Der Haut helfen, sich selbst zu heilen

Oktober 2015 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Der Haut helfen, sich selbst zu heilen

Gerade die Wundheilung nach Operationen wird zunehmend zum Problem für viele Patienten. Eine neue, innovative Plasma-Therapie könnte hier Abhilfe schaffen

Cinogy GmbH / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Daniilidis, PlasmaDerm und Orthopädie, wie passt das zusammen?

 

Es ist wie so oft bei neuen, innovativen Methoden: Sind sie erst einmal auf dem Markt, verbreitert sich auch ihr Einsatzgebiet. Tatsächlich haben wir es in der orthopädischen Chirurgie im Nachgang an hochkomplexen Operationen auch mit Verzögerungen bei der Wundheilung, bedingt durch die Größe der Eingriffe, zu tun. Hier sind wir mit dem Einsatz von PlasmaDerm und den damit erzielten Ergebnissen seit rund einem Jahr sehr zufrieden.

 

Wieso kommt es vermehrt zu postoperativen Problemen bei der Wundheilung?

 

Der demografische Wandel hat hier sicherlich sehr großen Einfluss. Während Eingriffe früher bei 60jährigen vorgenommen wurden, liegen heute 70- oder 80jährige auf dem OP-Tisch. Mit zunehmendem Alter nehmen aber auch die Heilungskräfte des Körpers ab. Die Wundheilung ist deutlich langwieriger. Hinzu kommen die vielen sogenannten Wohlstandskrankheiten unserer Gesellschaft. Risikofaktoren sind beispielsweise Übergewicht, Diabetes, Nikotinkonsum und Gefäßerkrankungen.

 

Die auch Auswirkungen auf den Heilungsprozess nach Operationen haben?

 

Denken Sie an Diabetes. Allein in Deutschland haben wir circa 300.000 Neuerkrankungen jährlich. Und Diabetiker haben sehr häufig Probleme mit Wunden, die schlecht verheilen. Grund dafür sind insbesondere zwei Faktoren: Zum einen verändern sich die Gefäße, was eine schlechtere Durchblutung des Gewebes zur Folge hat. Zum anderen ist bei Diabetes oft auch die körpereigene Infektionsbekämpfung vermindert. Und Keime sind ein großes Problem bei der Wundheilung. 

 

Wo PlasmaDerm ja genau ansetzt.

 

Richtig. Bei regelmäßiger Anwen-dung verringert die Behandlung mit PlasmaDerm die Bakterienanzahl in der Wunde und sie kann besser heilen. Kontaminierte Wunden sind ein großes Problem für den gesamten Heilungsverlauf. Gerade auch, wenn die Patienten aus der stationären Behandlung entlassen und nur noch zur ambulanten Nachsorge in die Klinik kommen. 

 

Und diese Wirkung ist nachgewiesen?

 

Wir haben bei unseren Patienten, mit externem Fixateur, den direkten Vergleich gemacht. Die eine Seite wurde mit PlasmaDerm behandelt, die andere Seite nicht. Und tatsächlich war die Anzahl der Bakterien auf der mit PlasmaDerm behandelten Seite niedriger. 

 

Also ist PlasmaDerm ein Wundermittel?

 

Ja und Nein. Wer Wunder über Nacht erwartet, ist sicher enttäuscht. Allerdings reden wir bei den Wunden, die wir hier bei uns behandeln, auch nicht über die übliche Schramme, die hier und da jeder mal hat. Wir behandeln bei unseren Patienten häufig tiefe, großflächige Wunden bei komplexen Fehlstellungen des Fußskelettes. Nicht selten geht es in solchen Fällen um den Erhalt der Extremität.

 

Gab es einen solchen Fall tatsächlich?

