ISG-Syndrom zuverlässig diagnostizieren

Oktober 2020 | Die Zeit | Zukunft Medizin

ISG-Syndrom zuverlässig diagnostizieren

Prof. Dr. Dr. Nikolai G. Rainov Facharzt für Neurochirurgie und spezielle neurochirurgische Schmerztherapie im MVZ Wirbelsäulenzentrum München-Taufkirchen.

Prof. Dr. Dr. Nikolai G. Rainov, Facharzt für Neurochirurgie und spezielle neurochirurgische Schmerztherapie im MVZ Wirbelsäulenzentrum München-Taufkirchen.
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Treten Probleme im unteren Wirbelsäulenbereich auf, führen Mediziner diese meist auf Veränderungen der Bandscheiben zurück. Inzwischen haben klinische Studien jedoch bewiesen, dass die tatsächliche Ursache von Schmerzen im unteren Rücken in 25 Prozent der Fälle im Iliosakralgelenk, kurz ISG, liegt. „Leider erkennen viele Ärzte den wahren Auslöser erst viel zu spät oder gar nicht und somit bleiben fälschlich verschriebene Behandlungsmaßnahmen erfolglos“, erklärt Prof. Dr. Nikolai Rainov, Experte für ISG-Beschwerden, Schmerztherapie und minimal-invasive Wirbelsäulenoperationen.


Für Patienten, die an einem ISG-Syndrom leiden, ist das Aufstehen aus liegender oder sitzender Position sowie das Vornüberbeugen und Hochheben von Lasten sehr schmerzhaft. Auch längeres Stehen verursacht große Probleme. „Bei Verdacht auf eine Iliosakralgelenkserkrankung sind unter anderem klinische und bildgebende Untersuchungen notwendig, die andere Pathologien ausschließen. Bei einem passenden Gesamtbild sollten ISG-spezifische Tests durchgeführt werden“, betont Prof. Rainov. Als zuverlässige Methoden gelten fünf Provokationstests. Dabei liegt der Patient in Rücken- oder Seitenlage, während an bestimmten Stellen Druck auf das Becken ausgeübt wird. Fallen mindestens drei von fünf Tests positiv aus, steigt die Wahrscheinlichkeit einer ISG-Schädigung.

 

Wie sieht die Therapie bei einem ISG-Syndrom aus?
„Im Falle einer Blockade beseitigen gezielte Akupunkturbehandlungen oder physiotherapeutische Stabilisationsübungen in der Regel erste Beschwerden. Auch Infiltrationen, also das Spritzen von schmerzstillenden Medikamenten in das Gelenk, führen zur Linderung. Zeigen sich jedoch keine langanhaltenden Besserungen, bringen operative Eingriffe die nötige Schmerzfreiheit. Zu den klinisch etabliertesten Möglichkeiten mit über 80 wissenschaftlichen Publikationen zählen sogenannte iFuse-Implantate, die von den Krankenkassen übernommen werden.“

 

Sie gelten mit über 400 iFuse-Operationen als führender Experte in Europa. Was ist das Besondere an dem System?
 „Durch die dreieckige Form bewirken die iFuse-Implantate eine Rotationsstabilität, die klassische Verfahren wie Schraubsysteme nicht erreichen. Eine Schmerzreduktion tritt aufgrund der hohen Primärstabilität schnell nach dem Eingriff ein und bleibt nach der Einheilung dauerhaft bestehen. Auch das Einsetzen der iFuse-Implantate erfolgt minimalinvasiv durch einen 2 bis 3 Zentimeter kleinen Hautschnitt und ist wenig belastend für die Patienten. Es wird keine zusätzliche Knochenmasse benötigt, die ansonsten in einem aufwendigen Eingriff aus dem Beckenkamm gewonnen werden müsste. So sind die iFuse-Implantate insbesondere für ältere oder voroperierte Patienten eine sehr gute Lösung.“