Gemeinsam gegen Corona

April 2020 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Gemeinsam gegen Corona

Wie effizient die medizinische Spitzenforschung inzwischen arbeitet, zeigt die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus SARS-CoV-2.

Illustration: Wyn Tiedmers
Mirko Heinemann / Redaktion

Die CEPI ist eine bemerkenswerte Einrichtung. Die wohl prominentesten Mitglieder dieser globalen Impfstoff-Initiative sind der Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda. Mit im Boot sind außerdem die Weltgesundheitsorganisation WHO, die EU-Kommission und verschiedene Regierungen, etwa Norwegens, Großbritanniens, Deutschlands, Japans, Kanadas, Äthiopiens und Australiens. Ihr Ziel: Forschungseinrichtungen und der Impfstoff-Industrie insgesamt eine Milliarde Dollar zur Verfügung zu stellen, um Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten zu entwickeln.


Die Stärke der Initiative ist ihre Diversität. „CEPI bringt ein breites Spektrum unterschiedlicher Akteure zusammen, um dringend benötigte Impfstoffe für die Vermeidung künftiger Pandemien zu entwickeln”, lobt etwa Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Die CEPI unterstützt gleich mehrere Projekte in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2, das neuartige Coronavirus.


Das deutsche Unternehmen CureVac ist dabei schon relativ weit. Anfang März war der damalige CureVac-CEO Daniel Menichella in das Weiße Haus eingeladen, wo er dem US-Präsidenten erläuterte, das Unternehmen könne in wenigen Monaten einen potenziellen Impfstoffkandidaten entwickeln. Ein anschließendes Übernahmeangebot an CureVac durch die US-amerikanische Regierung schlug das Unternehmen aus.

 

Schneller forschen

 

Der Impfstoff wird nicht aus dem Virus selbst, sondern aus seiner genetischen Information gewonnen. Dieses Verfahren spart vor allem Zeit. Dabei setzen die Forscher auf die sogenannte mRNA, einen Botenstoff, der Erbinformationen übermittelt. Diese Informationen werden künstlich per Nanopartikel in die Zellen geschleust und bilden dadurch ein Protein, worauf das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion reagiert. Eine Produktionsanlage, die Impfdosen millionenfach herstellen könnte, sei schon in Arbeit.


Auch die US-Unternehmen Inovio und Moderna werden von CEPI unterstützt. Letzeres hat bereits Tests an Menschen durchgeführt. Dennoch wird der Entwicklungsprozess wohl noch mindestens ein Jahr dauern. Ein Projekt der australischen University of Queensland erprobt einen Impfstoffkandidaten an Tieren. Mit dabei ist das Unternehmen Dynavax, das einen Adjuvans, einem Wirkverstärker herstellen möchte, mit dem man schnell eine größere Menge an Impfstoff bereitstellen kann.


Gemeinsam mit dem US-Gesundheitsministerium arbeitet die Johnson & Johnson-Tochter Janssen ebenfalls an einem Impfstoff. Dessen Technologie basiert auf einem Ebola-Impfstoff, der derzeit in der EU im Zulassungsverfahren ist. Auch Sanofi wird von der staatlichen Organisation bei der Entwicklung eines Impfstoffs unterstützt. Das Unternehmen kann auf frühere Impfstoffforschungen mit dem SARS-Erreger zurückgreifen. Ebenfalls aktiv in der SARS-CoV-2-Impfstoffforschung sind die Unternehmen Novavax, Tonix Pharmaceuticals und Altimmune.


Zu den aktiven Forschungseinrichtungen zählt VIDO-InterVac (Vaccine and Infectious Disease Organization – International Vaccine Centre) an der Universität Saskatchewan, Kanada. Ebenso wird am Cambridge Infectious Diseases Research Centre der Universität Cambridge in UK ein Impfstoff entwickelt. Die Universität von Hongkong hat mitgeteilt, bereits einen Impfstoffkandidaten für die weitere Erprobung fertig gestellt zu haben. Bis dieser allerdings alle Tier- und Humanstudien durchlaufen habe, werden noch Monate vergehen.


