Ein Laser, zwei Wirkungen

Was, wenn eine Therapie den Weg für die nächste ebnet? Forscher sehen darin einen möglichen Hoffnungsschimmer für Menschen mit aggressiven Hirntumoren.

Die LITT-Koryphäen der Beta Klinik: Prof. Dr. med. Marion Rapp, Prof. Dr. med. Michael Sabel und Prof. Dr. med. Thomas Gasser.
Die LITT-Koryphäen der Beta Klinik: Prof. Dr. med. Marion Rapp, Prof. Dr. med. Michael Sabel und Prof. Dr. med. Thomas Gasser.
Beta Klinik Bonn Beitrag

Ein Tumor tief im Gehirn, umgeben von hochempfindlichen Strukturen: Noch vor wenigen Jahren erforderte die operative Therapie nach einer solchen Diagnose einen aufwendigen neurochirurgischen Eingriff – heute kann in bestimmten Fällen eine millimeterdünne Lasersonde ausreichen. Über ein kleines Bohrloch wird sie unter MRT-Kontrolle präzise in das Tumorgewebe geführt, die Hitze des Lasers zerstört die Krebszellen gezielt von innen heraus. Mediziner bezeichnen dieses Verfahren als Laserablation.

Die Laser Interstitial Thermal Therapy (LITT) ist eine der schonendsten Methoden zur Behandlung ausgewählter Hirntumoren. Statt einer großen Schädelöffnung genügt ein minimalinvasiver Zugang. „Wir können während des Eingriffs exakt festlegen, welche Hirnareale behandelt werden“, sagt Professor Dr. Thomas Gasser, Neurochirurg und Leiter der Neurochirurgie der Beta Klinik Bonn. Die Beta Klinik zählt zu den erfahrenen europäischen Einrichtungen, die die LITT seit Jahren bei Hirntumoren und anderen neurologischen Erkrankungen einsetzen. 

Doch die Bedeutung der Methode beruht nicht nur auf ihrer Präzision. Eine aktuelle Studie in Nature Communications deutet darauf hin, dass die Laserablation noch einen weiteren Effekt hat: Sie aktiviert offenbar das Immunsystem für den Kampf gegen den Tumor – und ebnet damit den Weg für eine wirksamere Immuntherapie.

Gerade beim Glioblastom, dem häufigsten und aggressivsten bösartigen Hirntumor des Erwachsenenalters, suchen Forscher seit Jahren nach neuen Behandlungsansätzen. Zwar haben Immuntherapien bei verschiedenen Krebsarten teils beeindruckende Erfolge erzielt. Doch bei Hirntumoren blieben die Ergebnisse bislang hinter den Erwartungen zurück. Eine Ursache ist die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn schützt, aber auch Immunzellen und Medikamente am Eindringen hindern kann.

Die Laserablation kann helfen, diese Hürden zu überwinden. Die gezielte Erwärmung des Tumorgewebes zerstört nicht nur Krebszellen – sie setzt Tumorbestandteile frei, die dem Immunsystem als Erkennungsmerkmale dienen. Zudem wird die Blut-Hirn-Schranke vorübergehend durchlässiger. So entsteht ein therapeutisches Fenster, in dem Immunzellen und Medikamente den Tumor besser erreichen können.

Die Forscher kombinierten deshalb die Laserablation mit dem Immuntherapeutikum Pembrolizumab. Das Ergebnis: Patienten mit wiederkehrenden hochgradigen Astrozytomen erreichten ein medianes Gesamtüberleben von 11,8 Monaten. In der Vergleichsgruppe lag dieser Wert bei 5,2 Monaten. Besonders bemerkenswert: 42 Prozent der Patienten aus der Kombinationsgruppe lebten nach 18 Monaten noch, in der Vergleichsgruppe keiner.

„Lange haben wir die Laserablation vor allem als Möglichkeit betrachtet, Tumorgewebe präzise und schonend zu zerstören“, sagt Neurochirurg Prof. Dr. Michael Sabel, ebenfalls LITT-Experte der Beta Klinik. „Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass sie darüber hinaus biologische Prozesse anstoßen kann, die eine Immuntherapie überhaupt erst wirksam machen.“

Noch ist es kein Durchbruch im Sinne einer Heilung. Die Patientenzahlen der Studie sind relativ klein, weitere Untersuchungen müssen die Ergebnisse bestätigen. Dennoch ist der Ansatz ein Signal. Denn erstmals deutet sich an, dass ein minimalinvasiver Eingriff nicht nur Tumorgewebe zerstört, sondern zugleich eine Immunantwort auslöst, die weit über den eigentlichen Behandlungsort hinausreicht. Der Laser trifft nicht nur den Tumor: Er macht auch das Immunsystem auf ihn aufmerksam.
 

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