Defekt in der Körperzentrale

Neurologische Erkrankungen sind weitverbreitet und geben teilweise noch immer Rätsel auf – dennoch können viele gut behandelt werden.

Illustration: Laura Neuhäuser
Illustration: Laura Neuhäuser
Frank Burger Redaktion

In Europa und Deutschland leiden laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DNG)fast 60 Prozent der Bevölkerung unter einer neurologischen Erkrankung.

Unter dem Oberbegriff Schlaganfall etwa versteht die Medizin alle akut auftretenden Fälle einer durchblutungsbedingten oder durch Gefäßschäden verursachten Störung der Hirnfunktion. Typische Symptome sind Lähmungserscheinungen, herabhängende Mundwinkel, Sprech- und Sprachverständnisprobleme, Sehstörungen, Schwindel und Kopfschmerzen.

Schlaganfall: Jede Minute zählt

Die Ursachen eines Schlaganfalls sind vielfaltig – zum einen Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Veranlagung, zum anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht oder Diabetes. Zur Diagnose haben sich die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) etabliert. Bei der akuten Behandlung zählt jede Minute, um möglichst viele Hirnzellen vorm Absterben zu retten – Gefäßverschlüsse werden durch die medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels oder dessen mechanische Entfernung beseitigt, bei Blutungen muss der Blutdruck möglichst schnell gesenkt werden, bevor operative Maßnahmen greifen können.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz

Demenz bezeichnet ein Bündel von Symptomen, hervorgerufen durch verschiedene Erkrankungen: Beeinträchtigungen oder Verlust von Sprache, Gedächtnis, sozialen und emotionalen Fähigkeiten oder Denkvermögen, seltener auch Persönlichkeitsveränderungen. Demenz ist vor allem eine Alterserscheinung.

Alzheimer ist die häufigste Form einer Demenz. Als Ursachen werden eine genetische Disposition, eine Störung des glymphatischen Systems in Gehirn und Rückenmark, entzündliche Prozesse und Schadstoffe diskutiert. Eine relativ sichere Diagnose bei lebenden Personen ist schwierig und benötigt das Zusammenspiel aus Anamnese, neuropsychologischen Tests sowie laborchemischen und bildgebenden Befunden. Heilbar ist  Alzheimer – und generell Demenz – nicht, allerdings lassen sich die Symptome durch Medikamente, Psychotherapie und eine Anpassung der Lebensumstände mildern.

Multiple Sklerose: deutlich höhere Lebenserwartung

Auch die exakte Ursache der Multiplen Sklerose (MS) ist noch nicht geklärt. Nach dem aktuellen Stand der Forschung sind es wohl körpereigene Immunzellen, die die Ummantelungen der Nervenzellfortsätze im Körper attackieren. Die Symptome fallen individuell unterschiedlich aus: Häufig sind Sehstörungen, Taubheitsgefühl, Muskelkrämpfe und -lähmungen. Typischerweise tritt MS in Schüben auf. Therapieansätze umfassen sowohl Medikamente als auch Physio-, Ergo- und Psychotherapie sowie Logopädie. In den vergangenen Jahren haben ausdifferenzierte Behandlungen dazu geführt, dass weniger Betroffene auf einen Rollstuhl angewiesen sind und ihre Lebenserwartung fast so hoch ist wie bei der gesunden Bevölkerung.

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