In Deutschland arbeiten Wissenschaftler vom Institut für Virologie der Universität Marburg mit Kollegen aus München und Berlin unter Koordination des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an einem Impfstoff. In Israel sitzt das Institute for Biological Research und das Galilee Research Institute an entsprechenden Forschungen.


Den ersten Impfstoff-Test an Menschen hat es bereits gegeben. Ein zertifizierter Impfstoff für einen weitreichenden Einsatz wird aber wohl erst 2021 zur Verfügung stehen.

 

Impfstoffe gegen die Epidemien der Zukunft

 

Es geht aber nicht nur um Corona. Die WHO hat aufgelistet, gegen welche Erkrankungen Impfstoffe dringend benötigt werden. Es handelt sich dabei um Erreger, die in Zukunft schwere weltweite Epidemien auslösen könnten. Dazu gehört etwa das so genannte Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Virus, das durch Zecken übertragen wird. Das Virus kommt in Afrika, Asien und Südosteuropa vor. Seit einigen Jahren werden zunehmende Infektionen aus der Türkei gemeldet. Neben leichteren Symptomen sind auch Verläufe bis hin zu Haut-, Darmblutungen, Bluterbrechen, oft mit einer Leberschädigung beobachtet worden.


Dann Impfstoffe gegen Viren wie SARS, das Marburg-Virus oder Ebola. Diese Viren habe sich wie das aktuell grassierende Coronavirus SARS-CoV-2 ursprünglich in Fledermäusen als Reservoirwirt entwickelt. Zwar wurde im afrikanischen Epidemiegebiet im Kongo soeben der letzte Ebola-Patient entlassen. 3.300 Menschen hatten sich angesteckt, 2.264 sind gestorben. Lange Zeit wurde befürchtet, dass sich die Seuche in der Region ausbreiten könnte. Oder sogar globale Ausmaße annehmen könnte.


Eine weitere Erkrankung an der geforscht wird, ist das Lassafieber. Das Lassa-Virus kommt in Ländern West- und Zentralafrikas vor und wird durch die in afrikanischen Häusern weit verbreitete Natal-Vielzitzenmaus über die Ausscheidungen der Tiere auf anschließend vom Menschen verzehrte Lebensmittel übertragen. Die Erkankung verläuft meistens milde, aber auch tödliche Fälle kommen vor.


Das Rifttalfieber-Virus, von Rindern meist bei der Schlachtung übertragen, hat sich in ganz Afrika südlich der Sahara ausgebreitet. Bei seinem ersten Auftreten auf der arabischen Halbinsel im Jahre 2000 starben mehr als 160 Menschen. Das Chikungunya-Virus wiederum ist eine mit Fieber und Gelenkbeschwerden einhergehende tropische Infektionskrankheit, die durch Stechmücken übertragen wird. Die Erkrankung ist insbesondere im östlichen und südlichen Afrika, auf dem indischen Subkontinent sowie in Südostasien verbreitet.


Ganz neu ist das SFTS-Virus, auch „Huaiyangshan virus” genannt. Die im Nordosten und Zentral-China aufgetretene Infektion wird durch eine spezielle Zeckenart übertragen. Sterblichkkeitsraten werden zwischen sieben bis 30 Prozent angegeben. Zika-Viren schließlich werden hauptsächlich durch Mücken übertragen. Es kommt hauptsächlich in den Tropen vor, kann jedoch mit Reisenden auch in kühlere Klimazonen gelangen. Laut Robert Koch-Institut wurden seit Oktober 2015 in Deutschland mehr als 280 Zikavirus-Infektionen festgestellt, fast ausschließlich bei Reiserückkehrern. Seit Mai 2016 ist die Zikavirus-Infektion in Deutschland meldepflichtig.