Das Präventionsparadoxon

Adipositas ist behandelbar. Warum kommt die Therapie nicht an?

Foto: Lilly Deutschland
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Lilly Deutschland Beitrag

Adipositas gilt in Deutschland seit 2020 offiziell als chronische Krankheit, im Alltag und in der medizinischen Versorgung behandeln wir sie aber noch immer wie eine Charakterschwäche. „Essen Sie einfach weniger und bewegen Sie sich!“ Mit diesem Satz werden Menschen mit Adipositas oft abgefertigt und alleingelassen, als wären sie selbst an ihrer Krankheit schuld und einfach willensschwach – auch in vielen Arztpraxen, wo sie eigentlich Hilfe und Verständnis erwarten sollten. Die Folge: Fast ein Viertel der Betroffenen ziehen sich laut einer Civey-Umfrage im Auftrag von Lilly Deutschland12 resigniert zurück, statt sich weiter um eine effektive Behandlung ihrer Krankheit zu bemühen.
 

KOMPLEXES KRANKHEITSBILD OFT VERKANNT


In der Wissenschaft gilt Adipositas als sehr komplexe Krankheit mit einer ganzen Reihe von Ursachen und schweren Folgen für die Betroffenen und unser Gesundheitssystem. Die Ursachen reichen von der erblichen Veranlagung über Stoffwechselstörungen und neurobiologische Vorgänge bis zu psychosozialen Faktoren. Hinzu kommt, dass unser Körper sein Gewicht aktiv verteidigt. Das höchste über längere Zeit gehaltene Gewicht setzt den Sollwert, den der Körper durch Stoffwechselanpassungen immer wieder zu erreichen versucht. Dies führt dazu, dass Lebensstiländerungen allein – wie mehr körperliche Bewegung und eine Ernährungsumstellung – an biologische Grenzen stoßen und meist keinen nachhaltigen Erfolg bringen. Umso wichtiger ist es für Betroffene, sich von einer Ärztin oder einem Arzt beraten zu lassen. Diese können auch beurteilen, ob medikamentöse Therapieoptionen oder chirurgische Eingriffe infrage kommen.
 

TEURE FOLGEN


Mittlerweile lassen sich rund 200 Folgeerkrankungen auf Adipositas zurückführen. Nach gesundheitsökonomischen Schätzungen verursacht Adipositas insgesamt die höchsten Folgekosten – höhere als Diabetes und Bluthochdruck, weil sie viele teure Folgeerkrankungen triggert. Aktuell leben in Deutschland rund 17 Millionen Menschen mit Adipositas, somit droht dem Gesundheitssystem in den nächsten Jahrzehnten eine enorme Kostenlawine. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina rechnet mit jährlichen Folgekosten von 113 Milliarden Euro, etwa 2,6 % des Bruttoinlandsprodukts.
 

WAS DIE MEDIZIN KANN – UND WO SIE SCHEITERT


Als präventive Strategie wäre die konsequente Behandlung der Adipositas letztlich günstiger als das Verwalten und Therapieren ihrer Folgeerkrankungen. Es sei enorm wichtig, die gesamtwirtschaftlichen Kosten von chronischen Erkrankungen im Blick zu behalten und stärker in Prävention zu investieren, um mittel- bis langfristige Kosten durch chronische Erkrankungen zu vermeiden, sagt Helena Kühnemund, Director External Engagement beim Pharmaunternehmen Lilly Deutschland. „Investitionen in wirksame Therapie und Versorgungsgerechtigkeit sind deshalb keine Mehrbelastung, sondern langfristig kostensparend.” Neben Lebensstilveränderungen und operativen Verfahren stünden heute Medikamente zur Verfügung, die gezielt in biologische Regulationsprozesse eingreifen und den nachhaltigen Gewichtsverlust fördern. Für die Prävention teurer Folgekrankheiten könnten diese Therapien sehr hilfreich sein, denn schon Gewichtsreduktionen um 5 bis 10 Prozent senken das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich. Doch dafür müssten in Deutschland drei Hürden überwunden werden.
 

