Mehrlingsschwangerschaften: unterschätztes Risiko

März 2019 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Mehrlingsschwangerschaften: unterschätztes Risiko

Hohe Schwangerschafts- und niedrige Mehrlingsraten – mit dieser vorteilhaften Kombination punktet das Fertility Center Berlin.

Dr. med. Andreas Tandler-Schneider, Gesellschafter Fertility Center Berlin
FERTILITY CENTER BERLIN / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Tandler-Schneider, die Statistik zeigt, dass in Deutschland nach künstlicher Befruchtung immer noch relativ viele Mehrlinge geboren werden. Warum ist das ein Problem?
Die hohen Mehrlingsraten in Deutschland – insbesondere im Ver-gleich zu den Niederlanden oder Skandinavien – sind ein Problem, weil es sich dabei in der Regel um Risikoschwangerschaften handelt. Schon bei Zwillingen ist das Risiko einer Frühgeburt um ein Sechsfaches höher. Dieses Risiko wurde bisher unterschätzt. Wenn es nach einer Kinderwunschbehandlung zu Komplikationen kommt, dann in der Regel durch eine Mehrlingsschwangerschaft.

 

Wie hoch sind die Mehrlingsraten in Deutschland nach künstlicher Befruchtung?
Die Wahrscheinlichkeit, nach einer künstlichen Befruchtung mit Zwillingen schwanger zu werden, liegt bei 21 Prozent, mit Drillingen immerhin noch bei 0,5 Prozent. Man muss jedoch auch positiv hervorheben, dass die Schwangerschaftsraten bei der In-vitro-Fertilisation, kurz IVF, in Deutschland insgesamt hoch sind. Ziel muss daher sein, die Schwangerschaftsraten hierzulande auf dem hohen Niveau zu halten und gleichzeitig die Mehrlingsraten zu reduzieren.

 

Auf welche Methode setzen Sie in Berlin, um die mit Komplikationen verbundenen Mehrlingsschwangerschaften zu reduzieren?
Natürlich gilt es in erster Linie, das wichtige Embryonenschutzgesetz zu achten. Wir setzen daher auf einen deutschen Mittelweg. Im Schnitt erhält man aus drei befruchteten Eizellen einen Embryo. Bei einer Entnahme werden der Frau in der Regel zehn Eizellen entnommen, wovon im Schnitt sechs befruchtet werden können. Hier gibt es bereits die Möglichkeit, drei dieser befruchteten Eizellen einzufrieren. Die drei verbleibenden Eizellen dürfen sich zu einem Embryo weiterentwickeln. Erhält man auf diesem Weg zwei Embryonen, kann einer eingefroren werden, sodass letztendlich nur ein frischer Embryo transferiert wird.

 

Der Vorteil für die Paare ist dabei, dass mit nur einer Entnahme theoretisch mehrere Embryotransfers möglich sind?
Richtig. Mit unserer Kryokonservie-rung, wie das Einfrieren von befruchteten Eizellen im Vorkernstadium genannt wird, sind theoretisch pro Entnahme mehrere Transfers möglich. In Kombination mit unserem sehr guten Labor ist es uns so gelungen, die Mehrlingsrate von 21 Prozent auf 13 Prozent zu senken.

 

Mehrere Transfers mit nur einer Entnahme klingen auch aus Kostensicht interessant. Übernehmen die Krankenkassen die Kosten hierfür?
Die Krankenkassen übernehmen leider nur die Kosten für einen Frischtransfer, wenn die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre ist, und auch dies oft nur zur Hälfte. In den meisten Bundesländern müssen die Paare für eine Übernahme zudem verheiratet sein. Sie haben natürlich Recht, dass die Kryokonservierung auch unter dem Kostenaspekt Vorteile bringt. Daher wäre es aus unserer Sicht absolut wünschenswert, wenn die Kassen die Kosten für das Einfrieren übernehmen. Bisher müssen die Paare diese jedoch noch selber tragen. Die Kosten sind aber geringer als bei einem Frischzyklus.

 

www.fertilitycenterberlin.de