Mehr Kommunikation und Teamwork

Dezember 2020 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Mehr Kommunikation und Teamwork

Weiterbildung ist das A und O in Zeiten der Digitalisierung. Dabei werden Soft Skills oft stiefmütterlich behandelt.

Illustrationen: Jasmin Mietaschk
J.W. Heidtmann / Redaktion

Neue Geschäftsmodelle, neue Technologien, neue Formen der Zusammenarbeit im Team und völlig neue Berufsgruppen entstehen. „Der digitale Wandel ist kein laues Lüftchen, sondern ein kraftvoller Orkan”, mit diesem plakativen Bild wirbt die Lernplattform „Karriere Tutor” für Online-Weiterbildungen. In der Tat geht unter vielen Beschäftigten die Sorge um, vom Orkan der Digitalisierung weggeweht zu werden.

 

In den Medien kursieren immer mal wieder Schreckenszenarien,, in denen Arbeitsplätze ganzer Regionen durch Automatisierung in Zukunft „wegrationalisiert” werden. Ebenso gibt es aber gegenteilige Prognosen: Nicht weniger, sondern mehr und dabei hochwertige Arbeit werde durch die Digitalisierung der Wirtschaft entstehen. Selbst für den Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist die Digitalisierung kein Grund zur Panik. Zwar gebe es eine Reihe von Branchen und Betrieben, in denen es durch den Einsatz neuer Technologien einen Beschäftigungsabbau gebe, räumte Frank Werneke in der sozialdemokratischen Zeitung „Vorwärts” ein. Gleichzeitig aber gebe es einen Aufbau von Beschäftigten im IT-Bereich. „Unser Anspruch ist: Der Einsatz neuer Technologien darf nicht zu Kündigungen führen. Stattdessen brauchen wir eine starke Initiative zur beruflichen Weiterbildung.”

 

Das ist der springende Punkt. In Zeiten, in denen Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte Fachkräfte zu finden und zu binden, ist digitale Expertise für Arbeitnehmer die entscheidende Ressource. Die neue Arbeitswelt wird vor allem durch innovative Technologien und demografische Veränderungen geprägt. Ständige Fortschritte beispielsweise in den Bereichen Künstliche Intelligenz und bei den neuen Kommunikationstechnologien erfordern flexible Strukturen und verringern die Halbwertszeit von Wissen und benötigten Fähigkeiten.

 

Bei den meisten Beschäftigten ist diese Erkenntnis angekommen, jedenfalls besagt das die aktuelle Deloitte-Studie „Voice of the Workforce in Europe Survey”, in der 15.000 Arbeitskräfte in zehn europäischen Ländern befragt wurden. Danach sagen 43 Prozent der deutschen Befragten, sie müssten ihre Fähigkeit zum Lernen verbessern. Zu den Lernfähigkeiten zählen etwa das Anwenden innovativer Methoden im Job, der Umgang mit neuen Technologien sowie die Fähigkeit, sich selbst Neues beizubringen. Unternehmen müssen reagieren und kontinuierliche Lernprozesse im Alltag verankern, zum Beispiel durch „Training on the Job“ und das Erarbeiten neuer Fragestellungen in Kleingruppen.

 

Interessant ist, dass viele Befragte den Soft Skills dabei eine weniger wichtige Rolle einräumen als fachlichen Kenntnissen. Dabei rückten gerade in der Digitalisierung menschliche Kompetenzen wie Problemlösefähigkeit, Kommunikation und Teamwork in den Fokus, um die Chancen moderner Technologien zu maximieren, so Deloitte. Doch nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten in Deutschland sehen Veränderungsbedarf bei ihren Soft Skills, während mehr als die Hälfte ihre fachlichen und technischen Fähigkeiten weiterentwickeln wollen.