Mit App und Telemedizin gegen COVID-19

Juni 2020 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Mit App und Telemedizin gegen COVID-19

Digitale Lösungen sind insbesondere für die Überwachung von COVID-19-Patienten in Heimquarantäne wichtig. Mit SaniQ Infekt steht nun eine fertige Lösung in den Startlöchern.

Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Kuhn, Gründer MED.digital GmbH, Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Universitätsmedizin Johanes Gutenberg-Universität Mainz, Twitter @digitalmedizin
Qurasoft / Anzeige

Herr Dr. Kuhn, Sie sind Orthopäde und Unfallchirurg – nicht die klassischen Felder für Telemedizin. Woher kommt Ihr Interesse?
Unfallchirurgie und Telemedizin werden deshalb selten miteinander verbunden, weil bei digitalen Gesundheitsanwendungen meist nur an die Videosprechstunde gedacht wird. Das ist jedoch nur ein Aspekt. Telemedizin ist vor allem die Vernetzung verschiedener Akteure sowie der effektive Austausch und die Auswertung relevanter Behandlungsdaten. Das Prinzip „Get the right information, to the right doctor at the right time“ rettet Leben – sowohl nach einem schweren Unfall als auch im Rahmen internistischer Erkrankungen. Daher beschäftige ich mich bereits seit rund zehn Jahren mit den Möglichkeiten der Telemedizin.

 

Wie passt eine digitale Lösung zur Versorgung von COVID-19-Patienten in dieses Bild?
Als Anfang März klar wurde, dass wir uns auch in Deutschland auf eine Welle von COVID-19-Infektionen einstellen müssen, wurden zunächst wichtige Fragen rund um die intensivmedizinische Versorgung gestellt. Jedoch wird der Großteil der Patienten nicht primär in Kliniken versorgt, sondern befindet sich in häuslicher Quarantäne und in stationären Pflegeeinrichtungen. Hier kann eine digitale Lösung gleich mehrere Probleme adressieren und neue Lösungsansätze schaffen. Eine ärztliche Behandlung per Telefon ist herausfordernd und weist deutliche Defizite beim Monitoring dieser Patienten auf. Ferner ist der Informationsfluss zwischen dem ambulanten und stationären Sektor aktuell noch lückenhaft. Zusätzlich sind eine strukturierte Erfassung und der effektive Austausch der Behandlungsdaten nicht nur für den einzelnen akut erkrankten Patienten wichtig, sondern auch für die Bewältigung der Pandemie als Ganzes.

 

Warum haben Sie sich bei der Entwicklung einer solchen Lösung mit dem Softwarehersteller Qurasoft zusammengeschlossen?
Da ich mich seit vielen Jahren mit Telemedizin beschäftige, kenne ich die Akteure am Markt sehr gut. COVID-19 trifft uns heute. Wir brauchen also Lösungen, die schnell verfügbar sind, um die Krankheit in den nächsten ein, zwei Jahren aktiv managen zu können. Auf einem weißen Blatt Papier zu beginnen, macht da wenig Sinn – was wir zum Glück auch nicht mussten. Denn Qurasoft hat mit SaniQ bereits Lösungen am Markt, die viele Komponenten bieten, die wir für die Versorgung von COVID-19-Patienten benötigen.

 

Was macht SaniQ zur idealen Basis einer Versorgungslösung für COVID-19-Patienten?
SaniQ ist bereits seit mehreren Jahren eine etablierte digitale Gesundheitsanwendung für das Monitoring und die telemedizinische Behandlung chronischer Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Die Patienten-Apps sind als Medizinprodukt der Klasse I zertifiziert und eine Praxissoftware bindet den behandelnden Arzt an. Das heißt, die existierenden Lösungen erlauben einen umfassenden Datenschutz-konformen Austausch relevanter Behandlungsdaten. Wir mussten lediglich vorhandene Bausteine auf die Bedürfnisse und Spezifika von COVID-19 anpassen, nicht aber komplett neu entwickeln. Entsprechend ist die Lösung SaniQ Infekt auch bereits ab Juni 2020 erhältlich.


Wie genau soll SaniQ eingesetzt werden?
Nehmen wir an, Sie lassen sich auf COVID-19 testen – weil Sie Symp-tome haben oder in Ihrem Umfeld jemand nachweislich erkrankt ist. Dann kann Sie SaniQ bereits ab diesem Moment unterstützen. Sie können Ihre Testergebnisse über unsere Lösung abrufen und Ihre Symptome in der Zwischenzeit engmaschig tracken. Subjektive Beschwerden und wichtige Vitaldaten wie die Temperatur, Puls, Blutdruck oder die Sauerstoffsättigung des Bluts können über SaniQ im Sinne eines „monitoring@home“ überwacht werden. In der postakuten Phase wird die Rehabilitation mit einem speziellen Fokus auf die Erkennung von chronischen Folgeschäden unterstützt. Ihr Hausarzt oder die COVID-19 Spezialambulanz sind mittels Praxissoftware mit Ihnen verbunden. Und falls Sie Ihr Einverständnis geben, kann eine anonyme Datenspende an Forschungsdatenbanken und Register den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn unterstützen.

 

Brauche ich dafür zusätzliche medizinische Geräte?
Handelsübliche Fieberthermo-meter, Pulsoxymeter und Blutdruckmessgeräte, die Sie bereits besitzen oder in jeder Apotheke bekommen, reichen aus. Wer es „digitaler“ mag, kann auf Varianten mit Bluetooth-Anbindung setzen, die die Daten dann automatisch an SaniQ übertragen. Zusätzlich lassen sich auch Messgeräte zur Erfassung der Lungenfunktion und Smartwatches einbinden, die insbesondere für die Beurteilung des Rehabilitationsverlaufs und für die Erkennung von chronischen Folgeschäden wichtig sind.

 

Welchen Vorteil hat die Überwachung der Vitaldaten für Behandler?
Die bisherigen Erkenntnisse zu COVID-19 zeigen, dass insbesondere die zweite und dritte Woche entscheidend für den Verlauf sind. Wenn es jedoch zu einer Verschlechterung kommt, tritt diese häufig innerhalb eines Tages ein. Es ist daher gut möglich, dass ein Patient in häuslicher Quarantäne, der morgens noch mit seinem Hausarzt telefoniert und keine Veränderung seines Zustands angegeben hat, abends als Notfall in eine Klinik eingewiesen werden muss. Wir wissen in der Zwischenzeit jedoch auch, dass veränderte Vitaldaten frühzeitig auf eine mögliche Verschlechterung hinweisen. Diese „digitalen Biomarker“ stellen zunehmend eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage innovativer Therapiestrategien dar. Und genau da setzen wir mit SaniQ Infekt an. Zudem sorgt die App dafür, dass bei Aufnahme in einer Klinik dort auch sofort alle relevanten Informationen des bisherigen Krankheitsverlaufs vorliegen – und sie liefert wichtige Erkenntnisse für Forschung und Entwicklung. Denn auch das ist ein Problem in der Behandlung von COVID-19: Die Daten fließen bisher nicht so, wie sie könnten oder vielleicht auch müssten.

 

 

www.saniq.org | Twitter: SaniQApp