Eigene Kräfte mobilisieren

Die Krebstherapie setzt auf immer stärker individualisierte Therapien.

Illustration: Stephanie Hofmann
Illustration: Stephanie Hofmann
Petra Lahnstein Redaktion

Operation, Chemotherapie, Bestrahlung – in der Krebstherapie gewinnt neben klassischen Therapieformen eine vierte Säule zunehmend an Bedeutung: Immuntherapien. Neue Entwicklungen und Fortschritte in der Immunmedizin eröffnen präzisere und wirksamere Therapieansätze, die Krebszellen zielgerichtet angreifen, ohne dabei gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Diese Präzisionstherapien sind nicht nur in der Lage, das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen aufzuhalten, sondern erzeugen in der Regel auch geringere Nebenwirkungen. „Genetische Veränderungen im Krebsgenom wie Mutationen führen häufig zur erhöhten Aktivität dieser Gene und im Resultat zu einer dauerhaften, unkontrollierten Stimulation von zellulärem Wachstum. Molekular gerichtete Therapien erkennen diese fehlerhaften Signalmoleküle und schalten deren Aktivität wieder ab“, beschreibt Prof. Dr. Reinhard Büttner, Direktor des Instituts für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie an der Uniklinik Köln den Zusammenhang. 

Verschiedene Ansätze und Methoden könnten in Zukunft vielen Menschen mit einer Krebsdiagnose Zuversicht bringen. Einige Therapien sind schon (teilweise) in Anwendung, andere noch in Zulassungsverfahren. Eine zelluläre Therapie, die CAR-T-Zelltherapie, kommt bereits in der Therapie gegen akute Leukämien und aggressive Lymphome zur Anwendung, auch wenn das Verfahren bislang noch als sehr aufwändig und teuer gilt. Bei dieser Behandlungsform werden körpereigene Immunzellen des Krebspatienten so umgebaut, dass sie sich gegen die vorhandenen Krebszellen richten. So können beispielsweise Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) eines Patienten, deren Aufgabe es ohnehin ist, Krankheitserreger und Krebszellen zu bekämpfen, wieder in die Lage versetzt werden, dies auch entsprechend zu tun. Dafür werden dem Patienten körpereigene Zellen (T-Zellen) entnommen und genetisch so modifiziert, dass sie in der Lage sind, sich gegen Oberflächenmoleküle von Tumorzellen zu richten und diese absterben zu lassen und anschließend wieder per Spritze injiziert. 

Über neue Durchbrüche in einer anderen Form der Immuntherapie berichtete auch jüngst ein Forschungsteam aus NRW, das einen Antikörper entwickelt hat, der in Kombination mit einem radioaktiven Stoff Krebszellen finden, anzeigen und gleichzeitig bekämpfen kann und insbesondere bei aggressiven und schwer behandelbaren Krebsarten zum Einsatz kommen könnte. Auch im Bereich der komplett individualisierten Krebsimpfstoffe (Tumorvakzine) läuft die Forschung auf Hochtouren. Spezialisierte Wissenschaftler, Forscher und Ärzte gehen davon aus, dass dies die Zukunft der Krebsmedizin sein wird. „Ich denke, in Kürze wird jedes Krebsgenom sequenziert werden, um alle Mutationen im Krebs und mögliche Zielstrukturen für das Immunsystem zu ermitteln. Dann wird man eine komplett individualisierte Tumorvakzine herstellen können, um angepasst an das patienteneigene Immunsystem eine Immuntherapie durchzuführen“, so Prof. Büttner. 

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