Energiewende im Kopf

Dezember 2015 | Handelsblatt | Energien der Zukunft

Energiewende im Kopf

Umdenken ist gar nicht schwer, sondern schlau, findet unsere Kolumnistin Marie Fink.

Marie Fink / Redaktion

Erst vor wenigen Wochen wurden im Bundeskabinett weitreichende energiepolitische Beschlüsse gefasst. Dazu gehört auch die große Reform des Strommarktes. Das Beste daran: Es wurde großzügig über den nationalen Tellerrand geschaut. Ein Gesetz bettet nun den zukünftigen Strommarkt stärker in den europäischen Markt ein und sorgt damit für Kosteneffizienz. Irgendwie leuchtet es aber auch ein, dass die Nutzung grenzüberschreitender Kapazitäten viel kostengünstiger sein muss, als alle Kräfte nur in Deutschland bereitzuhalten.

 

Was nun nach draußen hoffentlich gut klappen soll, sollte aber auch nach innen, bis in die kleinste Wohneinheit, bedacht werden. Für den Strom-Jahresetat eines Zweipersonenhaushaltes muss immerhin eine halbe Tonne Steinkohle verbrannt werden. Jeder kann dazu beitragen, Energie zu sparen. „Mensch Kinder, macht das Licht aus“, sagte schon mein Opa und leistete damit seit jeher seinen Beitrag zum Wohle der Menschheit. 

 

Stromsparen war lange Zeit nicht drin. Dabei ist Umdenken gar nicht schwer, sondern schlau. Jetzt geht es zum Beispiel dem schlimmsten Stromfresser, dem Wäschetrockner, endlich an den Kragen. „Auf die Leine an die Luft“ war in Kalifornien jahrzehntelang verboten. Der Gouverneur Jerry Brown kippte jüngst das unsinnige Gesetz, das die bunte Wäscheleine draußen verboten hatte. Eine wunderbare Erfahrung: Die Schonung der Umwelt schont gleichzeitig die eigene Geldbörse. 

 

So verhält es sich auch bei der guten alten Glühbirne. Viele trauern ihr noch immer nach, „die macht doch so ein schönes Licht“! Doch sie wird aus gutem Grund nicht mehr verkauft: Der Wirkungsgrad ist lächerlich gering, nur fünf Prozent der Energie wandeln sich tatsächlich in Licht um. Die neueste Gesamtökobilanz von LED-Lampen sieht – laut Stiftung Warentest – sehr viel besser aus. 

 

Wir im Zweipersonenhaushalt machen gern mit: Wir schalten den Fernseher, den WLAN-Router und sogar das Notebook aus, wir gucken nicht mehr so oft in den Kühlschrank und öffnen Dosen wieder mit der Hand! Und was machen die Städte? Tiraden von elektrischen Weihnachtskerzengirlanden, die ganze Straßen bis Anfang März umranken, sollten womöglich überdacht werden. Denn helle ist das nicht.