»Wir müssen die Patientin da abholen, wo sie steht«

Endometriose wird in der Regel durch Hormontherapien und chirurgische Eingriffe behandelt. Osteopathie ist ein ergänzender Ansatz – der sogar die Diagnose erleichtern kann.

 

IRA BELICZEY, Heilpraktikerin, Kooperation mit dem Endometriose-Zentrum Münsterland
IRA BELICZEY, Heilpraktikerin, Kooperation mit dem Endometriose-Zentrum Münsterland
Bundesverband Osteopathie e. V. BVO Beitrag

Etwa 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind von Endometriose betroffen: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit etwa 190 Millionen Frauen an der Krankheit. Typische Symptome sind extrem starke Menstruationsschmerzen. Doch die Diagnosestellung gestaltet sich langwierig, die genaue Ursache ist größtenteils unbekannt. Allgemeinmediziner benötigen im Durchschnitt 5 bis 10 Jahre, bis Frauen die Diagnose Endometriose erhalten. Diesen qualvollen Weg können sie durch Osteopathie verkürzen. Wie der Therapieansatz wirkt, weiß Ira Beliczey vom Bundesverband Osteopathie e. V. BVO, die in eigener Osteopathie-Praxis arbeitet.
 

Wie kann Osteopathie zur Linderung von Endometriose-Symptomen beitragen?

Zuerst muss man wissen, dass Endometriose zu Zysten, Verwachsungen und starken Schmerzen führen sowie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Um die Symptome zu behandeln, muss ich die Geschichte der Patientin verstehen und zuhören. Wie viele Jahre begleiten sie die Beschwerden schon, welche Systeme spielen eine Rolle, wie u. a. ist die Darmgesundheit? Es geht darum, die Patientin da abzuholen, wo sie wirklich steht. Der Behandlungsansatz ist also immer individuell.
 

Aktiviert Osteopathie die Selbstheilungskräfte des Körpers?

Wenn wir es schaffen, den Schmerz zu unterbrechen und das vegetative Nervensystem zu beruhigen, dann können die Frauen sich trotz Schmerzen entspannen, damit kommen sie aus diesem Teufelskreislauf von Schmerzen, Verkrampfung und psychischer Belastung zumindest zeitweise heraus. Ich sage aber auch, wir bekommen eine Endometriosepatientin rein durch die osteopathische Behandlung nicht schmerzfrei, weil viele andere Faktoren eine Rolle spielen.
 

Was kann die Schmerzlinderung noch fördern?

Da es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung handelt, spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Kein rotes Fleisch, wenig Zucker und Gluten – das sind Therapieansätze. Zudem muss unter anderem der Vitamin D- und Omega-3-Fettsäure-Spiegel gut sein. Wenn Frauen lange die Pille nehmen, hat das auch Einfluss auf den Darm und auf die Entzündungslage im Körper, das muss man ausgleichen.
 

Osteopathie bringt Geist, Körper und Psyche in Einklang – kann man das so sagen?

Die körperliche Behandlung tut gut, weil wir auch das Hormonsystem damit stimulieren. So lässt sich die Ausschüttung von Hormonen wie zum Beispiel Oxytocin beeinflussen. Der Effekt von Berührung, aber auch das Gefühl der Frauen, das sie verstanden werden, kann vieles verändern.
 

Welche Rolle spielt Yoga – und inwiefern können Osteopathen bei der Diagnosestellung helfen?

Yoga ist immer gut, weil man auf eine sanfte Art viel Beckenmobilisation erreichen kann. Das Wichtigste aber: Wer unter den genannten Symptomen leidet und von der Allgemeinmedizin keine Hilfe bekommt, kann sich an einen Osteopathen wenden. Das kann helfen, die richtige Diagnose zu finden und den Leidensweg zu verkürzen.
 

Der BVO engagiert sich für eine hohe Qualität der osteopathischen Behandlung durch einheitliche Aus- und Fortbildungsstandards. Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Therapie für viele Beschwerden, ein sanftes Verfahren, das sich bis ins hohe Alter anwenden lässt.

Therapeutensuche: www.bv-osteopathie.de/fuer-patienten/therapeutensuche 
Weitere Informationen zu Ira Beliczey: www.osteo-hafenkante.de
 

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