale Services vorstellen konnten, es jedoch kaum ein Angebot entsprechender Leistungen am Markt gab.

Erstaunlich? Nicht, wenn man die Arbeit in der Wirtschaftsprüfung kennt. „Generell gilt: Digitalisierung ist in jenen Unternehmen erfolgreich, in denen man es schafft, mit der Digitalisierung eine Skalierung zu erreichen“, so Werth. Skalierung heiße hier insbesondere, dass die Erträge schneller als die Aufwände wachsen. Mit reiner Remote-Arbeit beispielsweise könne man diese Skalierung noch nicht erreichen, weil man zwar durch die Einsparung von Reisezeiten einen Produktivitätsgewinn realisiert, man jedoch die Kernwertschöpfung nicht maßgeblich ausbauen könne.

Werth vergleicht die Wirtschaftsberatung mit personennahen Dienstleistungen, hier mit einem Frisör. Nicht das Haareschneiden werde digitalisiert, sondern stattdessen werde beispielsweise die Terminvereinbarung oder die computergestützte Wahl der Frisur digitalisiert. Das könne man auf das Consulting übertragen: „Was ist personengebundene Kerntätigkeit und was ist einfach zu digitalisierende Hüllentätigkeit?“ Ein weiterer Aspekt: das so genannte „Plattform-Consulting“: Hier skaliert man dadurch, dass man nicht mehr selbst die Ressource vorhält. Firmen wie Airbnb oder Uber skalieren dadurch, dass sie anstatt selbst über Wohnungen oder Fahrzeuge zu verfügen, diese von außen hinzuziehen, „digital orchestrieren“, dem Kunden die Leistung liefern und am Ende die Qualität der Dienstleistung gewährleisten.

Zuletzt könne man sich nach dem IKEA-Prinzip überlegen, Teile der Aufgabe nicht mehr mit den eigenen Beratern durchführen zu lassen, sondern durch den Kunden selbst. Dieses „Self-service-Consulting“ klappt natürlich nur, wenn es digital unterstützt werde und den Kunden dazu befähige, die Aufgabe selbst zu lösen. Wenn das Wissen in der Technologie des Beratungshauses liegt und die Execution auf Seiten des Kunden verbleibe, könne man so neue Formen von Beratungsleistungen schaffen. 

 

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