Kultureller Wandel lässt sich nicht digitalisieren

Juni 2021 | Die Zeit | Arbeitswelt der Zukunft

Kultureller Wandel lässt sich nicht digitalisieren

Dass die Arbeitswelt der Zukunft eine digitale sein würde, war klar. Eine bessere wird sie aber nur sein, wenn sie auch der „conditio humana“ entspricht. Lehren aus dem Lockdown.

Mit „Employer Horizons“ bietet Fink & Fuchs eine 360°-Sicht, die alle Äußerungsformen der Arbeitgeberkommunikation umfasst. Von Human Relations über Change bis Führung.
Fink & Fuchs / Beitrag

Ausgerechnet ein Virus hat den digitalen Wandel in Deutschland beschleunigt. Der pandemiebedingte Lockdown zwang Arbeitgeber quasi über Nacht, auf Home-office umzustellen. Seitdem beobachten wir im Zeitraffer, wie die Transformation der Arbeitswelt vonstatten geht – bislang jedoch meist unter eher technisch-organisatorischen Vorzeichen.

 

Tatsächlich machen Arbeitgeber jetzt die Erfahrung, dass vieles virtuell funktioniert, was früher persönliche Anwesenheit erforderte. Zunehmend mehr Beschäftigte erleben die schöne, neue, digitale Arbeitswelt in Form von Videokonferenzen, Collaboration-Plattformen oder KI-gestützten Assistenten. Womöglich treffen sie ihre digitalen Co-Worker in einer VR-Arbeitsumgebung. Zwar dürfte noch etwas Zeit ins Land gehen, bis dies allgemeiner Standard ist, doch schon heute zeichnet sich eine Paradoxie ab: Mit der Vielzahl virtueller Interaktionsmöglichkeiten nimmt das Gefühl der Einsamkeit und sozialen Distanz im Homeoffice zu.

 

Wenn sich ein Großteil der Geschäftstätigkeit dauerhaft auf die Wohnzimmer der Mitarbeiter verteilt, ist dies viel mehr als eine technisch-räumliche Frage. Es definiert die Spielregeln neu. Mitarbeiter, die gefühlt wie Selbständige aufgestellt sind, entfremden sich zunehmend vom Arbeitgeber. Somit hängt letztlich viel von der gemeinsamen „Beziehungsarbeit“ ab. Also: Human Relations oder „FOMO“ im Job?

 

Langzeit-Homeworker kennen das Gefühl, abgekoppelt zu sein. Fehlendes Feedback und Team-Erlebnis können die Motivation beeinträchtigen, sogar Sinnkrisen auslösen. Mit der Zeit nimmt das Gefühl der Verbundenheit ab. Und wenn es allen so geht, bröckelt der soziale Kitt, der die Organisation zusammenhält. Unternehmen sind eben viel mehr als die Summe aller angeschlossenen Homeoffices.

 

Zusehends rückt ins Blickfeld, dass digitaler Wandel immer auch kultureller Wandel ist. Je dezentraler und virtueller wir arbeiten, desto wichtiger wird das kulturelle und kommunikative Band. Mehr als je zuvor braucht es Orientierung, Sinnstiftung, Dialog und die Moderation von Veränderungsprozessen. Dass persönliche Begegnungen durch Homeoffice weitgehend entfallen, macht die Sache freilich nicht einfacher.

 

Umso wichtiger ist es, alle Dimensionen und Wechselwirkungen der internen und externen Arbeitgeberkommunikation zu erfassen und im Blick zu behalten. Idealerweise in einem 360°-Grad-Ansatz, der komplexe Zusammenhänge methodisch verständlich macht, Digital und Human Relations zusammenführt und neue Verständnishorizonte öffnet: „Employer Horizons“. Wenn sich rundherum alles ändert, müssen wir auch Kommunikation weiterdenken.

 

von MICHAEL GRUPE & JOCHEN PETT,
Fink & Fuchs AG

 

www.finkfuchs.de