KI – heute Chancen für den Stahl von morgen nutzen

Maschinelles Lernen nimmt immer mehr Einfluss auf die Stahlherstellung. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) senkt Kosten und CO2-Emissionen, steigert Effizienz und Qualität.

Andreas Dalchowm Vorstand Technik-Finishing, ArcelorMittal Bremen
Andreas Dalchowm Vorstand Technik-Finishing, ArcelorMittal Bremen
Arcelormittal Bremen Beitrag

In der Stahlindustrie des 21. Jahrhunderts spielt neben der Transformation in ein Produktionszeitalter ohne Kohlenstoffemissionen eine sinnvolle Datenverarbeitung eine bedeutende Rolle. KI-Projekte existieren bei ArcelorMittal in allen Produktionswerken in Deutschland. Sie steigern Effizienz, senken Kosten, erhöhen die Qualität und reduzieren Emissionen. Ein großes Anwendungsfeld ist im Produktionsprozess: Wie werden Ressourcen optimal genutzt? Welcher Bedarf an Rohstoffen und Energie ist nötig, um das optimale Ergebnis zu erzielen? 

Ein großes Einsatzgebiet ist die Anlagenzuverlässigkeit. KI-Systeme überwachen nicht nur, sondern identifizieren mögliche Defekte mit hoher Genauigkeit, sie erkennen potenzielle Fehlerquellen, greifen rechtzeitig ein und alarmieren vor drohenden Ausfällen. Ungeplante Stillstände können minimiert und die Lebensdauer der Anlagen verlängert werden. Auch im Bereich der Nachhaltigkeit wirkt KI. Eine verbesserte Prozesssteuerung und -optimierung sorgt nicht selten für Einsparung von CO2, sondern auch für einen verminderten Energieverbrauch. 
 

Beispiele für KI-Projekte bei ArcelorMittal Bremen

Bei einem Projekt in Bremen wird mit Hilfe einer KI und der Anomaliedetektion der Stromdaten eine Vielzahl an Motoren am Standort überwacht. Die Zustandsentwicklung der Motoren wird in einem Dashboard angezeigt, Warnungen und Alarme verschickt, bzw. an das Instandhaltungstool im SAP-System versendet. So werden die Ergebnisse der KI mit anderen Ergebnissen verknüpft. Wartungspläne können ausgelöst und sogar Bestellungen ausgeführt werden. 

Auch bei der Qualitätskontrolle unterstützt KI, zum Beispiel die Visualisierung eines Materialstücks. Die Entscheidungen basieren dann auf Bildern, die so hinterlegt sind, dass positive und negative Merkmale definiert wurden. Die KI bewertet das vorliegende Material und kann autonom eine Entscheidung treffen bzw. eine Empfehlung geben, ob die Voraussetzungen für den nächsten Produktionsschritt erfüllt sind. 

Bei der Implementierung von KI lautet eine der wichtigsten Fragen, wie komplexe Informationen für die Mitarbeitenden vereinfacht aufbereitet werden können. So werden nur noch die relevanten Daten in Echtzeit auf weniger Bildschirmen digital angezeigt und so gut aufbereitet, dass der Mitarbeitende eine sofortige Entscheidung treffen kann. Ein nächster Schritt wäre, dass die Automatisierung autonom Entscheidungen treffen kann. Noch ist man davon ein Stück entfernt, aber erste Vorbereitungen laufen. Zudem wird man in Zukunft gut ausgebildete Mitarbeitende benötigen. Es wird neue Jobprofile geben, wie Datenanalysten oder Datenarchitekten. 

Darauf bereiten wir uns vor. Wichtig zu betonen ist aber auch: KI ist kein Allheilmittel. Digitale Lösungen oder maschinelles Lernen müssen entsprechend der individuellen Gegebenheiten und Möglichkeiten vor Ort angepasst werden. Dabei gilt es, zu entscheiden, wie KI tatsächlich einen Mehrwert bringen kann. Dann ist sie eine große Chance für die Stahlherstellung.

bremen.arcelormittal.com

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