Umrüsten lohnt sich

E-Mobilität und Fuhrpark – dieses Paar findet sich bislang noch selten. Dabei stellt sich bei näherem Hinsehen heraus: Elektroautos senken die Betriebskosten.

Illustration: Cristina Franco
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Andrea Hessler Redaktion

Deutschland – Autoland. Der Pkw ist immer noch das wichtigste Verkehrsmittel. Fast 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung nutzen den Pkw täglich, über 70 Prozent bezeichnen das Auto unverzichtbar. So weit der Mobilitätsmonitor des Instituts für Demoskopie Allensbach. Und Auto bedeutet auch heute noch Verbrenner oder Diesel. Nur für 23 Prozent der Pkw-Nutzer ist ein Elektroauto eine ernsthafte Alternative. Die häufigsten Bedenken sind: ein vergleichsweise hoher Anschaffungspreis, zu wenige Ladestationen, ein zu hoher Strompreis und Zweifel an der postulierten positiven Umweltbilanz.

Bei den Pkw, die von Betrieben angemeldet werden, sieht es ähnlich aus. Mehr als fünf Millionen Pkw auf deutschen Straßen haben einen gewerblichen Halter, über die Hälfte der Neuzulassungen sind Firmenwagen. Die Unternehmen setzen dabei überwiegend auf deutsches Fahrzeug-Know-how – die beliebtesten Marken sind VW, Mercedes, BMW und Audi. Und wie private Halter setzen sie mehrheitlich auf Verbrenner- und Dieselmotoren.

Fuhrparkmanager sehen Vorteile der Elektrifizierung

Doch allmählich findet auch bei Unternehmen und ihren Fuhrparkmanagern ein Bewusstseinswandel statt. Das legt zumindest eine Studie nahe, die das Handelsblatt Research Institute im Auftrag von Ford Pro Deutschland durchgeführt hat. In den befragten 250 Unternehmen mit eigenem Fuhrpark hatten weniger als 20 Prozent der Firmenwagen einen alternativen Antrieb, doch gleichzeitig betonen viele Fuhrparkmanager, sie wollten ihren Fuhrpark elektrifizieren – und zwar sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen Gründen. Sie sehen Vorteile wie geringere Betriebs- und Unterhaltskosten sowie Steuererleichterungen und staatliche Förderungen.

Es gibt allerdings Hindernisse bei der Umsetzung. Fuhrparkmanager bemängeln, ähnlich wie private Fahrzeughalter, die zu geringen Reichweiten der Elektrofahrzeuge und eine lückenhafte Ladeinfrastruktur. Zudem bekommen sie, so einige Aussagen, die Elektrifizierungspläne von der Firmenleitung ohne klare Strategie übergestülpt. Dies ist die Chance für spezialisierte Berater und Fullservice-Anbieter, die Unternehmen bei der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks unterstützen. Sie helfen, bestehende Bedenken und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, ebenso wie in der praktischen Umsetzung.

Die Zahl der Firmenwagen steigt immer noch

Illustration: Cristina Franco
Illustration: Cristina Franco
Illustration: Cristina Franco
Illustration: Cristina Franco

Für Elektromobilitäts-Spezialisten wie e-mobilio führt an der Flottenelektrifizierung kein Weg vorbei. Wegfallende Förderungen, etwa für Hybridfahrzeuge, sind laut Ralph Missy, Geschäftsführer von e-mobilio, kein ernstes Hindernis. Er ist überzeugt: „Wenn teilelektrische Plug-in-Hybride nicht mehr von finanziellen Anreizen profitieren, werden mehr Kundinnen und Kunden auf rein elektrische Modelle setzen.“ Langfristige Kaufentscheidungen würden Kunden nicht vom Strompreis abhängig machen. Das sei eine große Chance, um noch gezielter CO2-Emissionen im Verkehr zu reduzieren und Mobilität klimafreundlicher zu gestalten.

