»Eine zu späte Reaktion kostet im schlimmsten Fall die Existenz«

April 2020 | stern | Mobilität der Zukunft

»Eine zu späte Reaktion kostet im schlimmsten Fall die Existenz«

Der Automobilindustrie stehen aufregende Zeiten bevor, sagt Jean-Philippe Imparato, auf die sich der erfahrene Automobilmanager freut. Er weiß aber auch: Man muss am Puls der Zeit bleiben.

Jean-Philippe Imparato, Executive Vice President, Peugeot bei der Groupe PSA
Peugeot Deutschland / Unternehmensbeitrag

Herr Imparato, Sie sind seit 1989 bei der Groupe PSA. Mit Ihren über 30 Jahren Erfahrung in der Automobilindustrie: Stehen wir aktuell wirklich vor dem ganz großen Umbruch?
Das kann man definitiv so sagen. Vor allem in den nächsten fünf Jahren werden fünf einschneidende Entwicklungen – drei auf Produktseite, zwei im gesamten Ökosystem – die Automobilbranche, wie wir sie heute kennen, grundlegend in Frage stellen.

 

Welche Entwicklungen sind das, die in einer ohnehin disruptiven Welt dermaßen herausstechen?
Auf Produktseite ist es zunächst einmal der Wandel hin zur Elektromobilität. Wobei wir hier bereits sehr weit sind und es nicht mehr um eine technische Lernkurve, sondern um das effiziente Management dieses Wandels geht. Die nächste „Revolution“ wird die Konnektivität der Fahrzeuge sein – vor allem mit den neuen 5G-Netzen. Und dann ist da natürlich das wichtige Thema autonomes Fahren, das mit jedem Fortschritt die Branche verändern wird.

 

Und diese Entwicklungen auf Produktseite lösen wiederum Revolutionen im gesamten Ökosystem aus?
Davon bin ich überzeugt. Denn mit den rasanten Entwicklungen bei den Fahrzeugen muss sich auch das Netzwerk weiterentwickeln. Wir sind heute schon mehr oder weniger ein Softwareunternehmen. Die wenigsten wissen, dass in unseren Fahrzeugen bereits heute bis zu 77 Millionen programmierte Codes stecken (3008 Hybrid4) – etwa doppelt so viele wie in einer Boeing 737. Entsprechend müssen sich die Fähigkeiten unserer Partner, des Netzwerks und der Mitarbeiter in den kommenden Jahren drastisch wandeln. Und zu guter Letzt wird sich auch die Art und Weise, wie wir Fahrzeuge verkaufen grundlegend ändern. Auch hier wird sich wesentlich mehr online abspielen.

 

Machen solche massiven Umwälzungen nicht auch Angst?
Stehen wir vor Herausforderungen? Definitiv. Aber Angst macht uns das nicht. Im Gegenteil: Wir glauben, dass die kommenden Jahre sehr aufregend werden – im positiven Sinne. Allerdings kommen dem Management und der Unternehmensstrategie in Zukunft eine deutlich größere Bedeutung zu. Denn in einer sich immer schneller drehenden Welt gilt es mehr denn je, künftige Trends und Entwicklungen zu antizipieren. Reagiert man zu spät, ist einem der Wettbewerb schon ein, zwei Jahre voraus. Und im schlimmsten Fall kostet das sogar die Existenz.

 

Mit welchen strategischen Antworten begegnen Sie den neuen Herausforderungen?
Unsere wohl wichtigste strategische Antwort ist die „Power of Choice“. Mit unserer modularen Multi-Energy-Plattform sollen sich Kunden in erster Linie für ihr bevorzugtes Peugeot-Modell entscheiden können und nicht nur eine begrenzte Auswahl haben, weil es eben ein Elektromotor sein soll. Außerdem ist uns sehr wichtig, dass bei all der Diskussion um umweltfreundliche Mobilität der Fahrspaß nicht zu kurz kommt. Dafür werden wir noch in diesem Jahr den Peugeot 508 mit einem Sportmotor vorstellen. Der macht mit Blick auf die Performance keine Abstriche, stößt gleichzeitig aber auch weniger als 50 Gramm CO² pro Kilometer aus.

 

Umweltfreundlich ist ein gutes Stichwort: Haben Sie auch auf Konzernebene den CO²-Ausstoß im Blick?
Mehr als das. Die EU hat im Oktober 2018 verbindliche Ziele für den CO²-Ausstoß bis 2030 verabschiedet. Diese haben wir innerhalb der Groupe PSA sehr ernst genommen und die notwendigen Vorbereitungen getroffen, sodass wir sie seit dem ersten Tag des Jahres 2020 erfüllen. Wir bleiben mit unserem CO²-Ausstoß unter 93 Gramm. Auch das gehört zu unserer Zukunftsstrategie, durch die wir künftigen Herausforderungen mit einer gewissen Gelassenheit begegnen können.

 

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