Alt werden ist nicht schön.“ Diesen Satz sagte mein Vater oft, wenn ich ihn in seinen letzten Lebensjahren besuchte. Er war ein vitaler, sportlicher Mann und wurde hundert Jahre alt. Doch mit dem Alter kamen Alterskrankheiten, Einschränkungen und der Verlust an Kraft und Beweglichkeit. Seine Worte haben sich mir eingeprägt, auch weil ich wusste: Trotz Sport und gesunder Lebensweise könnte mir eines Tages Ähnliches drohen.
Wenn ich heute über Verjüngung spreche, meine ich nicht ewige Jugend. Ich meine mehr gesunde Zeit. Als Dermatologe beschäftige ich mich seit Jahrzehnten mit den sichtbaren Folgen des Alterns: Falten, Pigmentveränderungen, Lichtschäden, nachlassende Regeneration und altersbedingte Hautkrebsarten. Ich arbeite mit Verfahren, die Alterungszeichen entgegenwirken können – von Lasertherapie, Peelings und Faltenbehandlung bis zu operativen Eingriffen. Zugleich sehe ich täglich: Hautalterung ist nicht nur kosmetisch. Sie ist Ausdruck biologischer Prozesse. Die Haut ist ein äußerer Marker des Alterns. Im sozialen Erleben sind wir so alt, wie wir aussehen.
Der Wendepunkt kam kurz vor meinem 70. Geburtstag. Ich stand vor dem Spiegel und sah Hände, die ich nicht wiedererkannte – faltig, gealtert, fremd. Fotos zeigten mich älter, als ich mich fühlte. Dazu kam eine Müdigkeit, die sich in meine Mittage schlich. Keine dramatische Krankheit, aber ein Signal: Veränderungen waren schneller als mein Lebensgefühl.
Ich ließ mein biologisches Alter bestimmen. Anders als das chronologische Alter beschreibt es den Zustand des Organismus. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Epigenetik – also die Frage, wie Gene im Lauf des Lebens reguliert, aktiviert oder gebremst werden. Altern ist mit nachlassender Reparatur, Entzündung, Stoffwechselveränderungen und dem steigenden Risiko altersbedingter Erkrankungen verbunden.
Mein Ergebnis lag 12 Jahre unter meinem tatsächlichen Lebensalter. Mein bisheriger Lebensstil – Bewegung, vegetarische Ernährung, wenig Alkohol, Stressregulation – hatte sich positiv ausgezahlt. Aber ich wollte wissen, ob noch mehr möglich ist. Ich änderte bewusst nicht meinen gesamten Lebensstil, sondern ergänzte ihn gezielt durch die Einnahme bestimmter bioaktiver Supplemente. Dazu gehörten Substanzen, die in der Altersforschung mit Energiestoffwechsel, Zellschutz, Entzündungsregulation, Autophagie und mitochondrialer Funktion in Verbindung gebracht werden. Praktisch bedeutete das: Ich nahm täglich eine Kombination ausgewählter Mikronährstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe ein, unter anderem zur Unterstützung des NAD-Stoffwechsels, antioxidativer Schutzsysteme und zellulärer Reparaturmechanismen.
Dabei beschäftigte ich mich mit zentralen Mechanismen der Altersforschung: NAD-Stoffwechsel, Sirtuine, AMPK, Autophagie, antioxidative Schutzsysteme, Mitochondrien und zelluläre Reparatur. Es ging mir nicht um ein Wundermittel, sondern um das Zusammenspiel: Können mehrere biologische Stellschrauben gemeinsam die Regeneration wieder stärker anregen? Und lässt sich der Alterungsprozess messbar und sichtbar in Richtung Verjüngung beeinflussen? Nach zweidreiviertel Jahren ließ ich erneut messen. Bei im Wesentlichen gleich gebliebenem Lebensstil war mein biologisches Alter um fast zehn Jahre gesunken. Diese Veränderung trat nach meiner dokumentierten Erfahrung vor allem im Zusammenhang mit der gezielten Einnahme meiner Supplement-Kombination auf. Zugleich veränderte sich mein Alltag: Die frühere Mittagsmüdigkeit verschwand, meine Energie nahm zu, und ich fühlte mich körperlich wie geistig leistungsfähiger. Nicht nur meine Haut, vor allem im Gesicht und an den Händen, wirkte glatter, kräftiger und jünger. Auch meine gesamte äußere Erscheinung erschien vitaler und verjüngt. Für mich war das kein abstrakter Laborwert mehr, sondern ein sichtbares und fühlbares Zeichen dafür, dass biologische Veränderung möglich sein könnte.
Ich sage bewusst: könnte. Denn meine persönliche Untersuchung ist kein wissenschaftlicher Beweis. Sie ersetzt keine randomisierte Studie und erlaubt keine allgemeinen Heilsversprechen. Es handelt sich um einen dokumentierten Einzelfall, um Erfahrungsmedizin, nicht um gesicherte Evidenz. Aber Erfahrungen können Fragen öffnen. Und manchmal beginnt Forschung genau dort: bei einer Beobachtung, die stark genug ist, weiterverfolgt zu werden. Aus dieser dokumentierten persönlichen Untersuchung entstand später mein Buch „Rejuvenation-Code – Wie Verjüngung gelingt“.
Dabei geht es nicht darum, das Alter zu verleugnen. Es geht darum, den Alterungsprozess besser zu verstehen und dort anzusetzen, wo Prävention möglich wird. Denn Altern beginnt nicht erst mit Siebzig. Viele biologische Alterungsprozesse setzen bereits ab etwa dem 25. Lebensjahr ein: Muskelmasse nimmt langsam ab, Reparaturmechanismen verändern sich, Stoffwechsel und Regeneration verlieren an Flexibilität. Wer möchte, kann also früh beginnen – nicht aus Angst, sondern aus Vorsorge für die eigene Zukunft.
Der Rejuvenation-Code ist ein präventives Konzept. Es geht um das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen, die helfen können, das biologische Alter günstig zu beeinflussen, die Haut zu vitalisieren und die Gesundheitsspanne potenziell zu verlängern. Gleichzeitig eröffnet dieses Denken eine neue Perspektive: altersbedingte Beschwerden, Hautveränderungen und Erkrankungen möglichst zu verhindern oder abzumildern.
Es geht aber auch um körperliche und mentale Fitness: wacher, beweglicher, konzentrierter und unbelasteter zu sein – oder jenen Zustand möglichst lange zu bewahren, in dem man spürt: Ich bin in meiner besten Form.
Biologische Vorsorge beginnt dort, wo der Wunsch entsteht, die eigene Energie, Ausstrahlung, Regeneration und Lebendigkeit möglichst lange zu bewahren – für sich selbst und für ein Leben, in dem wir anderen vital, präsent und zugewandt begegnen möchten. Und manchmal beginnt Veränderung mit einem einfachen Schritt – in die richtige Richtung.
DR. ERIK SENGER
ist Dermatologe und Autor des Buches „Rejuvenation-Code: Wie Verjüngung gelingt“. Auf dem Foto ist er 72 Jahre alt.
rejuvenation-code.de