Reallabor für Mobilität für künstliche Intelligenz

Oktober 2021 | Capital | Mobilität der Zukunft

Reallabor für Mobilität für künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird immer wichtiger für die Mobilität von morgen. Am KI-Mobilitätsknoten Ingolstadt wird daran bereits heute gearbeitet.

Prof. Dr. Walter Schober, Präsident, Technische Hochschule Ingolstadt (links) und Prof. Georg Rosenfeld, Vorstand für Wirtschaftsförderung und Digitalisierung, Ingolstädter Wirtschaftsförderungsgesellschaft IFG (rechts)
Ingolstädter Wirtschaftsförderungsgesellschaft IFG / Beitrag

Die Zukunft der Mobilität – in Ingolstadt findet sie schon statt. Die Hochschulstadt ist seit 2019 Teil des Forschungsnetzwerks zur Künstlichen Intelligenz (KI) im Rahmen der „High Tech Agenda“ Bayerns. Hierzu wurden vier KI-Forschungsschwerpunkte, sogenannte KI-Knoten, an verschiedenen Hochschulen und Universitäten im Freistaat verankert. Der KI-Knoten für Mobilität ist in Ingolstadt angesiedelt. Unter Federführung der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) wird in den Bereichen autonomes Fahren, unbemanntes Fliegen und der digitalen Produktion geforscht. Dass die Wahl auf Ingolstadt fiel, hat mit seiner langen Tradition als Mobilitätsstandort zu tun, erklärt Prof. Walter Schober, Präsident der THI: „Wir haben im Verhältnis zur Einwohnerzahl eine sehr hohe Dichte an Unternehmen, die sich mit der Mobilität beschäftigen. Und die THI hat einen ausgewiesenen Schwerpunkt in der Mobilität, etwa ein Drittel unserer 6000 Studierenden belegen Fächer in diesem Bereich.“

 

Am neu gegründeten THI-Institut AImotion Bavaria beschäftigen sich 20 neue Professuren mit Künstlicher Intelligenz. Was das bedeutet, ordnet Prof. Georg Rosenfeld ein, Vorstand für Wirtschaftsförderung und Digitalisierung bei der Ingolstädter Wirtschaftsförderungsgesellschaft IFG: „An der THI studieren rund vier Prozent aller Studierenden in Bayern. Aber von den 100 für die High Tech Agenda ausgelobten KI-Professuren wurden 12 in Ingolstadt angesiedelt, acht weitere kamen durch Eigeninitiative der THI und externe Stifter dazu – eine massive Schärfung unseres Profils als Mobilitäts- und KI-Standort.“ Zu diesem Profil trägt bereits seit 2016 das Forschungszentrum CARISSMA der THI bei. Als wissenschaftliches Leitzentrum für Fahrzeugsicherheit in Deutschland beherbergt es unter anderem eine Indoor-Versuchsanlage für Crashtests und Fahrversuche, eine Outdoor-Versuchsfläche und Labore wie solche für Car2X-Kommunikation.

 

Für die Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wurde die „Artificial Intelligence Network Ingolstadt gGmbH“ (AININ) gegründet, ein Zusammenschluss von Akteuren aus der Forschung, der Wirtschaft und kommunalen Trägern. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit ist ANTON. Mit dem umgerüsteten Renault Twizy testen die THI und das Fraunhofer Anwendungszentrum „Vernetzte Mobilität und Infrastruktur“ zum Beispiel, wie autonomes Fahren sicher wird. Auf der diesjährigen IAA in München demonstrierten die Forscher, wie das Fahrzeug mit an Ampeln angebrachten Sensoren kommuniziert und Fußgänger erkennt. Dabei kann in Zukunft die ganze Stadt als „Reallabor“ dienen – etwa durch die Nutzung von Sensoren entlang von Straßen oder an „smarten“ Fußgängerampeln. Und mit dem Projekt „SAVeNoW“ entsteht seit Anfang des Jahres ein digitaler Zwilling der Stadt als virtuelles Untersuchungsfeld für Mobilität. Mit der Simulation werden automatisierte und vernetzte Fahrfunktionen getestet und auch die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen der Mobilität von morgen untersucht.

 

Und das nicht nur als wissenschaftliche Übung. „Als technische Hochschule sind wir anwendungsorientiert“, sagt Prof. Walter Schober. „Aktuell arbeiten wir zum Beispiel daran, Airbags so zu verbessern, dass sie schon vor einem Aufprall ausgelöst werden – indem die Fahrzeugintelligenz erkennt, wann ein Unfall unmittelbar bevorsteht.“ Großen Vorschub für den Mobilitätsstandort Ingolstadt wird nicht zuletzt auch der IN-Campus leisten. Auf diesem offenen Innovationscampus, der als Joint Venture von AUDI und der städtischen IFG auf einem ehemaligen Raffinerie-Gelände entwickelt wird, werden zukünftig Unternehmen, Start-ups und Hochschulen an der Zukunft der Mobilität arbeiten.   

 

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