Hilfe für Kinder mit seltenen Tumoren

Das Netzwerk für Seltene Tumorerkrankungen in der Pädiatrie STEP unterstützt bei Diagnostik und Therapie seltener Tumoren.

Prof. Dr. med. Dominik Schneider ist Professor für Interdisziplinäre Kinderund Jugendmedizin an der Universität Witten/Herdecke und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dortmund.
Prof. Dr. med. Dominik Schneider ist Professor für Interdisziplinäre Kinderund Jugendmedizin an der Universität Witten/Herdecke und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dortmund.
STEP Beitrag

Herr Professor Schneider, Frau Dr. Brecht, Sie haben vor 20 Jahren die Arbeitsgruppe Seltene Tumorerkrankungen in der Pädiatrie (STEP) gegründet. Aus welchem Anlass?

Wir haben in der klinischen Arbeit mit Kindern immer wieder besonders seltene Tumoren gefunden, für die es weder Ansprechpartner in der Kinderonkologie gab noch Therapieempfehlungen in der Literatur. Es waren Einzelfälle, immer wieder neu und unbekannt. Daher haben wir uns zusammengeschlossen, um die Erfahrungen aus den mehr als 50 kinderonkologischen Kliniken zu bündeln. Und, um die Forschung an diesen Tumoren voranzutreiben.
 

Daraus erwachsen ist das so genannte STEP-Register. Worum handelt es sich dabei?

Wir haben schnell verstanden, dass wir die Daten erfassen und strukturieren müssen, damit die Erfahrung nicht verloren geht. Daher haben wir das Register für Seltene Tumorerkrankungen in der Pädiatrie STEP ins Leben gerufen. Es hat sich zu einem internationalen Netzwerk mit einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe und einem Tumorboard entwickelt.
 

Welche Erkrankungen werden hier registriert?

Es sind Erkrankungen, die sehr selten sind, manche treten nur einmal pro Jahr in Deutschland auf; etwa seltene Eierstocktumoren. Andere Tumoren sind bei Erwachsenen häufig - wie Dickdarmkrebs, schwarzer Hautkrebs oder Speicheldrüsentumoren - im Kindesalter jedoch sehr selten. Wegen ihrer besonderen Tumorbiologie kann man die Therapieprinzipien aber nicht einfach von Erwachsenen auf Kinder übertragen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und brauchen spezifische Therapiekonzepte und eine Anbindung an die Kinderonkologie.

Priv.-Doz. Dr. med. Ines Brecht ist Leiterin des Zentrums für Seltene Pädiatrische Tumoren, Hämatologische und Immunologische Erkrankungen (ZSPT) am Universitätsklinikum Tübingen.
Priv.-Doz. Dr. med. Ines Brecht ist Leiterin des Zentrums für Seltene Pädiatrische Tumoren, Hämatologische und Immunologische Erkrankungen (ZSPT) am Universitätsklinikum Tübingen.

Wie sieht Ihr Netzwerk aus?

Unser Netzwerk besteht aus Kinderonkologen, Strahlentherapeuten, Kinderchirurgen, Hautkrebsspezialisten, internistischen Onkologen sowie Spezialisten für die jeweilige Tumorform. In der wöchentlichen Tumorkonferenz kommen gerne mal 12 oder mehr Experten zusammen. Außerdem sind wir mit etwa 40 europäischen und US-amerikanischen Kollegen vernetzt. Gemeinsam erarbeiten wir international abgestimmte Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie und tragen dazu bei, neue Studien und innovative Behandlungsstrategien für Kinder und Jugendliche mit seltenen Tumoren zu entwickeln.
 

Inwiefern kann das STEP-Register zu Verbesserungen in der Therapie beitragen?

Vor der Gründung unserer Arbeitsgruppe stand ein Kinderonkologe mit so einem seltenen Fall meist allein da – es war der erste und vielleicht einzige in seiner Laufbahn. Dies führte oft zu fehlerhaften und verzögerten Diagnosen und Therapien. Rückblickend auf 20 Jahre STEP-Register können wir sagen: Auf Grundlage der im Register erhobenen Daten und des verbesserten Verständnisses der Tumorbiologie können wir nach Beratung in unserem Tumorboard eine bessere Diagnostik und Therapie anbieten.
 

Wie könnte Ihre Arbeit unterstützt werden?

Wir wünschen uns mehr Akzeptanz der Kostenträger für begründete Therapiekonzepte für seltene Erkrankungen und eine ausreichende finanzielle Unterstützung für die Forschung, denn alle Seltenen zusammen sind viele.

seltene-tumoren.de
 

Nächster Artikel