Gute Luft, gut fürs Klima

Dezember 2021 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Gute Luft, gut fürs Klima

Für das erste klimaneutrale Stadtquartier Europas liefert ebm-papst ein einzigartiges Lüftungskonzept. Thomas Sauer, Geschäftsführer von ebm-papst neo, über das innovative Projekt.

Thomas Sauer Geschäftsführer, ebm-papst neo GmbH & Co. KG
ebm-papst neo GmbH & Co. KG / Beitrag

Herr Sauer, mit dem Think Tank ebm-papst neo bieten Sie „Frische Luft as a Servcie“ an. Was dürfen wir darunter verstehen?
Wir bieten unseren Kunden intelligente und energieeffiziente Gebäude-Management-Lösungen. Die greifen auf technischer Seite auf zwei Bausteine zurück: die Ventilatoren unseres Mutterunternehmens ebm-papst und die Möglichkeiten der ebm-papst neo. Angetrieben werden wir dabei aber auch vom Selbstverständnis, ständig effizientere Lösungen hervorzubringen, um damit nachhaltig zu handeln.

 

Klingt nach einem „Perfect Match“ für das Projekt, an dem Sie gerade beteiligt waren. Stellen Sie uns das doch bitte kurz vor.
In Ludwigsburg entsteht das klimaneutrale Stadtquartier urbanharbor. Das transformierte Produktionsgelände verbindet auf 200.000 Quadratmetern Leben und Arbeiten mit einem ganzheitlich nachhaltigen Ansatz. Wir haben dort ein bisher in Europa einzigartiges Luftkonzept umgesetzt: Eine bedarfsgerechte Lüftungsanlage mit intelligenten Ventilatoren und einer cloudbasierten Steuerung für eine 10.000 Quadratmeter große Bürofläche.

 

Was ist daran so neu und nachhaltig?
Wir bringen hochqualitative Luft genau dorthin, wo die Menschen sind und verbrauchen so auch weniger Energie. In Zahlen gefasst sparen wir mit diesem Konzept etwa 50 Prozent der aufzubereitenden Luft und dadurch 30 Prozent der elektrischen Energie, die zur Förderung der Luft notwendig ist

 

Wozu bedarf es bei einem so nachhaltigen Konzept überhaupt einer Lüftungsanlage?
Das Gebäude ist ein Haus-im-Haus-Konzept. Frischluft bekommen die Mitarbeitenden im Bürogebäude daher nur durch die Anlage. Im Winter wird die Luft beheizt und befeuchtet, im Sommer gekühlt und entfeuchtet. Filter sorgen für hohe Luftqualität. Wenn das nachhaltig umgesetzt werden soll, ist klar: Derart aufbereitete Luft verschwendet man nicht.

 

Wie haben Sie das technisch gelöst?
Die Luft transportieren höchst effiziente Ventilatoren, die ihre Luftleistung präzise messen und konstant halten – genau nach Bedarf in dem jeweiligen Raum. Rund 300 von unseren Radialventilatoren arbeiten dort nun  zuverlässig und leise in schallgedämpften Gehäusen.

 

Und woher wissen die Ventilatoren, wo genau sich Menschen aufhalten und wieviel Luftleistung benötigt wird?
Dafür setzen wir unsere cloudbasierte Building-Connect- Plattform ein. Sie erhält ihre Daten in Echtzeit von Sensoren im Bürogebäude, verarbeitet sie in der ebm-papst Cloud und steuert darauf basierend die Ventilatoren. Die Sensoren messen den CO2-Gehalt in der Luft. Der ist die Regelungsgrundlage der Lüftungsanlage. Denn ab 1.000 Parts per Million Kohlendioxid in der Raumluft nimmt die Konzentrationsfähigkeit deutlich ab. Ab 600ppm sendet die Steuerung deshalb ein Signal an die lokalen Ventilatoren, ihre Luftleistung entsprechend zu erhöhen, bis der Wert im Idealbereich liegt.

 

Das heißt, die Anlage berücksichtigt nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Luft?
Ja, neben dem CO2-Gehalt fließen auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit, flüchtige organische Verbindungen und Feinstaub in die Betrachtung mit ein. Denn Luftqualität ist keine Gefühlssache, sondern mess- und definierbar. Wir arbeiten dazu mit RESET zusammen. Das ist der einzige echtzeitbasierte, international anerkannte Luftreinhaltestandard für Innenräume. Insofern ist das Projekt ein herausragendes Beispiel dafür, wie digitale Lösungen einen echten Mehrwert leisten können – sie lösen Probleme, die analoge Produkte allein nicht lösen können.

 

www.ebmpapst.com