DIE HÜRDEN WIRKSAMER PRÄVENTION


Die erste Hürde ist der sogenannte Lifestyle-Paragraf § 34 SGB V. Seit mehr als 30 Jahren schließt er Arzneimittel zur Gewichtsreduktion von der Erstattung durch die Krankenkassen aus, während sich Wissenschaft, Evidenz und Therapiemöglichkeiten grundlegend weiterentwickelten. Eine zukunftsfähige Adipositasversorgung muss diese Entwicklungen berücksichtigen – ganzheitlich, evidenzbasiert und patientenorientiert. „Adipositas ist die einzige anerkannte chronische Erkrankung, bei der Patientinnen und Patienten ihre Medikamente selbst bezahlen müssen – trotz deutlich veränderter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Diese Ungleichbehandlung gehört auf den Prüfstand“, sagt Helena Kühnemund. Die zweite Hürde sei das Stigma, das viele Menschen mit Adipositas daran hindere, überhaupt den ersten Schritt in die Praxis und am Ende für ihre Gesundheit zu wagen. „Die Angst vor erneuter Stigmatisierung hält Betroffene davon ab, Hilfe zu suchen — und dabei ist das erste Gespräch der entscheidende Hebel, um den Krankheitsverlauf zu stoppen“, erklärt Kühnemund. Und wer die zweite Hürde überwinde, werde oft mit einer dritten konfrontiert: Weil Stigmatisierung, Vorurteile, Nicht-Wissen und mangelnde Kapazitäten in vielen Hausarztpraxen verbreitet seien, bleibe es im Praxisalltag häufig bei gutgemeinten Ratschlägen, wo eine wirksame medizinische Intervention eine langfristige ärztliche Begleitung erfordern würde.
 

WAS ES JETZT BRAUCHT


Damit die Möglichkeiten der modernen Medizin nicht an den Grenzen des Versorgungsalltags scheitern, kommt es zuallererst auf die Anerkennung und das Verständnis von Adipositas als behandelbare chronische Krankheit an. Zudem sollte eine Öffnung des Lifestyle-Paragrafen § 34 SGB V dem medizinischen Wissensstand Rechnung tragen und dafür sorgen, dass medikamentöse Therapieoptionen zur Behandlung dieser chronischen Krankheit nicht mehr von der Erstattung ausgeschlossen werden. Weiter braucht es mehr Raum für Ursachenforschung, individuelle Diagnostik und respektvolle Behandlung durch das medizinische Fachpersonal und die Gesellschaft, damit sich Betroffene auch trauen, den ersten Schritt zu machen. Mit dem Disease Management Programm (DMP) Adipositas hat der Gesetzgeber bereits Weichen für eine bessere Versorgung gestellt, aber dessen flächendeckende Umsetzung in den Bundesländern lässt auf sich warten – ebenso wie eine angemessene Vergütung der „sprechenden Medizin“, damit Ärztinnen und Ärzte Menschen mit Adipositas auf ihrem Weg zu einem gesünderen Leben begleiten können.

Mit der Initiative #gutbehandelt als kultureller Kompass setzt sich Lilly für eine Behandlung auf Augenhöhe als neuen Standard der Adipositastherapie ein. Adipositas ist kein Lifestyle, sondern eine anerkannte chronische Krankheit. „Wie jeder andere Patient mit einer chronischen Erkrankung sollten auch Adipositas-Patienten Zugang zu der für sie passenden Therapie haben. Sonst bleiben sie Patienten zweiter Klasse“, erklärt Helena Kühnemund. Der Fortschritt ist da. Er muss aber noch im System ankommen.

lilly.com/de

CMAT-17779 März 2026

1 Umfrage durchgeführt von Civey im Auftrag von Lilly Deutschland: 4500 befragte Bundesdeutsche ab 18 Jahren mit Adipositas (BMI >30); 1.500 Personen (BMI >30), die aufgrund ihres Gewichts keinen Arzt aufgesucht haben, 1000 Personen (BMI >30) mit Arztbesuch, 1000 Personen (BMI >30). Befragungszeitraum Zeitraum 07.11.25 bis 05.12.25 
2 Basis: n=100 ndgl. Hausärzt*innen; Feldzeit: 
07.11.-21.11.2025; Institut: DocCheck Insights
 

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