Herr Dr. Osorio, ob wir uns in der Küche versehentlich schneiden, auf dem Sportplatz das Knie aufschürfen oder nach dem Wandern eine Blase am Zeh entdecken: Fast jeder hat immer wieder mit Wunden zu tun – wie lassen sie sich unterteilen?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen: akuten und chronischen Wunden. Akute Wunden können klassische Alltagsverletzungen wie Schnitt-, Schürf-, Platz- oder Brandwunden sein. Sie durchlaufen einen geordneten Heilungsprozess und schließen sich innerhalb eines absehbaren Zeitraums. Chronische Wunden hingegen heilen verzögert. Dahinter stecken häufig Grunderkrankungen, etwa Stoffwechselerkrankungen, aber auch anhaltende Entzündungsprozesse, die aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Was geschieht konkret im Körper, wenn eine Wunde entsteht?
Die Wundheilung akuter Wunden verläuft in mehreren Phasen, die sich zeitlich überlappen. Zuerst kommt die sogenannte Blutstillung, das ist die Sofortreaktion des Körpers unmittelbar nach der Verletzung und der anfänglichen Blutung: Gefäße ziehen sich zusammen, Blutplättchen dichten die Wunde ab, die Blutung wird gestoppt. Anschließend folgt die kontrollierte Entzündungsphase. Die Gefäße erweitern sich, Immunzellen strömen in die Wunde und kümmern sich um Fremdstoffe. In dieser Phase der Wundheilung ist die Wunde leicht geschwollen, gerötet und mit Wundflüssigkeit bedeckt. Danach beginnt die Proliferationsphase – neues Gewebe, Kollagen und Blutgefäße entstehen. Schließlich wandern in der Epithelisationsphase neue Hautzellen von den Wundrändern zur Mitte. Den Abschluss bildet die Reifung: Das Gewebe wird stabiler, die Belastbarkeit nimmt zu, Narben können entstehen – die Reifung erstreckt sich teils über Monate oder gar Jahre hinweg.
Das klingt nach einem sehr sensiblen Prozess. Was bedeutet das Wissen um den Ablauf der Wundheilung für die Wundversorgung im Alltag?
Der erste Schritt sollte immer eine Einschätzung sein: Muss die Wunde ärztlich versorgt werden? Im Zweifelsfall ist natürlich der Weg zu einer Ärztin oder einem Arzt die richtige Entscheidung. Ansonsten gilt bei Alltagswunden: Blutung stoppen, dann reinigen. Das Ziel ist es, Schmutz, Keime und Fremdpartikel zu entfernen – etwa mit einem Wundspray oder einer sterilen Kochsalzlösung. Leitungswasser kann in Ordnung sein, birgt allerdings Risiken und kann Krankheitserreger enthalten. Deshalb ist ein extra für solche Fälle entwickeltes Wundspray die bessere Wahl. Sinnvoll ist es auch, eine kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung griffbereit zu haben, etwa beim Sport, auf Reisen oder bei Ausflügen mit Kindern.
Viele Menschen schwören noch immer auf Salz- oder Meerwasser zur Wundreinigung.
Das ist keine gute Idee. Selbst kristallklares Karibikwasser kann Keime enthalten und wer mit einer offenen Wunde in den See oder ins Meer möchte, sollte sie unbedingt mit einem wasserdichten Pflaster schützen. Gleiches gilt fürs Duschen oder Baden zu Hause – Wasser ist nicht per se sauber, auch wenn es so aussieht.
Welcher Schritt kommt nach der Reinigung?
Der Schutz der Wunde. Ein Pflaster übernimmt dabei im Grunde eine der wichtigsten Aufgaben der Haut: Es bildet eine mechanische Barriere. Es verhindert, dass Schmutz, Wasser oder Krankheitserreger in die Wunde eindringen. Eine offene Wunde ist sonst wie eine offene Tür im Körper – dieses Einfallstor gilt es zu schließen, damit der Körper ungehindert seiner Arbeit nachgehen kann.
Und was ist mit dem weit verbreiteten Mythos, dass Wunden an der Luft am besten heilen?
