Reisekrankheiten im Überblick

Wer auf Reisen geht, sollte wissen, welche gesundheitlichen Gefahren am Zielort bestehen. Hier eine Liste der wichtigsten Erkrankungen mit Symptomen und Tipps zur Prävention.

Illustrationen: Daniel Crespo | danielcrespo.es
Illustrationen: Daniel Crespo | danielcrespo.es
Olaf Strohm Redaktion

Draußen wird es wärmer, das Fernweh erwacht. Die Reisezeit steht an. Doch wer reist, vor allem in fernere Regionen, setzt sich immer auch gesundheitlichen Risiken aus. Tropische Klimazonen, ungewohnte Hygienestandards und fremde Krankheitserreger können den Organismus vor Herausforderungen stellen. Reisekrankheiten sind keineswegs ein Randphänomen: Laut WHO erkrankt weltweit fast jeder zweite Fernreisende vorübergehend an gesundheitlichen Beschwerden. Während die meisten harmlos verlaufen, können manche Erkrankungen schwerwiegende Folgen haben. Umso wichtiger ist gezielte Prävention – durch vorausschauende Vorbereitung, Impfungen und umsichtiges Verhalten vor Ort.

Daher ist eine gut ausgestattete Reiseapotheke unverzichtbar. Sie sollte enthalten: regelmäßig einzunehmende Medikamente in ausreichender Menge, Mittel gegen Durchfall, ein Fieberthermometer, Schmerz- und Fiebersenker wie Paracetamol oder Ibuprofen, Desinfektionsmittel, Pflaster und sterile Wundauflagen. Empfehlenswert sind zudem Insektenschutzmittel, Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, Nasen- und Ohrentropfen sowie gegebenenfalls Medikamente gegen Reisekrankheit oder Allergien (Antihistaminika). Individuell kann die Reiseapotheke durch Antibiotika, Malariaprophylaxe oder Höhenmedikation ergänzt werden – nach ärztlicher Beratung. 

Reisen erweitert den Horizont – und stellt den Körper auf die Probe. Eine gute Vorbereitung, informierte Vorsorge und verantwortungsvolles Verhalten vor Ort sind der beste Schutz. Wer sich impfen lässt, Hygieneregeln einhält und auf die Signale seines Körpers achtet, kann die Welt entdecken, ohne seine Gesundheit zu riskieren.

 

1. REISEDURCHFALL (DIARRHOE)

Reisedurchfall ist die häufigste gesundheitliche Beeinträchtigung auf Reisen, besonders in tropischen und subtropischen Regionen wie Südostasien, Indien, Nordafrika und Lateinamerika. Ursache sind meist Bakterien wie Escherichia coli, seltener Viren oder Parasiten, die über kontaminierte Nahrung oder Wasser aufgenommen werden.

Wie erkennt man die Krankheit? Wässrige Durchfälle, Bauchkrämpfe, Übelkeit, eventuell leichtes Fieber.

Wie vorbeugen? Nur abgekochtes oder abgefülltes Wasser trinken, Salate vermeiden, Speisen gut durchgaren, regelmäßiges Händewaschen. Eine Impfung ist in der Regel nicht notwendig, gute Lebensmittelhygiene ist entscheidend.
 

2. MALARIA

Malaria wird durch Plasmodium-Parasiten verursacht, die von nachtaktiven Anopheles Mücken übertragen werden. Sie kommt insbesondere in Subsahara-Afrika, Süd- und Südostasien sowie im nördlichen Südamerika vor.

Wie erkennt man die Krankheit? Fieberschübe in rhythmischen Abständen, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schwäche, eventuell Gelbsucht.

Wie vorbeugen? Mückenschutz konsequent anwenden (lange Kleidung, Repellents, Moskitonetze) und gegebenenfalls eine medikamentöse Prophylaxe gemäß ärztlicher Empfehlung einnehmen. Keine Impfung für alle Formen verfügbar, Schutz vor Mückenstichen ist entscheidend.
 

3. DENGUE-FIEBER

Das Dengue-Virus, ebenfalls von Mücken übertragen, kommt in weiten Teilen Südostasiens, des Pazifikraums, in der Karibik, Mittel- und Südamerika sowie zunehmend auch in Südeuropa vor.

Wie erkennt man die Krankheit? Hohes Fieber, starke Kopf- und Muskelschmerzen, Hautausschlag, gelegentlich Blutungsneigung.

Wie vorbeugen? Tagsüber Mückenschutz anwenden (Repellents, helle Kleidung, Netze). Eine Impfung ist für bestimmte Reiseländer verfügbar und sollte vorab geprüft werden.
 

4. GELBFIEBER

Gelbfieber ist eine durch Stechmücken übertragene Virusinfektion, die in tropischen Regionen Afrikas und Südamerikas vorkommt. Einige Staaten verlangen bei Einreise aus Endemiegebieten eine gültige Impfung.

Wie erkennt man die Krankheit? 
Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit, Gelbfärbung der Haut und Augen, schwerer Verlauf mit Leber- und Nierenversagen möglich.

