Grüne Pfade für die Häfen

Immer mehr Häfen wollen emissionsfrei werden. Das bringt Vorteile im globalen Wettbewerb.

Illustration: Cristina Franco
Axel Novak Redaktion

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Und wenn im Hamburger Hafen im übertragenen Sinne gehobelt wird, dann wird viel CO2 in die Luft gepustet: 170.000 Tonnen waren es 2018. „Jeden Tag sind dort 15.000 Lkw unterwegs, 200 Eisenbahnen. Und die Frage ist, wie wir diese Bereiche klimaneutral organisieren können“, so Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann im Deutschlandfunk. Der Hafenbetreiber HHLA hat sich vorgenommen, diese CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 50 Prozent zu senken. Bis 2040 möchte die HHLA klimaneutral wirtschaften.

Eine Möglichkeit ist die Elektrifizierung. Die Hansestadt Hamburg und das umliegende Schleswig-Holstein arbeiten mittlerweile eng zusammen, um mit Strom aus dem Umland und von der Küste den Hafen klimafreundlich zu gestalten. Wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, dann wird auch der Hafenbetrieb bis hin zur Kaffeemaschine des Hafenkapitäns emissionsfrei.

Gerade erst ist Hamburgs Container Terminal Altenwerder als „Klimaneutrales Unternehmen” zertifiziert worden. Erreicht wurde das Ziel, indem knapp 90 Prozent der am Terminal eingesetzten automatisierten Containertransporter von Diesel auf Ökostrom umgestellt wurden. Auch die 14 Containerbrücken für den wasserseitigen Umschlag, die 52 vollelektrifizierten Portalkräne im Containerblocklager sowie die vier Bahn-Portalkräne werden mit Ökostrom betrieben. Prozesse, die heute noch CO2-Emissionen verursachen, werden über Kompensationszertifikate ausgeglichen.

Wo nicht elektrifiziert werden kann, suchen die Hafenbetreiber nach anderen Wegen, Emissionen zu senken: Die bremischen Häfen lassen ihre Rangierloks mit hydrierten Pflanzenölen fahren –  der Kraftstoff aus biologischen Rest- und Abfallstoffen verringert Treibhausgasemissionen um rund 90 Prozent. Das zahlt sich in Bremerhaven aus, weil sehr viele Güter mit der Bahn transportiert werden. Werden gleichzeitig die Waggons mit modernen Bremsen ausgerüstet, dann sinkt auch der Lärm - gut für die Arbeiter und Anwohner.

Auch der Antrieb der Schiffe im Hafen zählt: Schlepper und Fähren werden auf elektrische Antriebe umgestellt. In den Niederlanden werden elektrische Containerschiffe entwickelt, im chinesischen Changzhou fährt ein E-Frachtschiff im Testbetrieb, in Norwegen bald sogar ein autonomes E-Containerzubringerschiff. Landstrom könnte außerdem helfen, mit erneuerbarer Energie die Emissionen fossiler Schiffe im Hafen zu reduzieren. Allerdings bieten heute nur wenige Häfen Landstrom an, zumal es für jeden Kapitän billiger ist, den Hilfsdiesel im Schiff anzuwerfen.

Als grüner Hoffnungsträger gilt Wasserstoff. Hamburg will im Hafen mit Deutschlands größtem Elektrolyseur grünen Wasserstoff erzeugen. Ab 2025 soll der Stoff helfen, dass Hamburg zum Wasserstoff-Hub der Zukunft wird: ein Umschlagplatz für klimaneutrale Antriebe für Lkw, Schiff oder Flugzeug. Die grüne Zukunft hat in den Häfen begonnen.

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