Klinische Herausforderungen verstehen und diagnostische Spitzenmedizin liefern

März 2019 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Klinische Herausforderungen verstehen und diagnostische Spitzenmedizin liefern

Als Gemeinschaftsprojekt zur Effizienzsteigerung gegründet, zählt Labor Berlin heute zu den innovativsten Mittelständlern der Republik.

PD DR. DR. ANDREAS WEIMANN, Medizinischer Leiter, Labor Berlin
LABOR BERLIN / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Weimann, als Labor Berlin 2011 von den beiden Gesellschaftern, der Charité und dem Klinikkonzern Vivantes, gegründet wurde, war die Skepsis zunächst groß.
Richtig, es war schließlich die erste Zusammenführung zweier Labore dieser Größe, womit eine Veränderung einherging, die erst einmal verunsicherte. Es gab tatsächlich an einigen Stellen größere Umstellungen im klinischen Tagesablauf. Auch der Markt hatte Vorbehalte. Man hat nicht damit gerechnet, dass ein Labor in öffentlicher Hand wirtschaftlich arbeiten kann. Wir haben aber genau das geschafft und fur Charité und Vivantes seit 2013 Einsparungen in Höhe von 24,4 Mio. Euro erzielt.


Haben Sie mittlerweile zeigen können, dass die anfänglichen Zweifel unbegründet waren?
Ich würde sogar sagen, mehr als das: Neben der Versorgung unserer Muttergesellschaften erbringen wir auch für andere Kliniken diagnostische Leistungen – und das mit großem Erfolg. Wir sind inzwischen bei über 20 Mio. Euro Jahresumsatz mit externen Einsendern angelangt. Das ist ein sehr gutes Ergebnis in einem gesättigten Markt.

 

Haben Sie als Tochtergesellschaft von Charité und Vivantes im Arbeitsalltag Vorteile gegenüber privaten Laboren?
Aus meiner Sicht profitieren vor allem unsere Kunden von der engen Verbindung mit Charité und Vivantes: Wir haben im Vergleich zu Laboren in privater Hand deutlich mehr Ärzte. Und viele unserer Ärzte sind nicht ausschließlich im Labor, sondern eben auch klinisch oder forschend tätig.


Welche konkreten Vorteile ergeben sich aus dieser engen Verbindung?
Das kann ich an einem persönlichen Beispiel verdeutlichen. Meine Frau ist Intensivmedizinerin und hat sich oft bei mir beschwert, dass die Daten, die sie aus dem Labor bekommt, nicht sofort Antworten auf die Fragen liefern, die sie regelmäßig auf der Intensivstation
hat. Statt also auf einen Blick sehen zu können, wie schwerwiegend eine Sepsis bei einem Patienten ist und ob die von ihr gewählte Therapie erfolgreich ist, musste sie sich mit den existierenden Entzündungsmarkern zufrieden geben, die ihr aber nicht
die Antworten lieferten, die sie benötigte. Gemeinsam haben wir dann einen Sepsis-Score entwickelt, der eben diese Problematik im Klinikalltag adressiert. So etwas gelingt aber natürlich nur, wenn das Labor die klinischen Herausforderungen versteht und man
miteinander kommuniziert.


Funktioniert der enge Austausch auch mit Ihren externen Kunden?
Auch das kann ich mit einem Beispiel untermauern: Bei einem unserer Netzwerkpartner stand ein Chirurg vor der schweren Entscheidung, einem dreijährigen Mädchen die Eierstöcke zu entfernen, weil dort eine große, mit Flüssigkeit gefüllte Blase mit Verdacht
auf einen bösartigen Tumor entdeckt wurde. Die Hoffnung jedoch war, dass es sich lediglich um eine Ansammlung von hoch konzentrierten weiblichen Geschlechtshormonen handelte, eine operative Entfernung der Eierstöcke also unnötig wäre. Der Laborbefund
konnte dies zunächst nicht bestätigen.Unser Leiter des Fachbereichs Endokrinologie, ein erfahrener Pädiater, konnte schließlich Licht ins Dunkel bringen: Bei der Flüssigkeit handelte es sich um hochkonzentrierte Östrogene, was bei den Geräten zu einem Messfehler führte. Erst in einer Verdünnung von eins zu einer Million lieferte die Messung ein klares Ergebnis. Dank der entsprechenden klinischen Erfahrung im Labor konnte ein unnötiger und schwerwiegender Eingriff vermieden werden. Ohne den interdisziplinären Austausch zu diesem Fall hätte es aber genauso gut sein können, dass der Chirurg eine andere Entscheidung getroffen hätte.


Labor Berlin setzt stark auf Automatisierung, warum?
Seit Jahren gibt es einen Mangel an medizinisch-technischen Laborassistenten, kurz MTLA. Wir setzen verstärkt auf Automatisierung, damit sich unsere rund 600 Mitarbeiter gezielt um schwierige Fälle kümmern können, die ihre Fachkompetenz erfordern. Bei 14.000 Proben am Tag sind wir darauf angewiesen, dass z. B. das Öffnen von Proberöhrchen von Robotern übernommen wird.


Es verändern sich ebenfalls die Anforderungen an das Labor – Stichwort personalisierte Medizin. Wie gut sind Sie in der Humangenetik aufgestellt?
Ohne das sogenannte Next Generation Sequencing (NGS) wäre an eine personalisierte Medizin in der Onkologie nicht mehr zu denken.Die Nachfrage ist groß, weshalb die Humangenetik einen wichtigen Stellenwert für Labor Berlin hat. Es ist aber nicht nur die Onkologie, die die Nachfrage treibt. Neue Erkenntnisse rund um unser Mikrobiom oder seinen‚ wilden Cross-Talk‘ mit anderen Organen über Botenstoffe machen das NGS zu einem so wichtigen Instrument in der heutigen Laborlandschaft.

 


Sie haben bereits unterstrichen, dass Labor Berlin fortschrittlich und innovativ ist. Nun zählt das deutsche Mittelstands-Summit Sie auch offiziell zu den TOP 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand. Kann man Innovationen gezielt fördern?
Wir glauben, man kann und investieren daher jährlich einen erheblichen Anteil unseres Umsatzes, um vielversprechende Innovationsprojekte und Ideen unserer Mitarbeiter zu fördern. Ein Beispiel ist die Vielzahl an Untersuchungen, die wir aus Trockenblut durchfuhren können – auf qualitativ höchstem Niveau. Ein einfacher Pieks reicht aus und ersetzt die aufwendige und vor allem für die kleinen Patienten schwierige Blutabnahme. Es könnte ebenso die vielen hausärztlichen und internistischen Praxen entlasten, wenn etwa Diabetespatienten die regelmäßige Kontrolle mit nur einem Blutstropfen direkt an uns schicken. Da das Blut getrocknet ist, besteht keinerlei Ansteckungsgefahr und könnte sogar aus
den USA über den Postweg zu uns kommen.


www.laborberlin.com
 


HAUPTSTADTSYMPOSIUM
Am 11. April findet das 7. Labor Berlin hauptstadtsymposium mit interessanten Vorträgen zum Thema Medizin der Zukunft statt. Erfahren Sie mehr auf www.hauptstadtsymposium.de und melden Sie sich noch bis zum 25. März an.