Wie vorbeugen? Impfung mindestens zehn Tage vor Reiseantritt. Sie bietet zehn Jahre Schutz und wird im internationalen Impfpass dokumentiert.
 

5. TYPHUS

Typhus abdominalis entsteht durch das Bakterium Salmonella typhi, das über verunreinigte Nahrungsmittel oder Wasser übertragen wird. Häufig betroffen sind Süd- und Südostasien, Teile Afrikas und Lateinamerikas.

Wie erkennt man die Krankheit? 
Hohes, anhaltendes Fieber, Schüttelfrost, Benommenheit, Durchfall oder Verstopfung, Hautausschlag.

Wie vorbeugen? Orale oder Injektionsimpfung vor Reiseantritt. Zusätzlich auf Trinkwasserqualität und Lebensmittelhygiene achten.
 

6. HEPATITIS A

Die Virushepatitis A ist weltweit verbreitet, besonders in Ländern Asiens, Afrikas und Mittelmeeranliegerstaaten mit niedrigen Hygienestandards. Die Übertragung erfolgt meist über Wasser, rohe Lebensmittel oder Eiswürfel.

Wie erkennt man die Krankheit? Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gelbfärbung der Haut und Augen, dunkler Urin.

Wie vorbeugen? Impfung mindestens zwei Wochen vor Abreise. Ergänzend: gründliches Händewaschen, Vermeidung roher Speisen.
 

7. TOLLWUT (RABIES)

Tollwut kommt in großen Teilen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und Osteuropas vor. Besonders Reisende in ländliche Gebiete mit streunenden Tieren sind gefährdet.

Wie erkennt man die Krankheit? Kribbeln an der Bissstelle, Unruhe, Angst, Schluckbeschwerden, später Krämpfe und Bewusstlosigkeit. Fast immer tödlich nach Ausbruch der Symptome.

Wie vorbeugen? Impfung für Reisen in Risikogebiete, insbesondere bei geplanten Tierkontakten. Nach Tierbiss sofort ärztliche Behandlung und ggf. Nachimpfung.
 

8. JAPANISCHE ENZEPHALITIS

Diese Virusinfektion betrifft vor allem Süd- und Südostasien (z. B. Thailand, Vietnam, Indonesien, Japan, Nordaustralien). Häufig infizieren sich Reisende, die viel Zeit in ländlichen Gebieten verbringen.

Wie erkennt man die Krankheit? Fieber, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle.

Wie vorbeugen? Impfung wird bei längeren Aufenthalten in Endemiegebieten empfohlen. Ergänzend: Mückenschutz und Aufenthalt in geschützten Schlafräumen.
 

9. HÖHENKRANKHEIT

Die akute Bergkrankheit tritt bei raschem Aufstieg in Höhen über 2.500 Meter auf, etwa in den Anden, im Himalaya, in Ostafrika, zum Beispiel auf dem Kilimandscharo.

Wie erkennt man die Krankheit? Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schlafstörungen, Leistungsabfall; in schweren Fällen: Lungen- oder Hirnödem.

Wie vorbeugen? Langsamer Aufstieg, ausreichende Akklimatisierung, viel Flüssigkeit, ggf. prophylaktische Medikamente (Acetazolamid). Es gibt keine Impfung, nur die Anpassung des Tempos schützt effektiv.
 

10. REISE-THROMBOSE

Besonders gefährdet sind Langstreckenreisende, egal ob auf Flügen über zwölf Stunden oder bei langen Autofahrten, unabhängig von der Zielregion. Hitze und Flüssigkeitsmangel erhöhen das Risiko.

Wie erkennt man die Krankheit? Schwellung, Schmerzen und Spannungsgefühl im Bein, gelegentlich Atemnot bei Lungenembolie.

Wie vorbeugen? Ausreichend trinken, Beine regelmäßig bewegen, Stützstrümpfe tragen.Es gibt keine vorbeugende Impfung; gegebenenfalls können Risikopersonen medikamentöse Prophylaxe erhalten.
 

11. SONNENSTICH UND HITZSCHLAG

Diese Hitzeschäden kommen weltweit vor, besonders in heißen, sonnigen Regionen wie Nordafrika, Südeuropa, Australien und auf tropischen Inseln.

Wie erkennt man die Krankheit?Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, heiße, trockene Haut.

Wie vorbeugen? Kopfbedeckung, ausreichend Flüssigkeit, Aufenthalt im Schatten. Der beste Schutz ist das richtige Verhalten.
 

12. JETLAG UND SCHLAFSTÖRUNGEN

Treten nach Flügen über mehrere Zeitzonen auf, vor allem bei Reisen zwischen Europa, Amerika und Asien.

Wie erkennt man die Krankheit?Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Verdauungsprobleme, Reizbarkeit.

Wie vorbeugen? Rhythmus vor Abflug anpassen, Licht gezielt einsetzen, ausreichend Schlaf. Erholung und Tageslicht helfen beim Ausgleich des Biorhythmus.
 

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