Diabetes – Gefahr für das Herz

Herz-Kreislauf-Erkrankungen können den Verlauf eines Diabetes verschlechtern, ebenso kann Diabetes sich negativ auf Herz und Kreislauf auswirken.

Illustration: Merle Piroli
Illustration: Merle Piroli
Dr. Ulrike Schupp Beitrag

Diabetes schlägt aufs Herz: Männer mit Diabetes erleiden zwei- bis viermal so häufig einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt wie Stoffwechselgesunde. Bei Frauen versechsfacht sich das Risiko sogar. Spätestens nach den Wechseljahren reduziert sich für sie im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen der hormonelle Schutz. Auch die Durchblutungsstörungen der Beinschlagader bei der „Schaufensterkrankheit“ geht oft mit einer „Zuckerkrankheit“ einher. Beim Gehen haben Betroffene häufig so starke Schmerzen, dass sie unter einem Vorwand stehen bleiben müssen, zum Beispiel vor den Auslagen in der Einkaufsmeile. Das liegt daran, dass Diabetes Entzündungsreaktionen im Körper begünstigt. Er beschleunigt das Entstehen und Fortschreiten von Atherosklerose, von Verengungen der Blutgefäße durch Plaques aus Kalk, Bindegewebe und Lipide, die sich an den Wänden der Adern festsetzen. Eine Gefahr, die auch Patientinnen und Patienten oft unterschätzen. Sind die Herzkranzgefäße von dieser „Verkalkung“ betroffen, spricht man von koronarer Herzkrankheit (KHK), mit steigendem Herzinfarktrisiko. Bei Durchblutungsstörungen des Gehirns drohen Schlaganfälle. Und schon ein durch Prädiabetes erhöhter Blutzuckerspiegel begünstigt die Atherosklerose.
 

PUMPLEISTUNG VERRINGERT


Durch sie verlieren die Blutgefäße außerdem ihre Elastizität. Reißen die starren, festen Plaques ein, können sich Blutgerinnsel bilden, die das Gefäß verstopfen und die Versorgung der Organe verhindern. Durch den Diabetes verändert das Blut seine Fließeigenschaften und klumpt schneller zusammen, während gleichzeitig ein erhöhter Blutdruck verstärkt zum Einreißen der Plaques führen kann. Die Pumpleistung des Herzens verringert sich, denn auch der Herzmuskel büßt seine Elastizität ein. 

Der Deutschen Herzstiftung zufolge stirbt mehr als jeder zweite Mensch mit Diabetes an einem Herzinfarkt. Dieser ist für Diabeteskranke häufiger tödlicher als für andere Menschen. Durch die vom Diabetes geschädigten Nervenzellen ist ihr Schmerzempfinden verändert. Es kommt eher zu „stummen Infarkten“, die sich weder durch Schmerzen noch durch das typische Engegefühl in der Brust ankündigen.
 

REGELMÄSSIGE UNTERSUCHUNG


Das Heimtückische ist: Sowohl Diabetes als auch Atherosklerose und damit zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit entwickeln sich langsam, über Jahre hinweg und bleiben lange unbemerkt. Wer zuckerkrank ist, sollte deshalb unbedingt regelmäßig auch sein Herz untersuchen lassen. Mit Hilfe eines EKGs, eines Ultraschalls oder durch eine Blutuntersuchung lässt sich eine Herzschwäche meist schon früh erkennen, und auch das Herzinfarktrisiko kann verringert werden. Herzpatientinnen und -patienten tun ebenfalls gut daran, regelmäßig ihre Blutzuckerwerte überprüfen zu lassen oder auch sich auf Diabetes testen zu lassen. Ein unerkannter Diabetes kann schließlich den Verlauf ihrer Erkrankung massiv verschlechtern. Sowohl Diabetes- als auch Herzkranke haben jedoch die Chance, ihre Gesundheit über Lebensstilfaktoren positiv zu beeinflussen. Sie sollten Übergewicht vermeiden, auf niedrige Cholesterinwerte und eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse achten, auf Nikotin verzichten und trotz Stress und Alltagsbelastung im Terminkalender regelmäßig Zeit für moderaten Ausdauersport freihalten.

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