Neues aus der Forschung

Juni 2017 | Die Zeit | Leben mit Krebs

Neues aus der Forschung

Die Wissenschaftler sind heutzutage weltweit vernetzt. Internationale Studien, die auf Fachkongressen vorgestellt werden, zeigen Zusammenhänge auf und liefern ein immer differenzierteres Bild von der Volkskrankheit Krebs.

Illustration: Dominika Kowalska
Zusammenstellung: J.W Heidtmann / Redaktion

Brustrekonstruktion: welche Methode?

In einer Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology erschien, wurden Methoden verglichen, mit denen die Brust unmittelbar nach der Brustkrebsoperation rekonstruiert werden kann. Vor und ein Jahr nach der Operation wurden die Patientinnen zu ihrem Befinden befragt. Die Patientinnen, deren Brust mithilfe von Eigengewebe rekonstruiert worden war, zeigten eine größere Zufriedenheit mit dem Ergebnis als die Patientinnen mit Implantatrekonstruktion, ihr psychosoziales Befinden war besser, ebenso ihr Befinden hinsichtlich des Sexuallebens. Jedoch fühlten sich alle Patientinnen ein Jahr nach der Operation körperlich nicht wieder vollständig hergestellt – in beiden Gruppen litten die Teilnehmerinnen noch unter Beschwerden infolge des operativen Eingriffs wie Müdigkeit oder Schmerzen.


Traumatischer Brustkrebs

Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, leiden nach der Behandlung häufig unter leichten Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Konzentration und anderer geistiger Fähigkeiten. Seit Jahren gibt es den Verdacht, dass es sich dabei um eine Nebenwirkung der Chemotherapie handelt; sogar einen eigenen Begriff gibt es für dieses Phänomen: „Chemobrain“. Wissenschaftler des Brustzentrums der Ludwig-Maximilians-Universität und mehrerer Kliniken in und um München haben herausgefunden, dass durch die Erkrankung bedingter posttraumatischer Stress eine wesentliche Rolle bei dieser Störung spielt. „Es ist gut nachgewiesen, dass posttraumatischer Stress – nicht zu verwechseln mit normalem Alltagsstress – tief in die Arbeitsweise des Gehirns eingreift“, sagt Studienleiterin Kerstin Hermelink vom Brustzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität, der Frankfurter Rundschau: „Eine Krebserkrankung kann als Trauma erlebt werden. Deshalb war es naheliegend, die Hypothese aufzustellen, dass kognitive Auffälligkeiten bei Krebspatientinnen eine Folge von posttraumatischer Stressbelastung sind.“


Darmspiegelung: in der Regel komplikationslos

Eine Studie aus dem Saarland hat die Komplikationsrate während und nach der Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs untersucht. Dabei wird ein Schlauch mit Spiegel über den After in den Darm eingeführt und dort vorsichtig vorgeschoben, um die Schleimhaut zu begutachten. Etwa 5.500 Teilnehmer in 26 Arztpraxen wurden erfasst, davon gut die Hälfte Frauen. Während oder innerhalb von vier Wochen nach der Darmspiegelung traten 16 Blutungen (0,3 Prozent) und vier Darmdurchbrüche (Perforationen; 0,08 Prozent) auf, die auch von ärztlicher Seite bestätigt wurden. Die 20 Komplikationsfälle traten ausschließlich bei Patienten auf, bei denen während der Untersuchung Vorstufen von Darmkrebs oder Darmkrebs selbst (18 Fälle) oder anderweitige Polypen (zwei Fälle) festgestellt wurden.


Was tun bei Prostatakrebs mit Knochenmetastasen?

Wenn bei Prostatakrebs bereits Knochenmetastasen auftreten, führt eine Hormontherapie mit anschließender Chemotherapie zu einer besseren Lebensqualität, berichtete Prof. Peter Hammerer, Urologische Klinik des Städtischen Klinikums Braunschweig, vom Deutschen Urologenkongress in Leipzig der Deutschen Krebsgesellschaft. Diese Behandlungsform werde mittlerweile als Standard in der Behandlung bei Prostatakrebs mit Knochenmetastasen angesehen.


Blut im Urin

Wenn sich Blut im Urin befindet, ist eine Abklärung durch einen Arzt dringend geboten, weil sich eine bösartige Erkrankung der Harnwege, aber auch eine andere ernstzunehmende Erkrankung dahinter verbergen kann. Doch vergeht offenbar nicht selten zu viel Zeit, bevor eine Krebsdiagnose feststeht. In einer US-amerikanischen Studie, die in der Fachzeitschrift BJU International veröffentlicht wurde, war eine Krebsdiagnose bei vielen Patienten verzögert gestellt worden, weil es nach dem Auftreten der Hämaturie zu einem Harnwegsinfekt, einem Nierensteinleiden oder einer erstmalig festgestellten oder wiederholt auftretenden Prostataerkrankung kam, wodurch der Blick auf die Krebserkrankung verstellt wurde.

Mehr neuroendokrine Tumore

Die Zahl der diagnostizierten Tumore, die aus hormonbildenden Zellen entstehen und meist selbst Hormone, Überträger- oder Botenstoffe produzieren, wächst an. Diese so genannten neuroendokrinen Tumoren stiegen laut einer Studie aus den USA von 1973 bis 2012 altersangepasst von 1,09 Fällen pro 100.000 Einwohner um das Sechseinhalbfache auf 6,98 Fälle pro 100.000 Einwohner an. Die Ursache ist unbekannt. Im Gegenzug haben sich in den vergangenen 15 Jahren die Überlebenschancen bei der Erkrankung verbessert. Hierfür machen die Studienautoren insbesondere die verbesserte Diagnostik verantwortlich, wodurch mehr Fälle im Frühstadium diagnostiziert werden können.


Leberkrebs: Lokale Chemotherapie hilft

Metastasen von Darmkrebs in der Leber können oftmals durch eine Operation entfernt werden. Wird noch während des Eingriffs über die Leberarterie eine Chemotherapie an den Ort der Metastasen in der Leber geleitet, verbessern sich die Erfolgsaussichten. Das geht aus einer Studie hervor, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology präsentiert wurden. Die zusätzliche lokale Chemotherapie führte zu besseren Überlebenschancen als bei den nur mit systemischer Chemotherapie Behandelten. So lebte die Hälfte der auch mit lokaler Chemotherapie Behandelten 67 Monate oder länger, die Hälfte der nicht mit lokaler Chemotherapie Behandelten lebte 44 Monate oder länger.


Mehr Kinder erkranken an Krebs

Zwar kommt Krebs bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu Älteren nur selten vor, doch seit den 1980er Jahren ist die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei unter 14-Jährigen weltweit gestiegen. Eine weltweite Studie der International Agency for Research on Cancer hat knapp 400.000 Krebsfälle bei Kindern und Jugendlichen erfasst. Bei Kindern im Alter von 0-14 Jahren waren am häufigsten Leukämien, Tumoren des Zentralen Nervensystems und Lymphome. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren kamen vor allem Lymphome, heller Hautkrebs und Melanome vor. Die Häufigkeit der Krebserkrankungen variierte in Abhängigkeit von der geographischen Region, dem Krebstyp, dem Geschlecht, dem Alter und der ethnischen Herkunft. Insgesamt war Leukämie die häufigste Krebsart bei Kindern weltweit.

(Quelle, falls nicht anders angegeben: Deutsche Krebsgesellschaft)