Nachvollziehbar, aber das stimmt so nicht. Die Wunde muss geschützt werden. Moderne Pflaster sind so entwickelt, dass sie nicht mit der Wunde verkleben, gleichzeitig atmungsaktiv sind und Sauerstoff durchlassen. Unsere wasserdichten Pflaster von Hansaplast verbinden Schutz und Atmungsaktivität – sie funktionieren vom Material her ähnlich wie die Haut.
Welche Eigenschaften sind bei einem Pflaster besonders wichtig?
Um eine Wunde zuverlässig zu schützen, ist neben der Atmungsaktivität die richtige Klebkraft entscheidend – stark genug für sicheren Halt, aber sanft zur Haut. Hinzu kommen die Anforderungen an Flexibilität und Tragekomfort. Ein Pflaster sollte Bewegungen mitmachen und im Idealfall kaum spürbar sein. Gerade an stark bewegten Körperstellen wie dem Knie oder dem Ellbogen ist das besonders wichtig, damit sich das Pflaster nicht frühzeitig löst. Diese Anforderungen sind unter anderem in das Zweite-Haut-Schutzpflaster von Hansaplast eingeflossen. Es basiert auf einer Hydrokolloid-Technologie. Durch Aufnahme von Wundflüssigkeit bildet sich die „Heilkapsel“, die ein feuchtes Wundmilieu schafft. Das beschleunigt die Heilung, verhindert Schorfbildung und kann das Risiko von Narben verringern. Gleichzeitig haftet das Pflaster mindestens 72 Stunden– wichtig, um die Wundheilung nicht zu stören. Es ist außerdem flexibel, sehr diskret und hundertprozentig wasserdicht.
Spielt neben der richtigen Versorgung auch der Lebensstil eine Rolle für die Wundheilung?
Ja, ganz klar. Die Geschwindigkeit und Qualität der Wundheilung hängt nicht nur von der Wunde selbst ab, sondern stark vom gesamten Zustand des Körpers. Faktoren wie Ernährung, Durchblutung, Bewegung, aber auch Rauchen oder bestimmte Vorerkrankungen können den Heilungsprozess deutlich beeinflussen. Auch Stress kann sich negativ auswirken. Deshalb ist Wundheilung immer ein Zusammenspiel aus lokaler Versorgung und den allgemeinen Bedingungen, die der Körper mitbringt.
Werfen wir noch einen kurzen Blick nach vorn: Wohin entwickelt sich die moderne Wundversorgung?
Wir beobachten, dass viele Menschen Vorbehalte gegenüber Pflastern haben. Deshalb arbeiten wir an Lösungen, die noch niedrigschwelliger sind. Anfang des kommenden Jahres bringen wir ein neues Flüssigpflaster in zwei Varianten auf den Markt. Beide bilden einen atmungsaktiven, flexiblen Schutzfilm direkt über der Wunde, sind unsichtbar und schränken die Bewegungsfreiheit nicht ein. Sie eignen sich für trockene, oberflächliche Wunden und sind einfach in der Anwendung. Auch in dieser Innovation steckt viel Forschung und Entwicklung – aber der Anspruch bleibt derselbe wie bei allen Produkten: Der Schutz der Wunde vor äußeren Einflüssen, um eine ungestörte Heilung zu ermöglichen.
* IQVIA, Wundpflaster, im Apothekenmarkt, Umsatz in Euro, Deutschland, MAT KW 26/2025; NielsenIQ Market Track, Wundschnellverbände, Umsatz in Euro, Deutschland LEH+DM, MAT KW 26/2025, Copyright © 2025 NielsenIQ (Germany) GmbH
ZU HANSAPLAST
Seit mehr als 100 Jahren steht Hansaplast als Marke der Hamburger Beiersdorf AG für medizinische Kompetenz in der modernen Wundversorgung: Bereits 1922 brachte das Unternehmen das erste Hansaplast-Pflaster auf den Markt. Heute basiert das breite Sortiment auf dermatologischer Forschung und medizinischer Expertise – von klassischen und wasserfesten Pflastern über Wundsprays und Salben bis hin zu Produkten für Narbenpflege, Sportverletzungen und empfindliche Haut.