Dies gilt auch für betrieblich genutzte Fahrzeuge. Trotz aller Kritik am Autoverkehr steigt ihre Zahl, wiederkehrende Streiks im öffentlichen Nahverkehr und auf Flughäfen sowie die Unpünktlichkeit des Bahnverkehrs lassen Pkw immer noch als das zuverlässigste Transportmittel erscheinen. Zudem ist für viele Beschäftigte der Firmenwagen nach wie vor ein Statussymbol und ein beliebtes Add-on zum Gehalt. Immerhin ein Drittel aller Beschäftigten in Deutschland kann einen Firmenwagen nutzen. Doch gleichzeitig werden laut des Carsharing-Anbieters Free Now Angebote mit einem Mobilitätsbudget immer beliebter. Mit diesem kann je nach Bedarf und Gelegenheit flexibel zwischen verschiedenen Verkehrsangeboten hin und her gewechselt werden.

Sind Firmenwagen Bestandteil des Mobilitätsbudgets, so sollten sie nach Ansicht vieler Mitarbeiter zumindest einen umweltfreundlichen Antrieb haben. So kommt der Mobility Monitor 2022, den der Ladepunkte-Spezialist EV-Box herausgibt, unter anderem zu folgenden Ergebnissen: Die Mehrheit der Befragten würde gerne ein elektrisches Geschäftsfahrzeug haben und ist der Meinung, dass Arbeitgeber Ladestationen am Arbeitsplatz bereitstellen sollten. Insbesondere glauben die meisten aktuellen und potenziellen E-Fahrer, dass dies einen zukünftigen Arbeitgeber attraktiv machen würde.

Stärkere Anreize für E-Firmenwagen erforderlich
 
Doch gerade im Bereich Geschäftswagen und gewerblicher Verkehr hakt noch das Umswitchen auf Elektromobilität. Das bemerken auch Dienstleister wie LeasePlan, einer der führenden Anbieter von Car-as-a-Service, Leasing und Fuhrparkmanagement. Christopher Schmidt, Commercial Director bei LeasePlan Deutschland, sagt: „In Zukunft müssen stärkere Anreize für Elektroautos geschaffen werden, damit mehr und mehr Fahrer in Unternehmen auf Elektroantrieb umsteigen.“

Allerdings lagen auch im Jahr 2022 bei LeasePlan die Verbrenner-Modelle VW Passat Variant und Ford Focus Turnier an erster und zweiter Stelle der Nachfrage, gefolgt vom Plug-in-Hybrid Ford Kuga Curatec. Erst an zehnter Stelle im LeasePlan-Ranking kommt ein reines Elektroauto zum Zug: der Long Range Dual Motor, ein Modell von Polestar, einem Joint Venture von Volvo und dem chinesischen Autohersteller Geely. Offensichtlich müssen Berater und Umrüstungsspezialisten noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Dabei liegen die wesentlichen Vorteile einer Elektro-Firmenwagenflotte auf der Hand: Um die Hälfte geringere Betriebs- und Fahrtkosten, höhere Umweltfreundlichkeit, besseres Image im Geschäftsverkehr und bei der Suche nach Mitarbeitern sowie die Möglichkeit, mehr Daten für die betriebswirtschaftliche Kalkulation zu erheben.

Zusätzliche Services machen Elektroautos attraktiver

Doch es fehlt nicht nur an strategischer Vorbereitung, sondern auch an Know-how bei Einrichtung und Betrieb der erforderlichen Infrastruktur für den Elektro-Fuhrpark. Unterstützung bieten Solarservice-Anbieter, die alleine oder zusammen mit diversen Kooperationspartnern Komplettlösungen für Planung, Aufbau und Betrieb der Solar-Infrastruktur für den Fuhrpark anbieten. Basis hierfür ist das Sammeln realer Fuhrparkdaten. Sie dienen für die Analyse, welche Fahrzeuge sich für den Umstieg auf die E-Mobilität eignen,

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