 

Ja, wir haben seit rund einem Jahr einen Patienten in der Behandlung, dessen Fuß in einer anderen Klinik amputiert werden sollte. Es ist der schon beschriebene klassische Fall, ein 69-jähriger Patient mit Diabetes sowie zahlreichen Begleiterkrankungen. Ihm konnten wir mit einer kombinierten Behandlung aus OP, in der der Fuß zunächst korrigiert wurde, und PlasmaDerm helfen. Vor Beginn der Behandlung saß der Patient im Rollstuhl. Heute kann er mit Hilfe einer speziellen Orthese wieder eigenständig laufen. Für ihn und uns ein großer Erfolg. Sie sehen aber auch, dass es seine Zeit gedauert hat. 

 

PlasmaDerm kann also in vielen Bereichen helfen?

 

Ja, allerdings gilt es nun, diese ersten Erkenntnisse weiter zu vertiefen. Wir arbeiten gerade mit mehreren anderen Kliniken daran, eine breite Studie aufzusetzen. Klinikübergreifend deshalb, weil Sie für aussagekräftige Ergebnisse zwei möglichst homogene Gruppen benötigen – eine, die Sie behandeln, eine zum Vergleich. Und da wir uns bei der Wundheilung in der Regel im ambulanten Bereich bewegen, erschweren die Bedingungen zu Hause den Vergleich zusätzlich. Dennoch brauchen wir diese Ergebnisse, damit auch die gesetzlichen Krankenkassen künftig die Behandlung übernehmen. 

 

Ergebnisse, die vielleicht auch PlasmaDerm weiter verbessern?

 

Vielleicht. Wir sind im Grunde sehr zufrieden – sowohl mit dem Einsatz des Geräts selbst als auch mit den bisher erzielten Ergebnissen. Luft nach oben gibt es aber immer. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass das Design noch weiter verbessert wird, obwohl das Gerät heute schon sehr klein und deshalb mobil und flexibel einsetzbar ist. Ich glaube außerdem, dass für noch bessere Ergebnisse an der Dosierung gearbeitet und diese erhöht werden kann. All das schmälert die bisher mit PlasmaDerm erzielten Erfolge aber keinesfalls. 

 

Schreckt es Patienten ab, dass sie die Behandlungskosten bisher selber tragen?

 

Natürlich ist es in einem Land wie Deutschland ungewöhnlich, dass Patienten für medizinische Leistung zahlen müssen. Das ist die eine Barriere. Bei vielen Patienten ist es aber nicht nur eine Frage des Wollens. Wobei die Kosten für die Behandlung mit PlasmaDerm absolut überschaubar sind – vor allem auch im Vergleich zum Pflege- und Materialaufwand der klassischen ambulanten Wunderversorgung. 

 

Priv.-Doz. Dr. med. Kiriakos Daniilidis; Leiter Sektion technische Orthopädie, Department für Fuß und Sprunggelenkschirurgie, Orthopädische Klinik MHH im Annastift Hannover

 

HARMLOSE, DOSIERTE BLITZE

 

Plasma kennen viele nur in Zusammenhang mit ihrem Fernseher. Dabei bestehen 99 Prozent der sichtbaren Materie unseres Universums aus Plasma. In der Medizin kommen vor allem ‚heiße’ Plasmen seit Jahrzehnten zum Einsatz, besonders in der Chirurgie. Mit PlasmaDerm ist es nun gelungen, mit Gastemperaturen ein gewebeverträgliches Plasma auf Köpertemperatur-Niveau zu erzeugen. Vereinfacht ausgedrückt, wird das Plasma in Form kleiner harmloser „Blitze“ an die Haut abgegeben. Dieses auf Wechselstrom basierende elektrische Feld wirkt tiefenstimulierend, was die Mikrozirkulation steigert. So werden Wunden wieder mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und die Wundheilung des Körpers wird aktiviert. Außerdem konnte in einer klinischen Studie der Universität Göttingen die antimikrobielle Wirkung von PlasmaDerm nachgewiesen werden. Die PlasmaDerm Therapie ist CE-zertifiziert und steht in einer ganzen Reihe von Zentren zur Behandlung von akuten und chronischen Wunden zur Verfügung. 

 

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