»Neue E-Autohersteller stehen vor Herausforderungen«

Zahlreiche neue E-Marken drängen auf den Fahrzeugmarkt. Doch beim Thema After Sales hakt es – obwohl diese Prozesse für Flottenbetreiber essenziell sind.

Georg Thoma, Director Fleet und B2B Partnerships, ATU Flotten­lösungen
Georg Thoma, Director Fleet und B2B Partnerships, ATU Flotten­lösungen
ATU Flottenlösungen Beitrag

Herr Thoma, welche Dynamik prägt aktuell den Automobilmarkt in Deutschland?
Bisher haben etablierte Automarken mit langjähriger Branchenexpertise das Geschäft dominiert. Doch jüngste Bewegungen im Bereich Elektromobilität mischen die Märkte kräftig auf. Nicht nur Hersteller mit Wurzeln im Automobilsektor erweitern gerade rasant ihr Sortiment an E-Modellen. Inzwischen kommen auch neue Anbieter ohne direkte Kfz-Affinität auf den Markt, die sich auf Elektromobilität spezialisieren. Innovative Batteriespeicher-Technik als USP oder die zunehmende Digitalisierung erleichtern es ihnen, in die Branche einzusteigen. So fokussieren sich beispielsweise einige Elektronikmarken darauf, ihre Software in E-Autos zu implementieren. Klassische „Fahrzeug-Hardware“ wie Karosserie oder Verschleißteile spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Die Ansätze, mit denen Autos heute produziert werden, sind also komplett andere als früher.

Von der Herstellung zum Verkauf: Wie gehen die neuen E-Automarken vor, um hierzulande Fuß zu fassen?
Die Vertriebsmodelle haben sich ebenfalls gewandelt. Beim Verkaufsprozess kommt dem Kundenerlebnis mittlerweile eine erhebliche Bedeutung zu. Die Ansprache der Zielgruppe ist heute viel stärker innovationsgetrieben. So werden Fahrzeuge beispielsweise in wenigen imposanten Showrooms präsentiert und über Social Media beworben. Junge Fahrzeugproduzenten brauchen allerdings eine Zielgruppe mit Breitenwirkung, um in großem Stil im deutschen Markt Fuß zu fassen. Deshalb beginnt der Markteintritt meistens mit der Zusammenarbeit mit Leasingfirmen und Autovermietern, deren Fuhrparkvolumen teilweise im sechsstelligen Bereich liegen kann.

Wie beurteilen Sie diese Strategie aus Sicht der Fuhrparkbetreiber?
Meiner Meinung nach stehen die neuen internationalen E-Autohersteller hier vor großen Herausforderungen. Denn eine wichtige Frage für Fuhrparkbetreiber lautet: Wie lässt sich das Wartungs- und Instandhaltungsmanagement organisieren? Dies ist ein zentraler Aspekt, gerade wenn es um die Entscheidung für E-Modelle von Newcomern geht. Denn bei Anbietern, die zum jetzigen Zeitpunkt keine eigenen Werkstattstrukturen in Deutschland besitzen, mangelt es oft an Inspektionsplänen oder Ersatzteilen, um Services korrekt und effizient durchführen zu können. Hier müssen die Hersteller schnellstmöglich zuverlässige Lösungen liefern. Denn wenn sich die Standzeiten der Flottenfahrzeuge erhöhen, weil After-Sales-Prozesse nicht geregelt sind, werden Leasingfirmen, Autovermieter und auch andere Großkunden dies nicht lange tolerieren.

Wie hilft ATU Flottenlösungen neuen Anbietern bei der Markterschließung?
Einige neue Hersteller kommen bereits auf uns zu, um mit uns gemeinsam ein After-Sales-Management für ihre Modelle zu entwickeln. Als Multi-Marken-Werkstatt mit rund 560 Standorten in Deutschland und Österreich stellen wir dafür nicht nur ein flächendeckendes Filialnetz zur Verfügung. Wir unterstützen auch mit unserer über 20-jährigen Erfahrung im Flottengeschäft. Für den E-Autohersteller Aiways übernehmen wir seit Jahren sämtliche Wartungs- und Reparaturarbeiten an seinen Fahrzeugen. Wir haben dafür umfassende After-Sales-Prozesse aufgebaut und deutschlandweit eingeführt – mit dieser Partnerschaft beweisen wir, dass wir Großprojekte im Bereich Markterschließung meistern.

 www.atu-flottenloesungen.de
 

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